Scherben, alte Flaschen, Tüten, Kippen, Verpackungsmüll, Hundekot – die Liste ist lang, mit der sich Petra Güntner an die Stadt wandte, um auf die vielfältige Verschmutzung in Kierspe-Dorf aufmerksam zu machen. LokalDirekt liegt die Korrespondenz zwischen Güntner und der Stadt vor. Außerdem zeigte sie uns die Brennpunkte der Verschmutzung bei einer Begehung im Bereich des Park-Geländes.
Mit zwei Hunden ist die zweifache Mutter regelmäßig rund um die Margarethenkirche unterwegs und beobachtet eine zunehmende Umweltverschmutzung, die eine Gefahr für Kindergartenkinder und Schulkinder darstellt, wie sie betont.
Güntner: „Das ganze Dorf ist voller Scherben – wann handelt die Stadt“?
Besondere Brennpunkte: der Park, die Umgebung des Spielplatzes, die Schulwege und die Bereiche rund um den Bachlauf. Hier häufen sich laut Güntner die Scherben. „Genauso wie auf dem Fußweg im Bereich des ehemaligen Bürgerhauses neben dem Kindergarten. Der Weg dient als Schulweg und als Abkürzung zwischen Höherstraße und Lindenstraße“, so Güntner in ihrem Schreiben an das Bürgerbüro. Nicht nur für Kinder sind die Scherben eine Gefahr, auch für Wildtiere, mahnt die Enkelin eines Jägers.
Ein weiterer Brennpunkt sei der kleine Weg neben der Bäckerei Gießelmann. Dort habe seit Wochen eine große Einkaufstasche mit leeren Flachmännern und anderem Unrat gestanden, die weiter gefüllt worden sei. „Noch eine offenbar beliebte Stelle befindet sich auf dem Bürgersteig an der Mauer unterhalb des Ehrenmals vor der Kirche“, zählt Güntner weiter auf. „Man könnte behaupten: Das ganze Dorf ist voller Scherben. Dazu kommt noch, dass nahezu überall Müll liegt“, bilanziert sie gegenüber dem Bürgerbüro in ihrem ersten Anschreiben.
Ihr Dank galt deshalb zwei jungen Frauen mit Kinderwagen, die „bewaffnet mit Müllbeutel und Zange auf ihren Spaziergängen beutelweise Müll aufgesammelt haben. Täglich. Bewundernswert. Ich habe mich bei ihnen bedankt“, schreibt Güntner an die Stadt. Und sie packt selbst an: Während ihrer Hunde-Runden habe sie schon viele Scherben und Müll aufgesammelt: im Park und auf Bürgersteigen.
Ein spezielles Problem im Park seien zudem die „Tretminen“ an Hundekot, da das Liegenlassen der Hinterlassenschaften nicht geahndet würde und die Spender für Kot-Tüten zu oft leer seien. „Lange Rede, kurzer Sinn: Ich tue bereits etwas. Was werden Sie tun?“, forderte sie die Stadt auf. Und die regte sich.
Abteilungen gebündelt
Sebastian Laatsch, Sachgebietsleiter der Behörde „Umwelt und Bauen“, koordinierte die Anfrage von Petra Güntner.
„Nach Rücksprache mit dem Bauhof der Stadt Kierspe kann ich Ihnen mitteilen, dass die Parkanlage und der Spielplatz in der Regel einmal in der Woche gereinigt werden. Insbesondere wenn es um Glasscherben geht, bemüht sich der Bauhof, diese unverzüglich zu beseitigen“, gibt Laatsch als Antwort. Diesen Eindruck konnte Güntner zunächst nicht teilen: „Ich habe die beiden männlichen Reinigungskräfte im Park angetroffen und ihnen die Situation dargelegt. Dabei habe ich sie auf die Stellen, an denen immer wieder Scherben liegen, aufmerksam gemacht, da in den letzten Wochen bei mir der Eindruck entstanden ist, dass eben nicht jede Woche nach dem Rechten gesehen wird.“
Andere Situation auf den Gehwegen: Die Reinigung der Gehwege ist gemäß der Straßenreinigungs- und Gebührensatzung an die jeweiligen Anlieger übertragen. Eine Reinigung durch den städtischen Bauhof erfolgt hier nicht, erklärt Laatsch weiter.
Dennoch beobachtet Güntner hier nun eine Verbesserung nach ihrer Anfrage: „Die angesprochenen Bürgersteige werden offenbar bearbeitet und auch in der Gasse neben Gießelmann wurde gereinigt,“ freut sie sich.
Problemstellen: Bachlauf und Teich
Neben den Gefahren durch Scherbenmüll, verweist Güntner auf den schlechten Zustand des Bachlaufs und des Teiches im Park: „Der Bachlauf wurde vor einiger Zeit vom Wupperverband aufgegraben. Es kamen etliche alte Flaschen zum Vorschein, die nicht eingesammelt, sondern beim Ebnen des Ufers mit festgedrückt wurden und seitdem als Spielmaterial dienen“, empörte sie sich Anfang April.




„Ich bin hier aufgewachsen“, berichtet sie gegenüber LokalDirekt. Daher schmerze es sie besonders zu sehen, wie Teile der Parkanlagen verkommen. „Der Teich im Park bietet nahezu keinen Lebensraum mehr, da er nicht mehr tief genug ist“, beobachtet Güntner.
„Er hätte schön vor Jahren ausgebaggert werden müssen. Jetzt ist er flach und die liebevoll hergestellten Entenhäuser ebenso ungepflegt wie unbrauchbar, die Fläche innerhalb des Zauns Großteils überwuchert und vermüllt und das Wasser voller Flaschen und anderem Entsorgten“, beschreibt sie die Lage am Ententeich im Dorf-Park.

Doch Laatsch gibt Entwarnung: „Der Zustand der Teichanlage ist hier bekannt und befindet sich in Bearbeitung“, schreibt er zurück. Und weiter: „Bezüglich der Teichanlage kann ich berichten, dass das Thema aufgrund ihrer Eingabe noch einmal ausführlich geprüft wird“, so Laatsch und verweist auf die Zuständigkeit des Tiefbauamtes, allerdings noch ohne Zeitplan der Behebung.
Güntner ist ungeduldig: „Über einen Zeitraum von sicherlich zehn Jahren spreche ich mit jedem Stadtwerker, der mir am Teich begegnet. Vor einigen Jahren wurde am Ufer gebaggert und ich habe nachgefragt, ob der Teich nun in Ordnung gebracht werde. Leider war das nicht der Fall. Daher gestatte ich mir die Frage: Wieviel Bearbeitungszeit benötigt die Stadt noch?“
Zu wenig Tütenspender für Hundekot?
Auch auf das Thema der Hundekotproblematik reagiere die Stadt nach Möglichkeit, etwa gebe es Bußgeld-Ahndungen und Tütenspender für Hundekot des Stadtmarketingvereins: „Die illegale Abfallentsorgung in Form von liegen gelassenem Hundekot kann auf Grundlage unserer ordnungsbehördlichen Verordnung mit einem Bußgeld geahndet werden.
Leider ist es häufig sehr schwer, den Hundehalter eindeutig zu identifizieren, sofern es keine direkten Zeugen gibt“, gibt Laatsch zu, schreibt aber weiter: „Der Außendienst des Ordnungsamtes ist allerdings mit der Kontrolle der neuralgischen Punkte beauftragt. Zusätzlich wurden an beliebten Hunderouten durch den Stadtmarketingverein Tütenspender aufgestellt.“


Güntner pflichtet bei, macht aber einen Vorschlag: „Was die Mülleimer im Park angeht: Es sind an sich genug da. Nur nicht an den richtigen Stellen. Ich habe mit vielen Hundegängern gesprochen, die es begrüßen würden, wenn an den Kotbeutelstationen auch ein Abfallbehälter wäre, wie an der Thingslinde. Ich würde sogar noch weiter gehen und an jedem Parkausgang einen aufstellen.
Die Gewissheit, dass man auf dem Heimweg daran vorbei kommt, überzeugt sicherlich mehr Menschen, die Hinterlassenschaften gleich auf dem Weg zu entsorgen.“ Und Laatsch packt die Problematik weiter an: „Die Hundekotstationen wurden von unserem Stadtmarketingverein bereitgestellt. Den Hinweis auf eine zusätzliche Mülltonne unter dem Spender werde ich weitergeben. Von dort kann auch eine Info an den Paten zur Wiederbefüllung des Spenders gegeben werden.“

In Sachen Müll-Entsorgung zeigt sich Güntner sehr zufrieden. Beim Begehungstermin mit LokalDirekt mussten Müll-Hinterlassenschaften gesucht werden.
Kontakt bei verschmutzten Gehwegen
Oliver Knuf, 02359 /661-172, [email protected]
Ordnungsamt der Stadt Kierspe: [email protected]









