Die erste Autowanderung des Kiersper Rallye Clubs im Mai vergangenen Jahres war von der Sonne verwöhnt. Das war im Wonne-Monat möglich, aber nicht unbedingt zu erwarten. Im August muss man aber schon ausgesprochenes Pech haben, wenn es wie aus vollen Kübeln gießt. Die diesjährigen Teilnehmer nahmen es aber gelassen und ließen sich ihre gute Laune nicht nehmen und die Zuschauer, die am Sonntagmorgen zum Autohaus Knabe zur Kiersper Osemundstraße kamen, genausowenig.
Doch das schlechte Wetter blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Fahrzeugauswahl: So ließ ein Teilnehmer-Paar seinen Strandbuggy auf Käfer-Basis daheim und absolvierte die Tour im Audi A6. Auch der „Kanzler-Benz“ der Baureihe W140 ging als Ersatz für ein „wetterfühligeres“ Modell an den Start. Der S-Klasse der 90er Jahre konnte der Regen nichts anhaben. Das Abschirmen der Fahrzeuginsassen gegen äußere Einflüsse kann in dieser Situation als Vorteil gewertet werden.
Auch nicht ganz so schön war die Witterung in Bezug auf den Ausblick: Schließlich soll die „Autowanderung“ auf einer rund 100 Kilometer langen Route die schönen Seiten des Sauerlandes vermitteln. Die hätte das Naherholungsgebiet bei Sonne ausspielen können. Andererseits bekamen die Gäste von außerhalb einen durchaus realistischen Einblick in den metereologischen Alltag der Menschen im Sauerland. Viele Teilnehmer kennen die Gegend inzwischen schon ein wenig, weil sie bereits zum zweiten Mal dabei waren – ein kleiner Trost.
Völlig unbeeindruckt gab sich auch Albert Stehle, obwohl der mit dem historischen ADAC-Pannenhilfefahrzeug aus Castrop-Rauxel angereiste Biker den Elementen direkt ausgesetzt war. Stehle fuhr als ehrenamtlicher Pannenhelfer auf der Route mit und hatte neben einem Beiwagen samt originalem Werkzeug auch noch seine Frau Astrid als Sozia mit dabei. Das Gefährt ist durchaus spannend: Es war bis ins Jahr 1974 regelmäßig im Einsatz, wie das Bordbuch belegt. Das blieb übrigens sauber und knochentrocken, was angesichts des undichten Beiwagens einem Wunder gleichkam.

Ob Stehle mit dem originalen Equipment heutzutage überhaupt noch etwas ausrichten könnte, dürfte von dem betroffenen Auto abhängen. Zwar findet keine Oldtimer-Rallye ohne Veteranen statt. So gehörten auch ein Käfer oder der stets bewunderte Citroen Traction Avant zum Teilnehmerfeld. Autos, die durchaus Mängel haben, bei denen aber ein geschickter Schrauber schnell weiterhelfen könnte. Bei dem in der Youngtimer-Riege angetretenen Toyota Corolla dagegen wohl weniger, zumal diesen Modellen das Vorurteil anhaftet, nie kaputtzugehen. Das bestritt der Zeitnehmer am Start nicht, nahm aber für sein eigenes Auto, einem BMW Kombi der Baureihe E46, das Gleiche in Anspruch. Angesichts des genannten Kilometerstandes von weit über 400.000 Kilometern eine verständliche Haltung.
Arrangiert haben sich die Liebhaber klassischer Automobile in zweierlei Hinsicht auch mit genau diesen Youngtimern. Zum einen sind das Modelle, die oft noch im Straßenbild präsent und damit weitab von jedem Veteranenstatus sind, zum anderen ist die oft ausgereifte Technik ein Segen für die Liebhaber, die nur wenig Ambitionen zum Selbstschrauben haben. Denn genau das ist nicht jedermanns Sache. Lob bekam daher die einfache Technik eines Opel Corsa der ersten Generation: „Da kann man noch selbst was reparieren“, erklärte Moderator Lothar Kaspar. Bei modernen Autos wohl weniger, setzte der Vereinsvorsitzende hinterher: „Wer heute unter die Motorhaube guckt, macht die lieber schnell wieder zu.“
Das Teilnehmerfeld, das am Sonntag im Minutentakt den Hof des Autohändlers verließ, bot etwas für jeden Geschmack. Die Autos, die jeder Liebhaber erwartete, waren wieder am Start – aber auch Kuriositäten wie etwa ein VW Bulli. Nicht irgendein ein „T3“, sondern ein Exemplar, das offenbar aus dem Fuhrpark der Bahnpolizei stammte. Mit originalem, allerdings abgedecktem Blaulicht und einem weniger originalen „Firmenlogo“. Sehr zeitgenössisch war eindeutig das Fahndungsplakat hinter der Seitenscheibe. Hier waren tatsächlich Gesuchte abgebildet: nicht die Konterfeis halbseidener Gebrauchtwagenhändler, sondern die von RAF-Terroristen.
Penibel wurde auch diesmal die Zeit beim Start genommen. Um 10.01 Uhr ging es los, so dass im Idealfall die Minute zur Startnummer passte. Ein ausgefuchstes System, das lediglich an unentschuldigt fehlenden Teilnehmern hakte. Darüber hinaus mussten auf der Routen typische Aufgaben einer Oldtimer-Rallye erledigt werden. Auch wenn es sich mit einer Autowanderung um eine noch beschaulichere Veranstaltung handelte, konnte ein Verein, der das Wort Rallye im Namen trägt, nicht auf sportliche Herausforderungen verzichten. Das gehört auf solchen Touren einfach dazu.
Wichtig ist vor allem: Alle Teilnehmer haben die Tour gut absolvieren können. So dürften viele auch im kommenden Jahr wieder dabei sein.
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