Am Dienstagnachmittag hatten UWG und CDU für 16 Uhr zu einer Ortsbegehung an die Friedrich-Ebert-Straße/Büscherweg geladen. Der Grund: Das Kiersper Verkehrs-Chaos als Folge der Sperrung der A45. Als auswärtige Gäste dabei: die beiden heimischen Landtagsabgeordneten Ralf Schwarzkopf (CDU) und Gordan Dudas (SPD), Horst Peter Hohage, Fachbereichsleiter Öffentliche Ordnung und Bürgerservice beim Märkischen Kreis sowie Wolfgang Klein, bei der Kreispolizeibehörde für Verkehrsbelange zuständig.
Geladen waren auch Vertreter des Landesbetriebs Straßen.NRW. Die jedoch waren nicht erschienen. Etwa 50 direkt betroffene Anwohner und interessierte Bürger waren vor Ort. Christian Reppel, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Bauen, bat nach kurzen Grußworten darum, die Diskussion – auch wegen der Lautstärke – auf die ab 17 Uhr stattfindende Ausschusssitzung zu verlegen.




Für alle, die die Gegebenheiten kennen, war dies also – abgesehen von Small-Talk-Runden mit den Landtagsabgeordneten Schwarzkopf und Dudas – ein „unnötiger Termin“, wie ein Anwohner meinte. Für die ortsunkundigen Gäste indes bestand die Möglichkeit, sich selbst ein Bild vom starken Verkehrsaufkommen in der Stadt zu machen.
Reppel stellte zudem fest, dass die Rats- und Ausschussmitglieder ohnehin keine Handhabe hätten und nur Hinweise geben könnten, welche Möglichkeiten in Betracht kämen, um die leidige Situation zu entschärfen. Gordan Dudas bestätigte: „Auf lokaler Ebene ist man leider machtlos. Dennoch ist es wichtig, Transparenz zu fordern.“
In der anschließenden Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Bauen nahm dann auch die Diskussion mächtig Fahrt auf. Kriminalist Wolfgang Klein wies zunächst darauf hin, dass das Unfallgeschehen vor Ort – belegt mit statistischen Zahlen – insgesamt unauffällig sei und kein direktes Handeln erfordere. Er verstehe aber das Dilemma der Leidtragenden und wisse, dass es keine einfache Lösung gebe.
Bürgermeister Olaf Stelse zog eine kurze Bilanz, wies darauf hin, dass Kierspe durch die A45-Sperrung ebenfalls stark betroffen sei und der Verkehr vor allem zu Stoßzeiten nicht funktioniere. Immerhin konnte die obere Baustelle (ab Amtshaus, Anm. d. Red.) abgestellt werden. Außerdem habe man bereits zwei Resolutionen (8. Februar und 21. Juni) verfasst und an den Bundeskanzler, Finanz-, Wirtschafts- und Verkehrsminister gesendet. Man stehe in regelmäßigem Austausch mit Bund und Land, müsse Gehör finden und für eine breite Öffentlichkeit sorgen. Inhaltlich gehe es in den Resolutionen vornehmlich um ein Durchfahrtsverbot für LKW und eine Regelung einer Umleitung. Außerdem stehe die Idee im Raum, zu prüfen, ob für die Friedrich-Ebert-Straße eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden kann, um dadurch die Durchfahrt für Speditionen unattraktiv zu gestalten.


Horst Peter Hohage vermutete eine deutliche Zunahme des Verkehrs und sehe nach der Begehung auch ein hohes Unfallpotenzial. Auch auf der B54 gebe es eine Verkehrszunahme, die die Straßenverkehrsbehörde durch Messungen verifizieren solle. Es sei zu prüfen, ob eine Tempo-30-Zone sinnvoll sei. Bauliche Maßnahmen seien eher schwierig, etwa eine Verbreiterung der Straße gar nicht machbar. Es ginge letztendlich darum, den Verkehr massiv zu reduzieren, weil die A45 erst in einigen Jahren wieder geöffnet werde.
Christian Reppel las die Essenz der Absage von Straßen.NRW vor. In der heißt es: Es sei „nicht zielführend an der Sitzung teilzunehmen“. Eine Formulierung die Clemens Weiland (UWG) echauffiert zur Kenntnis nahm: „Es ist eine dreiste Unverschämtheit, dass Straßen.NRW als zuständige Behörde, nicht teilnimmt.“ Weiterhin würde er auch Feinstaubmessungen begrüßen, und es sei ein subjektives Gefühl, dass Kierspe nicht verkehrssicher sei, da „inzwischen auch Holztransporter durchs Dorf“ fahren.
Tatsächlich kann man schnell vor Ort beobachten, dass an engen Stellen zwei LKWs nicht so ohne weiteres aneinander vorbeikommen, dass in Kurvenbereichen die LKW oft weit auf die Gegenfahrbahn fahren (müssen), dass – oft notgedrungen – über Bürgersteige gefahren wird, dass sich Fußgänger dicht an Hauswände drücken… Also Unfallpotenzial en masse, zumal hier stellenweise auch Grundschüler und Kita-Kinder unterwegs sind.
Carsten Möller (SPD) wies darauf hin, dass die L528 ab Ortseingang aus Richtung Halver bis Wildenkuhlen jetzt schon „enorme Straßenschäden“ aufweise und die Straße sich auflöse.
Dann sprach Gordan Dudas (SPD) – inzwischen verkehrspolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion – deutliche Worte. „Es muss klar sein, dass man Lösungen nur gemeinsam finden kann. Seit dem 2. Dezember 2021 kümmere ich mich gefühlt um nichts anderes mehr. Es ist eine Situation, die alle belastet. Der Oberverlierer ist Lüdenscheid mit der Bedarfsumleitung. Dann folgt mit anderen auch schon Kierspe-Dorf. Allen gemein ist ein belastender Verkehr. Aber um es ganz deutlich zu sagen: In Düsseldorf interessiert es keine Sau, wie es den Menschen hier geht. Man muss sich einig sein und als Region geschlossen handeln. Ich sehe eine deutliche Entlastung nur, wenn man weitläufig über die A1, die A3 und die A4 und anders herum umleitet.“
Abschließend hielt der Ausschuss fest, dass ein Aktionsplan kommen soll und der Vorsitzende Christian Reppel betonte: „Wir müssen lauter werden!“









