Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises hegt „erhebliche Bedenken“ gegen die Bebauung der Bereiche Herksiepe und Schillerstein. Deutlich wurde dies bei der jüngsten Sitzung im Lüdenscheider Kreishaus, wie aus einer Pressemitteilung des Kreises hervorgeht.
„Bürgermeister Armin Kibbert und Stadtkämmerer Simon Thienel warben für den Bau einer blau-grünen Mustersiedlung aus Ein- bis Zweifamilienhäusern auf den bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen, die nach Aussagen der Planer ökologisch und auch aus dem Gesichtspunkt des Hochwasserschutzes allen Ansprüchen gerecht werde“, heißt es darin.
Beirat: "Nicht mehr zeitgemäß"
Und weiter: „Aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes äußerte der Beirat erhebliche Bedenken gegen den weiteren Flächenverbrauch durch die Versiegelung von landwirtschaftlichen Grünflächen. Mit einer Größenordnung von vier Hektar sei dies nicht mehr zeitgemäß und gehe insbesondere durch den nordwärts weisenden Finger über eine Abrundung des bestehenden Wohngebiets Linger Weg/Falkenstraße hinaus. Kritisiert wurde die Anlage einer Streuobstwiese, eingeklemmt zwischen geplanter Bebauung und einer vorhandenen Straße. Bedenken äußerte der Beirat auch hinsichtlich des Hochwasserschutzes.“
Brunsmeier: "Nicht befangen"
Die Stellungnahme des Beirats erfolgte laut Pressestelle des Kreises einstimmig. Mitglied des Gremiums aus Halver ist Klaus Brunsmeier, Geschäftsführer der Heesfelder Mühle, der kürzlich noch eine intensive Debatte um das Vorhaben initiiert hatte. Auch Brunsmeier stimmte gegen das Erschließungsprojekt, das Politik und Verwaltung seit 2019 beschäftigt.
Er sehe sich in dieser Frage nicht als befangen, sagt der Funktionsträger des BUND, für den er Sitz und Stimme im Beirat hat. „Ich bin nicht Anlieger oder besitze dort keine Grundstücke“, sagt er auf Anfrage von LokalDirekt. „Ich könnte als Anlieger auch nicht dagegen klagen.“
Simon Thienel: "Projekt nicht gefährdet"
Die ablehnende Haltung des Beirats gefährde das Projekt nicht, so die Einschätzung des Ersten Beigeordneten Simon Thienel, der auch die Bauleitplanung in Halver verantwortet. „Der Naturschutzbeirat berät die Untere Naturschutzbehörde des Kreises, hat aber keine direkt eingreifende oder aufschiebende Funktion. Obwohl der Beirat außerhalb der Frist der Offenlage tagte, war es der Stadt Halver wichtig, die dortige Stimmung aufzunehmen und die eigene Position zu vertreten“, so Thienels Kommentar.
Man befinde sich im Einvernehmen mit der Kreisverwaltung und deren politischen Gremien in dieser Frage. Die Rückmeldungen der Träger öffentlicher Belange, insbesondere mit Blick auf die Wasserwirtschaft, seien „überwiegend bedenkenfrei“, so Halvers Kämmerer.
Kreisdirektorin: Wohnraumbedarf in Halver
„Die Mehrheiten sind ebenso weiterhin klar, sodass die Stadt spätestens im November die Entwurfsbeschlussfassung einbringt“, sagt Thienel, der auch ein weiteres Argument in die Waagschale wirft: Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper habe in der Sitzung betont, dass nach den neuesten Berechnungen der Regionalplanungsbehörde Halver die einzige Stadt im Märkischen Kreis sei, der zusätzlicher Wohnraumbedarf zugestanden und zugerechnet werde.








