„Starke Betriebe brauchen starke Partner" – dieser Gedanke stand im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Südwestfalen, Uta Neumeister, Leiterin Standortpolitik bei der HWK, und Plettenbergs Bürgermeister Ralf Beßler.

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100 Tage im Amt

Mit Ralf Beßler steht erstmals ein Bürgermeister an der Spitze der Verwaltung, der nicht aus der Kommunalverwaltung, sondern aus der freien Wirtschaft kommt. Der frühere selbstständige Immobilienmakler berichtet nach seinen ersten rund 100 Tagen im Amt, dass Verwaltungsprozesse deutlich komplexer sind als zunächst von ihm angenommen und rechtliche Vorgaben den Entscheidungsspielraum stark begrenzen, heißt es in der Pressemitteilung der Handwerkskammer Südwestfalen.

Umso wichtiger sei ihm daher der direkte Dialog – sowohl mit der lokalen Wirtschaft als auch mit den Bürgern der Stadt. Kommunikation verstehe er gemeinsam mit seinem Team als zentralen Baustein moderner Verwaltungsarbeit.

Bauanträge und Digitalisierung

Ein konkreter Ansatz zeigt sich im Umgang mit Bauanträgen: Künftig sollen frühzeitig Gespräche zwischen Bauamt, Bauherren und Architekten stattfinden, wenn Vorhaben nicht genehmigungsfähig erscheinen, kündigt Plettenbergs Bürgermeister an. Ziel ist es, gemeinsam Alternativen zu entwickeln und so Verzögerungen zu vermeiden. Auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Familien ist für Beßler ein wichtiges Anliegen – nicht zuletzt mit Blick auf die Gewinnung von Fachkräften.

Ein weiteres Thema des Gesprächs war die Digitalisierung. Hendrik Schmitt berichtet, wie digitale Lösungen dazu beitragen können, Abläufe effizienter zu gestalten und Dienstleistungen gezielter anzubieten. Einigkeit bestand darin, dass Kommunen vorhandene Spielräume stärker nutzen sollten, um Prozesse zu verschlanken und die Servicequalität zu verbessern – etwa durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, heißt es in der Mitteilung weiter.

Vergabepraxis in NRW und Finanzlage der Kommunen

Auch die Vergabepraxis in Nordrhein-Westfalen wurde diskutiert. Die Flexibilisierung der Regeln wurde begrüßt. Zugleich warnte Schmitt vor einem Flickenteppich kommunaler Sonderregelungen, der für Betriebe zusätzlichen Aufwand bedeuten würde. Ziel müsse es sein, regionale Handwerksbetriebe einzubinden und ihnen realistische Chancen bei öffentlichen Aufträgen zu geben.

Uta Neumeister verwies zudem auf die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Begrenzte Mittel für Personal, Prozesse und Infrastruktur hätten direkte Auswirkungen auf die Betriebe. Das mache sich durch Verzögerungen und fehlende Planungssicherheit bemerkbar, so die Handwerkskammer Südwestfalen.