Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Südwestfalen fordert: Medikamente in den Apotheken im Märkischen Kreis sollten günstiger und nicht teurer werden."
Wenn das Kranksein demnächst aufs Portemonnaie drückt: „Wer im Märkischen Kreis zum Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Isabell Mura von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen kritisiert das geplante Sparpaket im Gesundheitsbereich, das die Bundesregierung „stark zu Lasten der Versicherten verordnen“ wolle: „Für Medikamente sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro dazuzahlen, mindestens aber 7,50 Euro. Das läppert sich und drückt auf die Haushaltskasse – neben hohen Ausgaben für Sprit, Lebensmittel, Miete & Co.“ Heute dagegen liege die Zuzahlung bei 5 Euro und sei bei 10 Euro gedeckelt.
NGG für reduzierte Mehrwertsteuer
Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Südwestfalen für eine reduzierte Mehrwertsteuer bei Medikamenten aus. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen: sieben statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken im Märkischen Kreis an Arzneimitteln über den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt Isabell Mura. Wenn Medikamente geringer besteuert würden, könnte dies vor allem auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. „Die geplanten Zuzahlungen könnten dann wieder nach unten rutschen“, so die NGG-Geschäftsführerin.
Kritik kommt von der Gewerkschaft an der Teilkrankschreibung, die die Bundesregierung ebenfalls plant: „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet“, sagt Isabell Mura. Homeoffice und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sollen das möglich machen, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. „Das sind aber blanke Schreibtischplanungen“, ärgert sich Isabell Mura.
Die NGG-Geschäftsführerin verweist auf die Praxis: „Nehmen wir einen Bäcker oder eine Köchin im Märkischen Kreis. Auch die sollen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig sein können, wenn sie eigentlich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit“, so Isabell Mura. Aber in einer Backstube gebe es genauso wie in einer Restaurantküche „zu jeder Minute Zeitdruck und Stress“. Denn die Brote müssten morgens ab 2 Uhr in den Ofen und die Gerichte abends um 20 Uhr auf den Teller. „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke“, sagt die NGG-Geschäftsführerin. Das unterscheide die Arbeit in Bäckereien und der Gastronomie vom „Schreibtisch-Job im Rathaus“.
"Verschärfung der Krankschreibung"
Unterm Strich sei die Gesundheitsreform in Sachen Teilkrankschreibung nichts anderes als eine Verschärfung der Krankschreibung. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen. „Aber gerade das ist heikel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß. Das kann mit ‚sanftem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knallhart-Ansage passieren“, befürchtet Isabell Mura. Beides sei jedoch „wenig hilfreich“, wenn es darum gehe, gesund zu werden.
An die Adresse der CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Märkischen Kreis und der Region gerichtet, appelliert die Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen, „alles daranzusetzen, die Gesundheitsreform in puncto Zuzahlung und Medikamenten-Mehrwertsteuer zu ändern sowie von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.










