Antiquitätenhändler, Blumenverkäufer, Gartenbauer und Gastwirt, Fabrikarbeiter und Fotograf, Kommunarde und Künstler. Für viele war er „der Holländer“ oder „ein Hippie“, der im bürgerlich-beschaulichen Meinerzhagen in den 1970er Jahren die erste Wohngemeinschaft (WG) gründete. Das Leben von Peter Sevriens war bewegt, facettenreich, unkonventionell. Ein Künstler-Leben. Es endete, wie erst jetzt bekannt wurde, am 3. März.
Letzte Ruhe in den Niederlanden
Zwei Monate vor seinem 84. Geburtstag verstarb Peter Sevriens zuhause, in der Art-Station. Der alte Valberter Bahnhof war ihm zur Heimat geworden, war Wohnung und Werkstatt zugleich. Im Januar hatte er die Diagnose erhalten: Lungenkrebs. Eine Chemo-Therapie, die das Leben vielleicht verlängert hätte, hat er ausgeschlagen. Sie hätte den Rest an Lebensqualität beeinträchtigt, erklärt seine Frau Karin die Entscheidung. Seinem Wunsch gemäß fand er seine letzte Ruhe in den Niederlanden, seiner alten Heimat.
Peter Sevriens, 1942 in Venlo geboren, wuchs in Den Haag auf. In Scheveningen, er damals 28, sie 18, lernte er Karin kennen. Die Frau, mit der er durchs Leben ging, die ihn die letzten Wochen pflegte und seinen Wunsch erfüllte zuhause, in gewohnter Umgebung, Abschied nehmen zu können.
Er schätzte das Leben in der Provinz
"Ich lebe wie ein Eremit und vermisse nichts“, sagte mir Peter Sevriens, damals 80 Jahre alt, auf die Frage, ob er es bereue in der Provinz hängengeblieben zu sein. Er, der Großstadt gewohnt war, Kontakt zu den großen Künstlern Josef Beuys pflegte. Er schätzte, dass er sich in Valbert „eine eigene Atmosphäre schaffen“ und „seine inneren Werte ausleben“ konnte.
Als Fotograf porträtierte er Beuys, der diese Bilder signierte. Er fotografierte zeitgemäße Künstler wie Wolf Vostell (Fluxus- und Happeningkünstler) oder Konrad Klapheck. Der Neorealist, dessen Akkuratesse und Ordnung Sevriens ebenso faszinierte, wie Beuys Unordnung zählte Sevriens Fotos „zu den besten, die ich von mir habe – und es waren viele Fotografen bei mir. Genial.“ In der Szene war er bekannter und respektierter als daheim im Volmetal.

Aktionskünstler und Fotograf
Aufmerksamkeit hier wurde ihm vor allem nach Aktionen zuteil. Legendär und sogar der „Tagesschau“ einen Bericht wert, war 1986 Sevriens Aktion zur „Photokina“ in Köln. Mit Rheinwasser entwickelte er Filme. Während der damalige Umweltminister Klaus Töpfer medienwirksam kurz im Rhein badete, um zu zeigen, wie sauber der Fluss inzwischen sei, dokumentierte Sevriens, dass im Strom nach wie vor reichlich Chemikalien mitschwammen.
Er griff aktuelle Themen auf. Im Blickpunkt der Mensch, Humanität war ihm wichtig. Er sah die Bedrohung der Lebensgrundlagen. Engstirnigkeit, Ignoranz, Machtgehabe waren ihm zuwider.
Kameras spielten bei den Objekten eine große Rolle. Mit ihnen lenkt er den Blick auf Probleme der Zeit. Die Palette der Arbeiten reicht von der Problematik sauberen Trinkwassers über die globale Klimakrise bis zur Yellow Press. Themen, die zeitweise hoch im Kurs standen, kontrovers diskutiert wurden, immer noch drängend sind, aber auch in den Hintergrund gedrängt wurden und werden.
2021, in dem Jahr wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden, rückte auch Sevriens wieder mehr in den Fokus. Die Kölner Galerie van der Grinten zeigte bis dato unveröffentlichte Fotos von Beuys – darunter auch Bilder des Meinerzhagener Künstlers. Sevriens porträtierte in den 1980er Jahren in Düsseldorf lebende Künstler, fand Zugang zu Beuys und durfte ihn im Atelier, aber auch im Familienkreis fotografieren. 1996 stellte das renommierte Museum Ludwig in Köln in einem Buch die besten und erfolgreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts vor. Mit dabei: Peter Sevriens.
„Photo-Waggon“ – Kunstobjekt und Museum
Bekannt wurde auch der „Photo-Waggon“. Ein Eisenbahnwagen in der Art, „mit dem früher die Fotografen durch das Land gezogen sind. Da konnten die Typen drin wohnen, ihre Fotos entwickeln und alle weiteren Arbeiten machen. Das war jetzt ihr Haus, in dem sie auch lebten und arbeiteten“, zitiert Holger Weyland, Meinerzhagener Chronist, den Künstler. Zu dessen 80. Geburtstag hatte Weyland mit dem Reader „Peter Sevriens Art Station“ Sevriens Weg nach und in Meinerzhagen skizziert.
Vor drei Jahren machte der Waggon wieder Schlagzeilen: Nach 35 Jahren am Standort neben den Bahngleisen in Valbert, verlangte die Deutsche Bahn, ihn wegzuschaffen. Grund: Behinderung der Sichtachse. Mit Hilfe von Sponsoren und der Stadt Meinerzhagen wurde der Waggon versetzt — neben den Bahnhof.
Die letzte Aktion von Peter Sevriens, der es danach noch schaffte, das Unikat zu restaurieren und als kleines Museum seiner Kunst zu präsentieren. Für Karin Sevriens, die den Nachlass verwaltet, ist inzwischen klar, dass der Waggon erhalten bleibt. Fotos und Briefwechsel mit Künstlern werden bereits im Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe in Bonn archiviert.
„Niemalsgeht man so ganz“, heißt es oft. Peter Sevriens ist leise gegangen — weg ist er jedoch nicht.









