Zum neuen Vorstand gehören neben Gundula Schneider als erste Vorsitzende Rama Fejleh als zweite Vorsitzende, Kerstin Busch-Engelbrecht als Schriftführerin und Hary Schneider als Kassierer. Problem der aktuellen Vereinsbesetzung sei, dass die Jüngsten der rund 60 Mitglieder Anfang bis Mitte Fünfzig sind, verrät Schneider.
Der Verein sei für die Stadt Kierspe und die Geflüchteten, die hier Schutz suchen, „unglaublich wertvoll“, so Ausschuss-Vorsitzender Thomas Nies. Das habe sich bereits in der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 gezeigt.
In der Sitzung hatte der neue Vorstand die Gelegenheit, sich und seine Arbeit vorzustellen und mit den Anwesenden ins Gespräch zu kommen. Heiß diskutiert wurde, ob die neue Position einer „Casemanagerin“, zu Deutsch „Fall-Managerin“, die durch den Märkischen Kreis ab der folgenden Woche gestellt würde, die Arbeit des Vereins unterstützen kann, etwa beim Erleichtern von Behördengängen für Geflüchtete, oder ob es sich um ein reines „Verweismanagement“ handeln würde. Das sei „völlig an der Sache vorbei“, wie es Ralf Ulrich von der SPD-Fraktion heftig kritisierte.
„Allen helfen, die mit dem Rücken auf dem Boden liegen“
„Im vergangenen Jahr haben wir große Umbrüche erlebt“, begann Schneider zunächst ihren Vortrag. Der plötzlich erzwungene Rückzug des Ehepaars Schmid-Essing und Schmid und der gleichzeitige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine überrollten den Verein, der sich 1992 gegründet hatte, „um Menschen zu unterstützen, die während der Balkankriege in Not geraten waren“, wie es im aktuellen Flyer heißt. Als „Kümmerlinge“ könnten demnach Freiwillige „Geflüchtete betreuen und ihnen bei der Integration in Deutschland beistehen.“

„Mit einem Mal kam eine große Menge an Geflüchteten auf uns zu“, berichtet Schneider. Die meisten seien allerdings privat organisiert und privat untergekommen, etwa durch die hiesige Baptistengemeinde. Dennoch sei man gezwungen gewesen, zeitnah einen neuen Vorstand zu gründen. „So lag es nah, dass ich als damalige zweite Vorsitzende eine Position aufrücke“, erklärt Scheider. „Wir möchten weiter allen helfen, die mit dem Rücken auf dem Boden liegen“, begründet sie das Vereins-Engagement.
Möbellager und Behördengänge
Jeden ersten und dritten Samstag im Monat öffnet das Möbellager des Vereins von 11 bis 13 Uhr, Kamperbach 67 in Kierspe, seine Tore, um Geflüchtete mit der nötigsten Ausstattung zu versorgen. „Mehrmals dürfen Menschen kommen, die mit nicht mehr als zwei Koffern fliehen mussten, um sich mit Möbeln und Hausrat einzudecken. Nach einigen Malen ist ein kleiner Obolus fällig“, erklärt Schneider das Prinzip.
Folgendes sei an der Annahmestelle aktuell besonders gefragt:
- Kleinmöbel
- Betten
- Geschirr – besonders Löffel
- Pfannen
- große Töpfe, in der Größe von Einkochtöpfen
- Spannbettlaken
- Kindersitze
- Kinderwagen
- Kinderfahrräder und Laufräder
- Spielzeug
- Gesellschaftsspiele, bei denen kein Sprachverständnis nötig ist, etwa „Mensch Ärgere Dich Nicht“
„Kleidung wird bei uns nicht gesammelt“, betont Schneider. Sollte dennoch Kleidung abgegeben werden, werde diese an den Verein Hand-in-Hand weiter gereicht.
Des weiteren hilft der Verein bei Behördengängen, etwa bei Registrierungen im Jobcenter, bei Banken und Sparkassen oder bei Versicherungen. „Der ganz alltägliche Aufwand, den man manchmal auch als Deutscher nicht mehr versteht“, gibt Schneider zu. Außerdem unterstütze er bei der Anmeldung im Kindergarten oder in der Schule.
Auch die Zusammenarbeit mit hiesigen Ärzten lobte Schneider, etwa mit der Frauenarztpraxis Marrenbach-Knipp.
Wunsch an die Stadt: Kontakt für Notfälle
Neben dem Betreiben des Möbellagers arbeitet der Verein mit der AWO zusammen, die Sprachkurse anbietet. „Wir sind auch dankbar für die Zusammenarbeit mit der Stadt, auch wenn sich über die Jahre Schleifspuren gebildet haben“, so Schneider. Sie wünsche sich konkrete Ansprechpartner bei der Stadt, an die sie sich wenden könne, wenn etwa in einer Wohnanlage für Geflüchtete die Heizung ausfiel. Das sei leider schon mehrfach vorgekommen. „Wir brauchen hier einen Kontakt für Notfälle“.
Kritik an „Case-Managerin“
„Bei Bedarf wickeln wir sogar ganze Asylverfahren ab. Das ist ein Formularwust“, weiß Schneider aus Erfahrung. „Hier würde ich mir jemanden wünschen, der uns von Seiten der Stadt dabei hilft“.
Sachgebietsleiter Sebastian Laatsch verwies an diesem Punkt auf die neu eingerichtete Personalie der Case-Managerin. „Die Stelle ist als Außenstelle des Kommunalen Integrationszentrums des Märkischen Kreises besetzt worden. Die Kollegin soll in der kommenden Woche in Kierspe anfangen.“
Schneider lobte zwar die Fördermittel, die der Verein neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen durch das Integrationszentrum erhalte, äußerte sich aber skeptisch der neuen Position gegenüber. „Wir hoffen auf eine Erleichterung durch die neue Kollegin, sehen aber nach ersten Gesprächen und einer ersten Darstellung noch keinen Nutzen“, gibt sie zu. Ulrich mache das entworfene Stellenprofil „sauer“. „Das geht völlig an den Belangen vorbei, die sie uns geschildert haben.“ Die Case-Managerin könne nur auf Informationen und Beratungsstellen verweisen, aber nicht selbst aktiv werden.
Zum Abschluss äußerte Schneider noch eine konstruktive Idee: Die Stadt könne bei ihren Informationen zum Thema Sperrmüll auf die Spendenhilfe des Vereins hinweisen. „Oft sehe ich Berge an Sperrmüll an den Straßen im Regen stehen, die wir gut hätten gebrauchen können.“ Nies nahm den Vorschlag im Sinne der Nachhaltigkeit dankend auf.









