Es war ein historischer Tag für die SPD in Iserlohn, im Städtischen Saalbau Letmathe wurde am Dienstag, 14. April, Geschichte geschrieben: Einstimmig votierten die 52 anwesenden, stimmberechtigten Sozialdemokraten bei der Mitgliederversammlung für die Gründung des neuen Ortsvereins Iserlohn. Das war gleichbedeutend mit der Auflösung des vorherigen SPD-Stadtverbandes.
Doppelstrukturen abschaffen
Vorangegangen war im Vorfeld die Eliminierung der SPD-Ortsvereine Iserlohn-Hennen-Kalthof, Letmathe, Iserlohn-Nordwest, Iserlohn-Ost sowie Iserlohn-Zentrum. Die Mitglieder verabschiedeten ebenso einstimmig die zehn Paragraphen umfassende neue Satzung.
Von der Neu-Strukturierung verspricht sich die SPD in Iserlohn, die administrative Arbeit zu vereinfachen und doppelte Strukturen abzuschaffen. Die Partei verspricht sich davon eine deutliche Steigerung ihrer Schlagkraft innerhalb der Stadtgesellschaft.
Zudem werde die Organisation gestrafft, weil der bisherige Stadtverband als zusätzliche Ebene nicht mehr benötigt wird. Ein zentraler Grund für die Fusion sei auch die Entlastung der rund 300 Mitglieder, die sich oft neben Beruf und Familie ehrenamtlich engagieren.
Formal beschlossen worden war die Fusion vom SPD-Unterbezirk Märkischer Kreis auf Vorschlag der Iserlohner Ortsvereine Ost und Nordwest. Im Rahmen von Mitgliederversammlungen hatten aber auch die anderen drei Ortsvereine der Zusammenlegung zugestimmt — insgesamt gab es von den Parteigliederungen drei einstimmige und zwei mehrheitliche Votings für diese Maßnahme.
Vorher parteiinterne Streitigkeiten
Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder den bisherigen Stadtverbands-Chef Michael Scheffler. Der hatte das Amt erst vor knapp einem Jahr übernommen. Vorangegangen waren heftige Streitigkeiten unter den gut 300 SPD-Mitgliedern in Iserlohn. In der Folge waren unter anderem zahlreiche Vorstände der SPD-Ortsvereine zurückgetreten, was zu erheblichen Problemen bei der Abwicklung der Gremien führte. Das wurde in den Berichten auf der Mitgliederversammlung deutlich.
90,2 Prozent für Scheffler
Michael Scheffler erhielt 46 Ja-Stimmen von den 51 abgegebenen Stimmen. Vier Sozialdemokraten votierten mit Nein, es gab eine Enthaltung. Somit erreichte der 71-Jährige 90,2 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Zu seinen Stellvertretenden wählten die Sozialdemokraten Nico Chrupalla (34 Stimmen) und Eva Kitz (40). Chrupalla hatte den Stadtverband nach den Rücktritten der Vorstands-Crew kommissarisch geführt. Diana Naumann, die ebenfalls kandidierte, erhielt 20 Stimmen, sie fiel somit durch.
Auch die weiteren Vorstandsposten wurden besetzt: Simon Block (50 Ja-Stimmen) wurde Bildungsbeauftragter, Özlem Leone (52) Kassiererin, Heike Berlinski (47) deren Stellvertreterin. Zum Mitgliederbeauftragten beriefen die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Martin Luckert (52). Die elf Beisitzerinnen und Beisitzer sind: Jan Aurand, Frank Barthelmes, Klaus Berlinski, Rainer Boeven, Sarah Glodczey, Oliver Hohenschue, Diana Naumann, Doris Rickert, Finn Schmöle, Monika Stockmann, Mehmet Tekbas.
„SPD ist größer als man selbst“
SPD-Unterbezirksvorsitzender Fabian Ferber hatte Anwesenden als Versammlungsleiter in seiner Begrüßung nochmals an die Wichtigkeit der Entscheidung erinnert. „Die SPD muss inder größten Stadt des Märkischen Kreises erfolgreich sein“, so Ferber. Er sei in jedem Ortsverein gewesen und habe die Situation erläutert. „Es war ein transparenter Prozess, und es gab keinen offiziellen Einspruch“, so Ferber.
Die SPD stecke in einer sehr variablen Krise, erläuterte der Lüdenscheider, der auch Mitglied im SPD-Bundesvorstand ist. Ferber ging auch kurz auf die öffentlich geäußerte Kritik eines langjährigen SPD-Funktionärs und ehemaligen Stadtverbandsvorsitzenden ein, der seinen Parteiaustritt nach 57 Mitgliedsjahren angekündigt hatte: „Die SPD ist immer größer als man selbst. Wer die SPD verlässt und noch mit Schmutz wirft, ist kein Sozialdemokrat.“
„Es gibt noch viel zu tun“
Der neue Ortsvereinsvorsitzende Michael Scheffler erinnerte an seine Wahl zum Stadtverbandsvorsitzenden am 30. April 2025: „Danach begann eine arbeitsreiche Zeit. Mit großem Aufwand haben wird die Kommunalwahl vorbereitet und Wahlkampf betrieben. Das Ergebnis ist desaströs und enttäuschend gewesen.“ Es werde eine umfassende Wahlanalyse geben. Scheffler: „Der Landtagswahlkampf kommt schon bald. Im Land NRW gibt es viel zu tun.“










