LokalDirekt-Autor Hendrik Klein kommentiert mit "spitzer Feder" die Gründung des neuen SPD-Ortsvereins Iserlohn, zu dessen Vorsitzenden die Sozialdemokraten am Dienstag, 14. April, Michael Scheffler wählten.

„Quo Vadis“, SPD-Iserlohn? „Wohin gehst du“, SPD-Iserlohn? Diese Frage drängt sich nach der Fusion der ehemals fünf Ortsvereine und einem Stadtverband zum SPD-Ortsverein Iserlohn zwangsläufig auf. Der Blick ins Rund der 52 anwesenden Sozialdemokraten (von gut 300 mit Parteibuch) bei der Mitgliederversammlung im Städtischen Saalbau macht eines deutlich: Die Iserlohner SPD ist in die Jahre gekommen.

Michael Scheffler, der nach den heftigen Streitigkeiten im Stadtverband als Feuerwehrmann auf die Brücke zurück musste, ist 71 Jahre. Die Tage, in denen er als Letmather Juso-Chef in „Quicks Altdeutschen Bierstuben“ ein Ratsmandat für seinen SPD-Nachwuchs forderte, sind längst Geschichte. Gleichwohl: Er kann verbinden.

Glorreiche Zeiten verblassten

Ebenso verblassen die glorreichen Zeiten der Iserlohner Sozialdemokratie immer mehr. Erinnert sei an Annemarie Tzschachmann, Hans Kötter, Herman Heinemann, Günther Einert und vor allem Fritz Fischer. Im weiten Saalbau-Rund entdeckte man noch zwei, die in der Waldstadt für die Sozialdemokraten Geschichte geschrieben haben: Heinz-Alfred Steiner, gerade 90 Jahre alt geworden, und die ehemalige Bundestagsageordnete Dagmar Freitag.

Natürlich war auch die amtierende Abgeordnete Bettina Lugk im Saal, bis sie in die Liga der Vorgenannten SPD-Größen aufsteigt, wird es noch dauern. Ja, auch der durch Abwesenheit glänzende Peter Leye darf nicht vergessen werden — aber er schädigt seine „Noch-Partei“ derzeit eher, als dass er ihr hilft.

Hendrik Klein kommentiert mit einer "spitzen Feder" die Gründung des neuen SPD-Ortsvereins Iserlohn.
Foto: privat

Angriff auf die Sozialsysteme

Aber was sollen die Iserlohner Sozialdemokraten denn auch machen. Die Bundespartei stolpert von einer Koalitions-Panne — in welcher Zusammensetzung dort auch immer — in die nächste. Ihre Wählerklientel hat die SPD längst an Die Linke und die Bündnisgrünen verloren — ja, sogar an die AfD.

Immer nur auf die AfD zu schimpfen, ohne sich darum zu kümmern, warum die Menschen bei ihrer Stimmabgabe auf die vermeintliche Alternative setzen, ist zu wenig. Der politische Angriff auf die Sozialsysteme, eine Ur-Domäne der Sozialdemokratie, hat doch längst begonnen.

Wie sagte mir mal vor Jahrzehnten ein sterbenskranker Sozialdemokrat, der sich zu seiner Zeit den aufkommenden Nazis im Münsterland vehement entgegengestellt hatte und deshalb massive Repressalien erleiden musste, bei der Fernsehübertragung einer Bundestagsdebatte: „Wenn das da Sozialdemokraten sein wollen, dann waren wir damals Kommunisten.“

Der Kommentar von Hendrik Klein bezieht sich auf den LokalDirekt-Artikel

Historischer Tag für die SPD-Iserlohn: Michael Scheffler führt neuen Ortsverein.