Seit vier Wochen gibt es mit Jannica Beckmann eine neue Koordinatorin in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie stellt sich in einem persönlichen Gespräch den Fragen zu ihrem Werdegang und ihren Zielen.

Sprachrohr für die Halveraner Jugend

„Ich möchte das Sprachrohr für die Kinder und Jugendlichen sein. Sie sollen sich hier sicher und wohl fühlen und ich möchte ihre Wünsche bei der Politik umsetzen!“ Mit diesen Sätzen fasst Jannica Beckmann, die neue Koordinatorin in der Kinder- und Jugendarbeit, ihre Ziele zusammen.

Seit dem 1. April ist die 24-jährige Ennepetalerin unter anderem für die jungen Halveraner im Treffpunkt "Aquarium" zuständig. Sie hat ein Bachelor-Studium in Sozialer Arbeit und ein Masterstudium in psychosozialer Beratung absolviert und bisher im Jugendamt in Ennepetal gearbeitet. „Dort habe ich auch direkten Kontakt zu Jugendlichen gehabt, da ich in der Beratung und Eingliederungshilfe tätig war“, erzählt sie. „Aber nach dem Masterstudium habe ich mich umorientiert. Ich habe die Arbeit direkt an den Jugendlichen gesucht. Im Jugendamt bekämpft man die Symptome, aber ich will an die Wurzel“, ist ihr wichtig.

Jannica Beckmann steht lächelnd neben einem Billardtisch und hält einen Queue bereit. Im Hintergrund sind Regale mit Spielmaterialien zu sehen.
Jannica Beckmann, die neue Koordinatorin in der Kinder- und Jugendarbeit.
Foto: Gerdel

Erfahrung über Ehrenamt

Über ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten bei den Pfadfindern und dem CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) hat sie schon Erfahrung sammeln können. „Aber bei diesen Aufgaben im Ehrenamt ist vieles schon starr vorgegeben. Allein, weil ja immer schon klar ist, wie viele und welche Kinder zu den jeweiligen Treffen kommen. In der offenen Jugendarbeit ist alles viel flexibler. Es ist ein offenes Haus und auch die Kinder können ihre Ideen einbringen“, beschreibt sie die Möglichkeiten, die ihre Arbeit mit sich bringt.

Ihr Resümee nach den ersten vier Wochen: „Ich bin in Halver angekommen. Die Kinder haben mich gut angenommen“, ist sie überzeugt. „Die Jugendlichen sind froh, dass sie jetzt wieder eine feste, regelmäßige und verbindliche Bezugsperson im Aquarium haben. Besonders wichtig ist, dass sie wissen, dass sie mit allen Anliegen zu mir kommen können.“

Die Beste gefunden

"Wir haben uns für Jannica Beckmann im Rahmen der Bestenauslese entschieden", erzählt Kai Hellmann, Leiter des Fachbereichs 4, Bildung, Sport und Liegenschaften. Die Stelle wird, so Hellmann, im Großen und Ganzen so bleiben, wie sie unter der Regie von Sarah Behr lief. Diese Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit dem Kreisjugendamt, das die Stelle zu 70 Prozent finanziert. Aber Jannica Beckmann, da ist er sich sicher, wird der Kinder- und Jugendarbeit in Halver ihren eigenen Stempel aufdrücken. „Sie passt in Hinblick auf ihre Profession und ihr Studium genau für diese Stelle".

Mehr Gäste im Aquarium gewünscht

Aktuell kommen rund 20 Kinder und Jugendliche zum Dienstagstreff. Eine Zahl, die deutlich steigen kann, wünscht sich die Jugendkoordinatorin. Die Zusammenarbeit mit der Humboldtschule kann dafür ein Multiplikator sein, denn von dort kommen im Wechsel ganze Schulklassen während ihrer "Qualitytime" montags ins Aquarium. Gemeinsam mit dem Sozialarbeiter, Mark Fuchs, wird abgestimmt, welche Themen dann behandelt werden. „Das kann bei den Fünftklässlern das Thema Kennenlernen sein und bei den Neuntklässlern kann es um Berufsorientierung gehen“, beschreibt Jannica Beckmann die Organisation.

Die Jugendlichen, die das Aquarium mit der Humboldtschule besuchen, können dort erleben, was dort alles möglich ist. Viele gehen raus mit der Bemerkung: „Das war gut hier. Ich komme gerne wieder.“

Auch der Übergang von der Betreuung in der Kindervilla zum Aquarium soll für die Kinder und Jugendlichen einfacher gestaltet werden. Zum Beispiel könnten die Räume ab und zu getauscht werden, damit die Kinder aus der Kindervilla sich in Ruhe in den Räumen des Aquariums eingewöhnen können. „Wichtig ist dabei auf jeden Fall der gegenseitige Kontakt“, so Beckmann.

Planungen für die Zukunft

Die erste Planung, die für die Jugendlichen, die das Aquarium bereits regelmäßig besuchen, wichtig ist, ist die Erweiterung der Öffnungszeiten. Aktuell ist der Jugendtreff dienstags von 13 bis 20 Uhr geöffnet. Ab Mai wird ein zweiter Tag dazukommen. „Wir wollen den Tag herausfinden, der von den Jugendlichen am besten genutzt werden kann und öffnen daher bis zum Sommer im Wechsel donnerstags- und freitagsnachmittags“, erklärt Jannica Beckmann.

Gemeinsam mit einer Jahrespraktikantin können an den beiden Wochentagen, an denen das Aquarium geöffnet ist, alle Angebote des Jugendtreffs genutzt werden. „Wir haben hier ganze Regale voller Brettspiele, die sehr gern genutzt werden, auch wenn man das zuerst gar nicht glaubt“, berichtet Jannica Beckmann vom
Tagesablauf im Aquarium.

„Natürlich sind die Tischtennisplatte, die Dartsscheibe und vor allem der Billardtisch der Renner unter den Jugendlichen“, ergänzt sie. Bei der Nutzung der Playstation und der VR-Brille hat die Jugendkoordinatorin immer ein Auge darauf, dass die Spielzeit begrenzt ist. Ansonsten wird gemeinsam gekocht, gebacken, gebastelt, dekoriert, geredet und das gemacht, was die Jugendlichen vorschlagen.

Als nächste wichtige Aufgabe steht die Planung des Ferienspaßes an. „Dieses Ferienprogramm ist natürlich besonders wichtig für die Kinder, die keine Gelegenheit haben, in die Ferien zu fahren. Wir werden das Programm auch wieder gemeinsam mit Sentiris machen“, erklärt Beckmann. Als grobe Planung sind in der ersten Woche Tagesfahrten geplant, die Ziele haben, die sowohl die unter 11-Jährigen als auch die Teenager ansprechen.

Zwei Wochen lang geht es dann zum Wandertreff Winkhof, wo das Programm in einer Woche mehr auf die älteren und in der anderen mehr auf die jüngeren Teilnehmer zugeschnitten sein wird.

Aufsuchende Arbeit außerhalb des Aquariums

Neben der Betreuung der Jugendlichen im Aquarium bleibt als wichtige Arbeit die aufsuchende Arbeit außerhalb des Jugendtreffs in der Stadt. Das bedeutet, dass Jannica Beckmann, gemeinsam mit Mitarbeitern von Sentiris, auch regelmäßig bei der Skateranlage, in den Außenbezirken und auch unter der Eisenbahnbrücke bei der Herpine zu finden sein wird. Denn überall dort kann sie mit den Jugendlichen reden, die das Aquarium – noch – nicht besuchen.

„Wir müssen andere Wege finden, die Jugendlichen anzusprechen“, weiß die Jugendkoordinatorin. „Das Verhalten der Teenager hat sich geändert. Sie brauchen sich nicht mehr persönlich zu treffen, sie nutzen die digitalen Medien.“