Am 2. April ging die Beauty-Messe in Düsseldorf zu Ende – mit dabei zwei Volmestädter: neben der ausgezeichneten Meinerzhagenerin für Permanent Make-Up Alena Strukaceva (wir berichteten) auch die Kiersperin Zhenyu Jing. Jing fungierte als Make-Up-Artist für eine italienische Kosmetikfirma auf dem Branchentreff für Kosmetik, Nail, Fuß, Wellness und Spa.
In Kierspe betreibt Zhenyu Jing seit 2018 ihr Studio Jing. Und schminkt seit November Promi-Gesichter für RTL. Mit LokalDirekt hat sie über ihren Werdegang gesprochen. Und darüber, warum sie sich in der ruhigen Volmestadt wohler fühlt als in der hektischen Millionenmetropole.
Vom Grafik-Design zum Make-Up
„Jedes Gesicht hat ein Geheimnis“, so die Make-Up-Expertin, beim Gespräch in ihrem Studio an der Friedrich-Ebert-Straße, wo sie auch Maniküre anbietet.
Zunächst absolvierte sie ihr Grafik-Design-Studium von 1994 bis 1998 in ihrer Heimatstadt Zhengzhou. Schnell bemerkte sie allerdings: „Die Arbeit am Computer ist nichts für mich. Ich möchte lieber mit Menschen zu tun haben und mit ihnen kreativ werden.“
Ein paar Jahre und einige Jobs später wurde sie in der Peking-Film-Akademie von 2005 bis 2007 zur Maskenbildnerin ausgebildet. Hier hatte sie mit bekannten chinesischen Schauspielern und Show-Entertainern zu tun, erinnert sie sich. Nach ihrer Ausbildung hat sie ein Jahr in Peking gearbeitet.
Kulturschock: Von Peking nach Kierspe
Im Oktober 2008 kam sie für die Liebe nach Kierspe – „ein Kulturschock“, sagt die Asiatin. Kierspe sei die erste deutsche Stadt gewesen, die sie kennengelernt habe. „Peking ist wie jeden Tag Weihnachtsmarkt. Aber hier frage ich mich oft: Wo sind die Menschen“, lacht sie.
Zwar sei es in den ersten drei Jahren schwierig gewesen, sich einzugewöhnen, aber mittlerweile habe sie sich angepasst. Und mehr: „Ich genieße die Ruhe hier. Ich bin auch ein ruhiger Mensch. Zu mir passt Kierspe besser als Peking.“ Freunde und Verwandte aus Peking würden die Volmestädterin um die Beschaulichkeit ihrer neuen Heimat beneiden. „Die Großstadt ist einfach zu laut. In meiner Heimatstadt leben 12 Millionen Menschen.“
Ihr Start in Kierspe begann mit „mobilen Make-Up-Jobs“: „Ich habe Bräute zuhause besucht und komplett gestylt. Bei dieser Arbeit musste ich nicht viel sprechen. Deutsch ist eine schwere Sprache. Und trotzdem konnte ich meinen Job ausüben.“ In dieser Zeit ist sie Mama einer Tochter geworden.
Zehn Jahre, nachdem sie nach Kierspe kam, begann sie mit den Renovierungs-Arbeiten für ihr Studio in einem ehemaligen Friseursalon. „Lustigerweise fast genau zur gleichen Zeit, als ich nach Kierspe kam“, erinnert sie sich.

Im Frühling 2019 war es soweit: Das Studio Jing öffnete. Stilistisch ist es geprägt durch goldene Spiegel und Kakteen. An der Wand hängen übergroße Abbildungen von Instagram-Beiträgen. Die Kunden können sich so einen Eindruck von Jings Smockey-Eyes, Brautstylings und Nägel-Designs machen.
„Social Media ist unglaublich wichtig für unsere Branche“, weiß Jing. Auf ihrem Instagram-Poster fällt die Anzahl derer auf, die darunter ein Herz angeklickt haben: genau 58566 – „die Postleitzahl von Kierspe“, gibt sie zu. Jing fühlt sich trotz Verbindung zur internationalen Kosmetikbranche mit Kierspe verbunden.
Neben Peking und Düsseldorf hatte Jing schon berufliche Verbindung zu Berlin: Hier entstand im März 2022 der Kontakt auf einer Hotelmesse mit der italienischen Kosmetikmarke, für die Jing auch in Düsseldorf die neue Kollektion präsentierte. „Sie vertreiben ihre Produkte in Österreich, der Schweiz und Deutschland.
Ihre Make-Up- und Pflegeserien kann man nur in Studios bekommen – nicht im Drogeriemarkt“, betont Jing. Sie habe nach einer Make-Up- und Pflege-Serie für ihr Studio gesucht und der Hersteller wiederum nach einem Make-Up-Artist. Ein Glücksfall für beide Seiten, so Jing, denn die Corona-Pandemie ist hart für die Kosmetikbranche gewesen. Im Juni möchte sich Jing die Produktion vor Ort anschauen, wie sie verrät.

Auf der Berliner Messe sei ihr nahe gelegt worden, Kierspe sei zu klein für sie. Das sieht Jing aber anders: In der Volmestadt genießt sie den persönlichen Kontakt zu ihren Kundinnen. Bräute können ihr gesamtes Styling von der Make-Up-Artistin erhalten „und dabei noch Mama, die Trauzeugin und die Freundin mitbringen“, so Jing.
Besonders hervorheben möchte sie ihr Workshop-Angebot: Hier zeigt sie Frauen, wie sie sich selbst einfach aber professionell schminken können. „Ich gebe den Frauen Selbstbewusstsein, das freut mich am meisten. Sehr beliebt ist mein ‚Over-50‘-Angebot für Frauen ab 50 Jahren.“

Dennoch muss Jing nicht komplett auf den Großstadt-Glamour verzichten: Im August recherchierte sie online nach Jobs für Maskenbildner beim Fernsehen. „Und da sah ich, dass RTL dringend jemanden sucht“, berichtet sie aufgeregt. Die Entfernung sei für sie in Ordnung und so heuerte sie eine Freundin an, ihr bei der Bewerbung zu helfen.
Immerhin konnte sie mit Erfahrung aus dem TV-Bereich für chinesische Sender punkten. „Das ist genau dein Ding“, pflichtete ihr ihre Freundin bei. Das sah wohl auch die zuständige RTL-Chefin so und lud Jing nach Köln ein. Nach einem erfolgreichen Probe-Schminken darf Jing nun seit November Peter Kloeppel und Kollegen für den RTL-News-Bereich schminken. Immer wieder veröffentlicht die Kiersperin Aufnahmen aus den Studios am Picassoplatz.
Zehn Tage im Monat stehen Jing flexibel für ihren Job beim Privatsender zur Verfügung. „Da muss ich Termine jonglieren“, so Jing, die alleine in ihrem Studio arbeitet. Für größere Termine, wie Brautstylings mit Anhang arbeite sie mit anderen Kiersper Friseursalons zusammen. „Es war einfach Schicksal, dass Kierspe und Köln so gut zusammen passen“, ist sich Jing sicher.










