Der anstehende Wechsel Simon Thienels nach Schwelm sorgt für Bedauern und für Fragezeichen in der Halveraner Kommunalpolitik. Der Erste Beigeordnete, Kämmerer und Verantwortliche für Stadtplanung wechselt zum 1. Februar in seinen Heimatort als Beigeordneter für Planen, Umwelt, Bauen sowie administratives und technisches Immobilienmanagement.

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LokalDirekt hat die Fraktionsspitzen der Kommunalpolitik um eine Einschätzung der neuen Situation mit der Spitzenpersonalie gebeten. Denn ein Problem könnte werden, einen Fachmann für zwei unterschiedliche Gebiete zu finden – zum einen für Stadtplanung, zum anderen für Finanzen. Thienel hatte beide Bereiche von seinem Vorgänger Markus Tempelmann übernommen.

CDU

Er habe Thienel „als Fachmann, als professionell und überparteilich wahrgenommen“, kommentiert CDU-Fraktionschef Sascha Gerhardt. Thienel habe alle laufenden Prozesse von Grund auf gekannt und auch die Voraussetzungen dafür im städtischen Haushalt. Sein Weggang sei „ein klarer Verlust“, seine Motivation für den Wechsel aber „absolut nachvollziehbar“. Doch die Gestaltung der Nachfolge werde schwierig, so seine Einschätzung. Die Struktur der Verwaltung sei auf die Doppelfunktion zugeschnitten. Ein erneuter Umbau der Verwaltung wäre mit Reibungsverlusten verbunden, so Gerhardt weiter. Positiv sei einzig: „Thienel wird die Stadt erst nach Aufstellung und Verabschiedung des bevorstehenden Haushalts verlassen.“

Grüne
„Simon Thienel hinterlässt in Halver deutliche Spuren. Er hat in den vergangenen Jahren eine enorme Arbeitsleistung erbracht.“ Mit diesen Worten kommentiert seitens der Grünen-Fraktion Matthias Clever den kommenden Abschied. „Mit Projekten wie ‚Von der Quelle bis zur Mühle‘, Boardinghouse und weiteren Vorhaben hat er dazu beigetragen, wichtige Projekte für Halver erfolgreich an den Start zu bringen bzw. umzusetzen. Dieses Tempo war für Politik und Verwaltung manchmal durchaus herausfordernd – aber es hat eben auch dazu geführt, dass Dinge umgesetzt wurden.“ Und nicht zuletzt: „Simon Thienel hat in der Kämmerei ein junges, schlagkräftiges Team aufgebaut. Damit hinterlässt er eine Struktur, von der die Stadt auch nach seinem Weggang profitieren wird.“ Klar sei aber auch: „Wir waren mit Simon Thienel nicht immer einer Meinung und haben unterschiedliche Auffassungen auch offen miteinander ausgetragen. Aber eines galt immer: Sein Wort hatte Gewicht und man konnte sich darauf verlassen.“

UWG

„Ich kann seine Beweggründe gut verstehen. Entscheidend ist, dass es seine Heimatstadt ist“, sagt Dr. Sabine Wallmann, Vorsitzende der UWG-Fraktion. „Wir haben gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und große Projekte mit ihm durchgezogen“, sagt sie rückblickend auf Thienels Amtszeit und nennt als Beispiel die Übertragung des Kanalnetzes an den Ruhrverband. Jetzt gehe es darum, sich zeitnah Gedanken über eine Nachfolge zu machen und möglicherweise „die Stelle an die Person anzupassen“. Diese Stellenbesetzung sehe sie aber als Gemeinschaftsprojekt. „Die Ideen sollten wir aus dem Team im Rathaus holen“, ist Wallmanns Überlegung. „Wenn wir etwas für das Wohl der Stadt Halver tun wollen, können wir das nur gemeinsam erreichen.“

SPD

„Verständlich, für uns in Halver aber bitter“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Pregitzer zur Personalie. „Simon Thienel hat in seiner Zeit bei der Stadt einen guten Job gemacht und vieles auf den Weg gebracht. Mit großem Einsatz hat er unter anderem die Projekte Leifersberge und Herksiepe/Schillerstein vorangebracht und wichtige Entwicklungen angestoßen. Gleichzeitig stehen weitere große Projekte unmittelbar vor einem entscheidenden Stadium. Auch wenn es in der Politik unterschiedliche Auffassungen und Diskussionen mit ihm gab, habe ich ihn als geradlinig und engagiert erlebt.“ Nun stelle sich allerdings die Frage, wie die Verwaltung zukünftig aufgestellt werden sollte. „Muss die Position des Beigeordneten tatsächlich 1:1 neu besetzt werden, oder wäre es sinnvoll, die Zuständigkeiten anders zu organisieren?“, fragt Pregitzer. Denkbar wäre aus ihrer Sicht zum Beispiel, Kämmerei und Stadtplanung stärker voneinander zu trennen und die Aufgaben neu zu verteilen.

AfD

„Bedauerlich“ nennt auch Florian Stein, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Halveraner Rat, den bevorstehenden Abschied des Kämmerers aus Halver. „Er hatte den Haushalt im Griff, war immer super vorbereitet, hat uns als Fraktion beraten und betreut.“ Nun sei es wichtig, jemanden mit dieser Expertise zu finden, der die Kernkompetenzen mitbringt. Gelinge dies nicht, werde es unter Umständen nötig, die Aufgabenbereiche aufzuspalten. Sie einfach innerhalb der Verwaltung aufzuteilen, halte er für den falschen Weg.