Der Bildungsverein ELIF hatte am Samstag, 7. März, zum Fastenbrechen in der Oesterhalle eingeladen. Zahlreiche Gäste folgten dieser Einladung gerne.

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„Kommt lasst uns Bekanntschaft schließen, lasst die Dinge schlichter fließen, lasst uns in Liebe leben, die Welt bleibt keinem erhalten.“ So weitsichtig sprach bereits vor über 700 Jahren der türkische Volksdichter Yunus Emre. Vor diesem Hintergrund versammeln sich alljährlich Muslime und Christen zum gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadan, dem Iftar. Dazu konnte der Vorstandsvorsitzende des Bildungsvereins ELIF, Bünyamin Ozcan, mehr als 200 Teilnehmer in der Oesterhalle begrüßen. Er hieß zunächst herzlich Bürgermeister Ralf Beßler und im weiteren Verlauf die türkischen und deutschen Familien, Mitglieder der Sportvereine, des Stadtrates, des Hospizvereins, der Seniorenvertretung und eine Abordnung der Polizei willkommen. In seiner Begrüßungsansprache wies er u.a. auf die Internationale Wochen gegen Rassismus im Märkischen Kreis hin, die vom 16. bis zum 29. März mit Aktionen im gesamten Kreis stattfinden, und forderte die Anwesenden zum Mitmachen auf.

Der Bildungsverein ELIF begrüßte über 200 Gäste zum Iftar in der Oesterhalle. Hinten von links: Onur Seker, Ömer Dildes, Bünyamin Özcan, Ralf Beßler, Kübra Göney, Hülya Demir, Sirin Önder, Saliha Karadag, Enes Atac, Sueder Deniz und vorne der kleine Chor.
Foto: Sabine Rath/LokalDirekt

Bürgermeister Ralf Beßler freute sich über die Einladung zum Fastenbrechen. Es sei für ihn das erste Mal, dass er an einer solch gemeinschaftsübergreifenden Veranstaltung teilnimmt. Er zeigte sich erfreut über das Miteinander und forderte die Anwesenden auf, Scheu und Vorurteile zu verlieren und Integration einfach zu machen.

Im weiteren Programmverlauf standen Ehrungen für ELIF-Mitglieder, die sich besonders um die Integration verdient gemacht hatten, auf dem Plan. Ein wenig Überwindung von den Akteuren erforderte der Auftritt des Kinderchores „Kleine Stimmen, großes Herz“, die ihr Lied über den Fastenmonat Ramadan auf Deutsch sangen. Dieser Mut wurde vom Publikum gebührend honoriert.

Einen großen Applaus bekam auch Sirin Önder für ihre Darbietung auf der Ney, eine traditionelle orientalische Längsflöte aus Bambus oder Schilfrohr und eines der ältesten Instrumente der Welt, so die Moderatorin Süeda Deniz. Ihr beruhigender, melancholischer Klang wirkte auf das Publikum schon fast meditativ.

Islam und Christen haben viele Gemeinsamkeiten

Die vielen Gemeinsamkeiten des Islam mit dem Christentum brachte der Islamwissenschaftler Enes Atac in seinem Vortrag „Abrahamitische Geschwisterlichkeit“ den Anwesenden näher. Dieser Begriff bezeichnet die theologische und ethische Idee, dass Judentum, Christentum und Islam als „Abrahamitische Religionen“ aus einer gemeinsamen Wurzel stammen. Im Koran werden u. a. Moses als Musa, Abraham als Ibrahim und Jesus als Isa benannt. Abraham gilt für alle Muslimen vor allem wegen seiner Gastfreundschaft als Vorbild. Seinen Kurzvortrag schloss Enes Atac mit den Worten: „Muslimen, die friedlich zusammenleben, sind die Mehrheit, aber zu leise.“

Einblicke in die Kunst der Philographie gewährte Hülya Demir. Philographie bezeichnet eine Kunstform, bei der Muster und Bilder mithilfe von Fäden, Drähten oder Garnen, oft aus Kupfer, Messing oder Stahl auf einer Holzunterlage erstellt werden. Durch die sich kreuzenden Linien entstehen ästhetische, oft kurvige oder dreidimensionale Muster, die moderne mit traditionellen Elementen verbinden. Die Gäste konnten auf einer Großbildleinwand ihren geschickten Fingern folgen und belohnten Hülya Demir mit großem Applaus für ihre gekonnte Darbietung.

Im Anschluss war das Publikum gefragt. Die Veranstalter hatten sich ein Quiz, das Fragen zum Ramadan beinhaltete, ausgedacht. Durch die richtigen Zurufe aus dem Publikum war dieses Denkspiel überraschenderweise rasch beendet. Alle Gäste hatten sichtlich Spaß, sich daran zu beteiligen.

Der offizielle Teil wurde mit dem Gebetsruf, den Onur Seker Richtung Mekka ausrief, beendet. Die Kinder hielt es nun nicht mehr auf ihren Stühlen. Die Zeit des Iftars war gekommen. Schnell bildeten sich lange Schlangen an dem reichen und sehr schmackhaften orientalischen Büffet.

Im Verlauf des Abends hatten die Gäste Spaß am Austausch, führten interessante Gespräche und beteuerten, im nächsten Jahr gern wieder dabei zu sein.