Simon Thienel, Erster Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Halver, steht vor einem Wechsel zur Stadt Schwelm. Informationen von LokalDirekt zufolge sprach sich der Hauptausschuss in Schwelm am Donnerstag, 24. September, mit breiter Mehrheit für den 46-Jährigen aus. Die Wahl steht in der Ratssitzung am Donnerstag, 1. Oktober, an.

In Schwelm, zugleich Thienels Wohnort, erwartet ihn die Position des Beigeordneten mit der Zuständigkeit für den Geschäftsbereich III, das heißt für die Fachbereiche Planen, Umwelt, Bauen sowie administratives und technisches Immobilienmanagement.

Genau diese Fachbereiche hatte Thienel auch in Halver verantwortet, darunter Stadtentwicklung, Bauwesen und Infrastruktur. Am 13. Dezember 2021 hatte ihn der Rat als Wahlbeamten für eine Amtszeit von acht Jahren bestellt. Damit hatte Thienel die Nachfolge von Markus Tempelmann angetreten. Tempelmann war als Kämmerer zur Stadt Paderborn gewechselt.

Thienels Wechsel soll zum 1. Februar 2027 erfolgen.

Fast 33 Millionen Euro zahlte der Ruhrverband an die Stadt Halver bei der Übertragung des Kanalnetzes. Durch die Überweisung konnten massiv Schuleden abgebaut werden.

Für die Stadt Halver bedeutet die berufliche Entscheidung Thienels eine Zäsur. Die politisch gewollte Konstellation einer Doppelspitze der Verwaltung mit Bürgermeister Armin Kibbert, zuvor Michael Brosch, und einem Beigeordneten gerät damit zunächst ins Wanken. Ob es bei dieser Ausrichtung bleibt, ist nach Einschätzung von Beobachtern noch unklar. Bürgermeister und Beigeordneter hatten als Dezernenten jeweils zwei Fachbereiche verantwortet.

Klar ist hingegen, dass die Stadt Halver einen Verwaltungs-Vollprofi verliert. Thienel war als Dozent und Geschäftsführer des Studieninstituts für Kommunale Verwaltung in Hagen zur Stadt Halver gekommen und einstimmig vom Rat gewählt worden.

Komplexe Aufgaben in Halver

Durch diese Tätigkeit war Thienel bestens in den Verwaltungen Südwestfalens und darüber hinaus vernetzt. In seine Halveraner Amtszeit fielen komplexe Projekte wie die Umsetzung der Baugebiete Leifersberge (Gewerbe) und Schillerstein/Herksiepe (Wohnen) unter schwierigen Rahmenbedingungen.

Weiter zu nennen sind die Umsetzung der Planungen für das innerstädtische Wippermann-Areal mit Werkhof, Denkhof, Wohnbebauung durch die WHS und Boardinghouse sowie das Naturschutzprojekt im oberen Hälvertal. Auch innerhalb der Verwaltung hatte Thienel Zeichen gesetzt – mit einer Verjüngung und gezielter Personalakquise an relevanten Positionen im Rathaus.

Ebenfalls heikel war in seiner Amtszeit die Aufgabe als Kämmerer. In diese fiel ein massiver Abbau von Schulden, die Halver über Jahre angesammelt hatte. Mit der Übertragung des Kanalnetzes an den Ruhrverband und die Nutzung des Altlastenentschuldungsgesetzes wurden teure Kredite massiv abgebaut.

Seine künftigen Aufgaben liegen in der flächenmäßig kleinsten Stadt Nordrhein-Westfalens (20 Quadratkilometer) bei annähernd doppelt so vielen Einwohnern (28.000) wie Halver (16.500). Zu einer Kampfabstimmung wird es im Schwelmer Rat nicht kommen. Nach Auswahlverfahren und klarem Votum des Hauptausschusses habe ein verbliebener Mitbewerber seine Kandidatur zurückgezogen, sodass Thienel außer Konkurrenz in die Sitzung am Donnerstag gehen kann.

"Keine Entscheidung gegen Halver"

„Ich habe mir das nicht leicht gemacht“, sagt Thienel selbst über seinen Schritt. „Es war keine Entscheidung gegen Halver, sondern für meine Heimatstadt, in der ich seit zehn Jahren wohne und wo ich in der Nähe aufgewachsen bin.“ Er habe „in Halver tiefe Verbindungen aufgebaut und verbinde die Stadt mit positiven Emotionen“. Die Herausforderung in Schwelm werde sein, die Stadtentwicklung auf engstem Raum und mit wenig Geld voranzubringen. „Das fordert heraus und motiviert positiv“, stellt er mit Blick auf die Perspektiven seiner künftigen Arbeit fest.

Dass sein Weggang in die schwierige Phase der Haushaltsberatungen bis zur Verabschiedung fällt, sei ihm völlig klar. Aber: „Ich mache das fertig und hinterlasse einen sauberen Schreibtisch und ein gut bestelltes Haus“, kündigt er an. Und nicht zuletzt setzt er auf das Team an der Thomasstraße. „Da haben wir eine tolle Mannschaft.“