Die Gemeinde Schalksmühle will den Personalschlüssel in der Offenen Ganztagsschule (OGS) erhöhen. Gleichzeitig wird über eine Anpassung der Betreuungszeiten sowie eine mögliche Erhöhung der Elternbeiträge diskutiert. Hintergrund ist der ab dem kommenden Schuljahr geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

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"Das Verfahren wird sehr aufwendig, sowohl für uns als Verwaltung als auch für die Schulen und den Träger", stellte Fachbereichsleiterin Anja Wolf zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugend, Schule und Soziales am Mittwoch, 15. April, fest. Erste Ideen, wie die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen OGS-Platz erfolgen könne, seien bereits im Arbeitskreis entwickelt worden. Im Mai sollen Gespräche mit der Awo, also dem Träger, folgen.

Nach Angaben der Verwaltung soll der bisherige Personalschlüssel von 1,5 auf 1,7 Stellen pro Gruppe erhöht werden. Dieser liegt im Vergleich zu anderen Kommunen bislang auf einem niedrigen Niveau. Ziel sei es, eine pädagogisch sinnvolle Betreuung langfristig sicherzustellen.

"Die Vorlage soll erst mal der Aufschlag sein"

"Die Vorlage soll heute erst mal ein Aufschlag sein, um kein Kind ablehnen zu müssen", führte Anja Wolf weiter aus. Räumliche Probleme sieht die Verwaltung an der Primusschule nicht, für die Grundschule Spormecke hingegen wurde ein Konzept erarbeitet, wie auch unter den erschwerten räumlichen Bedingungen der gesetzliche Anspruch auf einen Betreuungsplatz umgesetzt werden kann.

Ab dem kommenden Schuljahr gilt bundesweit ein Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz für Grundschulkinder. Für die Kommunen bedeutet dies, dass ausreichend Betreuungsplätze geschaffen und entsprechende personelle sowie räumliche Kapazitäten bereitgestellt werden müssen.

Damit jedoch ist es nicht getan, wie Anja Wolf erklärte: "Wir brauchen nicht nur räumliche Lösungen, sondern auch personelle." Außerdem müsse über eine Anpassung der Betreuungszeiten sowie eine Erhöhung der Elternbeiträge nachgedacht werden.

Um die steigenden Kosten aufzufangen, wurden bereits verschiedene Modelle zur Finanzierung durchgerechnet. Diese sehen unter anderem eine Anpassung der Elternbeiträge vor, die sich künftig stärker an den Einkommensverhältnissen orientieren könnten. Eine endgültige Entscheidung hierzu steht jedoch noch aus.

"Ich hadere mit einer Anpassung der Betreuungszeiten"

Jan Jellesma (SPD) meldete sich zu Wort: "Eine Erhöhung des Personalschlüssels begrüße ich absolut, hadere dafür aber mit einer Anpassung der Betreuungszeiten. Der Rechtsanspruch gilt für die Zeit von 8 bis 16 Uhr, diesen stehen aber die Arbeits- und Pendelzeiten der Eltern gegenüber. Somit sind die Öffnungszeiten der OGS schon jetzt kaum mit Vollzeitjobs kompatibel." Die geplante Bedarfsabfrage an beiden Schulen halte er für richtig, um den genauen Bedarf zu konkretisieren.

"Wir sollten beide Schulen differenziert voneinander betrachten"

Roman Bossart, Vorsitzender der UWG, machte klar: "Wir sollten den Maßgaben natürlich unbedingt folgen. Jedoch frage ich mich, ob es nicht sinnvoll wäre, die beiden Schulen getrennt voneinander zu beurteilen. So sieht das Konzept der Primusschule ohnehin einen offenen Ganztag vor, während an der Grundschule Spormecke eine Betreuung bislang lediglich bis 13 Uhr stattfindet. Die ganzheitliche Ansicht stört mich, ich bin der Meinung, dass wir beide Schulden differenziert voneinander betrachten sollten." Außerdem bat er den Bürgermeister Christian Breddermann darum, beim Träger zu erfragen, ob an der Primusschule nicht benötigtes Personal nicht auch an der Spormecke eingesetzt werden könne.

Einer eventuellen Erhöhung der Elternbeiträge steht Bossart kritisch gegenüber: "Warum kann eine Anpassung nicht dynamisch erfolgen, jährlich und an die Durchschnittsgehälter sowie die Inflation angepasst?"

Darauf erklärte Fachbereichsleiterin Anja Wolf, dass sowohl eine von Bossart angeregte dynamische Anpassung der Beiträge als auch eine Transferierung von Personal zwischen einzelnen Einsatzorten üblich sei. Über eine solche würde vom Träger selbst entschieden, sie versicherte jedoch, bei der Awo nachzufragen.

"Eine Trennung der beiden Schulen halte ich für das völlig falsche Signal"

Jan Jellesma (SPD) widersprach Roman Bossart: "Der Personalschlüssel liegt jetzt schon an der absoluten Untergrenze, eine adäquate Betreuung ist damit kaum zu gewährleisten. Daher halte ich eine Trennung der beiden Schulen hier für das völlig falsche Signal. Warum sollten wir Unterschiede bei Rahmenbedingungen und dem Personalschlüssel machen?"

"Wir wollen die Betreuung unbedingt gewährleisten, besonders für die Alleinerziehenden"

Roman Bossart (UWG) argumentierte: "Wenn doch aber an der Primusschule ausreichend Personal vorhanden ist, warum sollen wir den an der Grundschule Spormecke nicht erhöhen? Allein für das vorgesehene Flurkonzept wird dort meines Erachtens mehr Personal als bislang vorhanden benötigt. Wir wollen die Betreuung bis 16 Uhr unbedingt gewährleisten, auch für die Alleinerziehenden." Im Arbeitskreis, so Bossart weiter, sei außerdem der Wunsch nach einem sanften Auslaufen der Betreuung bis 16.30 Uhr gewünscht worden, ein Konzept, dem er positiv gegenüberstehe.

Astrid Bangert, Schulleiterin der Primusschule, erklärte daraufhin, dass die Kräfte der OGS auch während der Unterrichtszeiten in den Klassen präsent seien: "Diese leisten dort pädagogische Unterstützung, Unterricht und OGS greifen ineinander, daher ist der benötigte Personalschlüssel an der Primusschule nicht niedriger anzusetzen als an der Grundschule Spormecke."

"Das haben die Eltern doch bislang auch hingekriegt"

Kornelia Krause (CDU) äußerte ihr Unverständnis: "Die Eltern haben es doch bislang auch hingekriegt, die Kinder bis 16 Uhr abzuholen. Warum sollten wir, auch mit Blick auf die angespannte Haushaltslage, die Öffnungszeiten verlängern?"

Roman Bossart (UWG) erwiderte: "Ich denke nicht, dass es uns zusteht, über die heutige Lebensrealität von Eltern - und speziell Alleinerziehenden - zu urteilen."

Beratungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen

Letztlich stimmten die Mitglieder des Gremiums – bei einer Enthaltung – einheitlich für die Erhöhung des Personalschlüssels.

Über eine Anpassung der Betreuungszeiten und eine mögliche Erhöhung der Elternbeiträge soll zu einem späteren Zeitpunkt beraten werden. Zuvor soll in den nächsten Wochen die geplante konkrete Bedarfsabfrage an beiden Schulen erfolgen.