Die Stadt Iserlohn hat am Freitag, 11. September, mit der Diakonie Mark-Ruhr, dem Caritasverband (Streetwork), der Anonymen Drogenberatung Iserlohn, der Johanniter-Unfall-Hilfe und der „Werkstatt im Hinterhof“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor und in der Reformierten Kirche eine gemeinsame „Aktion zum Tag der Wohnungslosen“ durchgeführt.

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Etwa 150 Gäste kamen nach Angaben der Stadt zwischen 14 und 17 Uhr in die Reformierte Kirche, um das Hilfsnetzwerk kennenzulernen, die Soforthilfen in Anspruch zu nehmen oder einfach nur, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Neben den Möglichkeiten im Rahmen der gemeinsamen Arbeit der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause!“ (Kooperation der Stadt Iserlohn mit der Diakonie Mark-Ruhr und der Anonymen Drogenberatung – mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union) wurden die Unterstützungsangebote der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr sowie die Beratungen und Hilfsangebote der Anonymen Drogenberatung, des Caritasverbandes (Streetwork), der Johanniter-Unfall-Hilfe und der Werkstatt im Hinterhof der Awo präsentiert.

Oliver Funke, Leiter der städtischen Abteilung Unterbringung, Ehrenamt und Beschäftigung, sowie Iserlohns stellvertretender Bürgermeister Michael Scheffler eröffneten die Veranstaltung mit einem Grußwort.

Durch die Ausgabe von „Care-Taschen“ wurden wohnungslose Personen direkt vor Ort unterstützt. Eine begleitende multimediale Ausstellung mit Bild-, Video- und Tonaufzeichnungen verdeutlichte in der Reformierten Kirche beispielhaft die realen Hintergründe der betroffenen Menschen und zeigte konkrete gesellschaftspolitische Herausforderungen auf.

Ein musikalisches Rahmenprogramm mit „Liedermacher Lukas“ und ein kleines Kuchen- und Pizzabuffet sorgten für eine entspannte Atmosphäre, um sich auszutauschen und zu vernetzen.

Mehrere Stufen von der Wohnungslosigkeit zur eigenen Wohnung

Neben vielen Betroffenen, Beteiligten und Interessierten waren auch ehemals Wohnungslose zu Gast, einfach, um zu zeigen, dass es ihnen mittlerweile gut geht. Sie hatten nach ihrer Unterbringung in einer der beiden Iserlohner Sammelunterkünfte und der zwischenzeitlichen Anmietung einer von 13 städtischen Wohnungen den Sprung auf den freien Wohnungsmarkt geschafft und dafür ihren Alltag wieder selbstständig bewerkstelligen müssen.

Vom Erstkontakt bis in die eigenen vier Wände

Tatjana Hegmann-Thomas freut diese Positivbeispiele ganz besonders. Die Diplom-Sozialarbeiterin kümmert sich bei der Stadt Iserlohn um das Landesprojekt „Endlich ein Zuhause!“ und vermittelt in Kooperation mit dem Hilfsnetzwerk vom Erstkontakt bis in die eigenen vier Wände. Dort will Norbert Hellmann noch hinkommen, der 75-Jährige hat zugestimmt, dass seine Geschichte als Beispiel erwähnt werden darf. Der Iserlohner war nach einer Operation wohnungslos geworden und ist aktuell in einer der beiden Sammelunterkünfte in Iserlohn untergebracht.

"Ich hatte Schiss vor Ämtern, das war mein Problem."

Der ehemalige Vorsitzende des Jazzclubs Iserlohn – Deutschlands ältestem Privatclub – hat dabei auch ganz andere Zeiten erlebt: „Ich war 40 Jahre lang selbstständig, habe zeitweise in Brasilien gelebt, war Bluessänger und Mundharmonikaspieler – mein Tipp: Je früher ihr euch meldet, desto besser kann euch geholfen werden. Ich hatte Schiss vor Ämtern, das war mein Problem. Sonst hätte ich vielleicht früher die Kurve gekriegt.“ Auch Hegmann-Thomas unterstreicht: „Je bekannter unser Hilfsnetzwerk durch eine solche Aktion wird, desto mehr Menschen kann geholfen werden. Sobald Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können – also noch vor dem Wohnungsverlust – macht es bereits Sinn, sich bei uns zu melden.“

Norbert Hellmann und Tatjana Hegmann-Thomas stehen hinter einem Tisch mit Broschüren vor einem Plakat zum Thema Wohnraum.
Norbert Hellmann (links) träumt davon „Endlich ein ZUHAUSE!“ zu erhalten – dabei unterstützt ihn die städtische Diplom-Sozialarbeiterin Tatjana Hegmann-Thomas (rechts).
Foto: Stadt Iserlohn

Bis September 2026 haben Tatjana Hegmann-Thomas allein bei der Stadt Iserlohn insgesamt 115 Beratungsanfragen erreicht – sie geht daher davon aus, dass die Vorjahresgesamtzahl von 137 Hilfesuchenden noch einmal übertroffen wird. Grundsätzlich brauche es höhere Bemessungsgrenzen im Märkischen Kreis, die Wohnraum bezahlbarer machen, um Menschen leichter vermitteln zu können.

"Kein Fall ist wie der andere"

„Bei Herrn Hellmann braucht es jetzt noch wenige Schritte, dann können wir ihn in eine richtige Wohnung bringen – jedoch muss ebenso den Vermieterinnen und Vermietern gegenüber gewährleistet sein, dass das auch auf Dauer funktioniert. Deshalb halten wir als Zwischenschritt 13 städtische Wohnungen vor, in denen das getestet werden kann – wichtig ist: Kein Fall ist wie der andere, deshalb Schritt für Schritt denken und auch Rückschläge wollen einkalkuliert sein“, fasst die Diplom-Sozialarbeiterin zusammen.

Norbert Hellmann betont: „Mit dem Blick zurück ändere ich nichts. Nur der Blick nach vorne – mit Weisheit und Voraussicht – bringt mich weiter.“ Und auch er bilanziert, dass das Hilfsnetzwerk hier in Iserlohn, verglichen mit Städten im Ruhrgebiet, wirklich außergewöhnlich gut aufgestellt sei. Sein Wunsch? Neben einer bezahlbaren Wohnung wieder eine eigene Gitarre zu besitzen, um darauf zu spielen – und einen Laptop, um über sein Leben ein Buch zu schreiben. „Auch solche Träume sind wichtig, sie geben Kraft und halten den Blick nach vorne lebendig“, ergänzt Hegmann-Thomas.

Bundesweiter Aktionsplan will Wohnungslosigkeit bis 2030 besiegen

Mit ihrem nationalen Aktionsplan verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. Das diesjährige Motto der bundesweiten Aktion lautete „Hinschauen. Aktiv werden.“ Gemeinsam gegen Wohnungsnot.

Liedermacher Lukas spielt Gitarre und singt in ein Mikrofon vor einer Kulisse aus Gemälden und Besuchern.
Mit eigenen Texten sorgte „Liedermacher Lukas“ für eine intime musikalische Untermalung in der Reformierten Kirche.
Foto: Stadt Iserlohn

Weitere Informationen zur Landesinitiative „Endlich ein ZUHAUSE!“ gibt es auch online unter folgendem Link: www.mags.nrw/endlich-ein-zuhause.

Für Informationen und Rückfragen zur „Aktion zum Tag der Wohnungslosen“ sowie den damit verbundenen Angeboten steht Tatjana Hegmann-Thomas aus der Abteilung Unterbringung, Ehrenamt und Beschäftigung bei der Stadt Iserlohn zur Verfügung: telefonisch unter der Rufnummer 02371/217-1637 oder per E-Mail an [email protected].