Flexible Begleitungen für die gesamte Klasse statt individuelle Betreuung einzelner Schüler: Diesen neuen Ansatz verfolgt das Jugendamt des Märkischen Kreises im Hinblick auf die Inklusion. Das neue Modell wurde den Kiersper Kommunalpolitikern in der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Tourismus am Mittwochabend, 20. Mai, in der Pestalozzischule vorgestellt.

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Fabian Kläs, der zuständige Fachdienstleiter des Märkischen Kreises, und seine Mitarbeiterin Helena Schröder waren hierfür nach Kierspe gekommen. Laut Kläs gibt es eine wachsende Anzahl an Schülern mit Unterstützungsbedarf: "Das ist im schulischen Alltag herausfordernd." Hinzu kämen weitere Probleme im Schulbereich, unter anderem zu große Klassen und eine mangelnde Ausstattung sowie fehlende Lehrkräfte. Die aktuelle Einzelfallhilfe "hat einen gewissen Vorlauf, bis sie installiert ist. Das führt zu Problemen auf unterschiedlichen Ebenen", so Kläs.

Unterstützung für den gesamten Klassenverband

Aus diesem Grund möchte der Märkische Kreis langfristig eine systemische Hilfe aufbauen, bei dem die Unterstützung im Klassenverband erfolgt, erklärte Schröder. Dieses neue Modell habe nicht nur für die einzelnen Schüler, sondern auch für die Schule als ganzes Vorteile.

Dadurch, dass eine Hilfskraft dauerhaft in der Klasse sei und allen Schülern zur Verfügung stehe, falle das aufwendige und langwierige Antragsverfahren weg. Bisher waren die Inklusionshelfer einzelnen Schülern zugeordnet, die diese jeweils selbst beantragen mussten. Die Helfer im Klassenverband seien flexibler und könnten da unterstützen, wo sie gebraucht werden, nicht nur explizit die Schüler, die im Vorfeld einen Antrag ausgefüllt haben. Zudem würden sich Schüler mit Hilfsbedarf nicht mehr so "stigmatisiert" vorkommen, da es nicht mehr allein Hilfe für sie sei, sondern auch für alle Klassenkameraden.

Aufwachsendes System bis 2030

Ab dem kommenden Schuljahr soll jede erste Klasse mit einem systemischen Helfer ausgestattet werden, ab dem Schuljahr 2029/2030 wird nach diesem Plan in jeder Grundschulklasse in Kierspe ein Inklusionshelfer bereitstehen.

Dabei betont Kläs jedoch: "Wir wollen niemandem die Einzelfallhilfe wegnehmen." In der kommenden Übergangszeit und auch bei entsprechendem Bedarf sei diese weiter möglich. Die flexiblen Schulbegleiter vor Ort sollen in Zukunft von einer übergeordneten Koordinierungsebene gesteuert werden. Da die Stellen nicht mehr von Genehmigungen abhängen, sei eine längerfristige Beschäftigung und Einbindung in die selbe Schule möglich – sehr zur Freude der anwesenden Schulleiter, die die neuen Regelungen ebenfalls begrüßen würden.

20 Schulen im Südkreis profitieren

Insgesamt 20 Schulen im Kreisgebiet sollen von dem Projekt profitieren. Detlef Jungmann von den Grünen fragte nach, ob durch den Wechsel zur systemischen Betreuung in jeder Klasse mehr Kosten entstehen. Dies verneinte Kläs. Seiner Aussage nach verschieben sich lediglich die Gelder aus dem Topf der Einzelfallhilfe hin zum Topf der systemischen Hilfe, da dieses System in den kommenden Jahren aufwachsen soll.