Wann bin ich als Fußgänger gut sichtbar? Wie überwinde ich mit dem Rollator einen Bordstein? Und wann sollte das Auto besser stehen bleiben? Hauptkommissarin Sandra Wietbüscher hatte am Mittwoch, 16. September, bei der Seniorenveranstaltung im Bürgerzentrum auf viele Fragen rund um die Mobilität im Alter eine Antwort – und so manchen praktischen Tipp im Gepäck.
Wie verhalte ich mich im Straßenverkehr richtig, um mich selbst, aber auch andere Verkehrsteilnehmer vor Unfällen zu schützen? Um diese Frage ging es bei einer Seniorenveranstaltung, die Anika Kaisig von der Stadt Halver im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche veranstaltete. In Zusammenarbeit mit der Polizei des Märkischen Kreises entstand so ein informativer, aber auch unterhaltsamer Nachmittag im Bürgerzentrum.
Hauptkommissarin Sandra Wietbüscher von der Abteilung Unfallprävention hatte gut gelaunt und mit viel Wissen um die Bedürfnisse von Senioren Tipps rund um die Sicherheit im Straßenverkehr parat. „Wir machen diese Informationsveranstaltungen, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen – und bevor etwas passiert“, sagt die Hauptkommissarin. „Ich möchte hier vermitteln, worauf die Teilnehmer achten oder was sie verbessern können, damit sie sicher durch den Straßenverkehr kommen.“
Übersichtlich, aber in keinster Weise langweilig, beleuchtete sie die verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten. Bei Fußgängern liegt ihr besonders die Sichtbarkeit am Herzen: „Wir kommen jetzt wieder in die dunkle Jahreszeit. Und wenn der Kaffeeklatsch bei der Freundin mal wieder zu lange gedauert hat, ist es, wenn ich um fünf Uhr nach Hause gehe, schon dunkel“, beschrieb sie ein Szenario. Wie man sich im Dunkeln gut sichtbar machen kann, zeigte sie anhand mehrerer Beispiele. „Da gibt es viele Möglichkeiten, und man muss auch nicht unbedingt eine Warnweste anziehen, wenn man nicht aussehen will wie ein Bauarbeiter“, scherzte Wietbüscher. Die von ihr mitgebrachten Modelle wurden nach der Veranstaltung von den Teilnehmern noch einmal interessiert begutachtet.
Appell an Eigenverantwortung
Die Hauptkommissarin betonte aber auch die Verantwortung der Senioren im Straßenverkehr: „Wenn es eine Ampel, einen Zebrastreifen oder eine Verkehrsinsel gibt, benutzen Sie diese auch“, insistierte sie. „Auch wenn es 30 Meter Umweg bedeutet – sicher ist sicher.“ Sie warnte zugleich davor, diese Fußgängerhilfen 'blind' zu nutzen. „Selbst wenn Sie an der Ampel Grün haben, schauen Sie immer, ob das Auto auch wirklich hält“, bat sie die Anwesenden.
Für Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, hatte sie ebenfalls ein paar Handling-Tipps parat. Wietbüscher demonstrierte, wie eine Bordsteinkante am leichtesten zu überwinden ist oder wie sich ein sehr enger Wendekreis leichter bewältigen lässt.
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Auch das oftmals kritische Thema „Autofahren im Alter“ war Gegenstand der Präsentation. „Sie haben sich verändert! Und Ihre Fahrweise?“ – mit diesem Slogan macht die Polizei auf sogenannte Rückmeldefahrten aufmerksam. Damit soll die Möglichkeit aufgezeigt werden, besonders nach einer wochen- oder monatelangen Fahrpause, zum Beispiel durch eine längere Krankheitsphase, unter der Aufsicht eines Fahrlehrers eine unabhängige Meinung darüber einzuholen, ob die Fahrtüchtigkeit noch gegeben ist.
„Das ist aber schwierig, weil die Fahrschulen dies immer nur mit ihren eigenen Autos machen wollen. Das bringt mir doch nichts. Ich will mit meinem eigenen Wagen üben“, waren berechtigte Einwände aus dem Publikum zu hören. Diesen Einwand nahm Sandra Wietbüscher auf und empfahl Fahrsicherheitstrainings, die vom ADAC oder von der Polizei angeboten werden.
Einen wichtigen Tipp gab sie ihren Zuhörern mit auf den Weg: „Ich erlebe es immer wieder, dass Frauen zwar häufig einen Führerschein besitzen, aber 30 Jahre nicht gefahren sind, weil das die ,Sache des Mannes‘ war. Dann kommt der Moment, dass der Mann ins Krankenhaus muss, sie ihn besuchen will — aber nicht mehr fahren kann. Denken Sie immer an solche Möglichkeiten und wechseln Sie sich beim Fahren ab, damit beide im Training bleiben.“
Augen und Gehör checken
Auch an die gesundheitlichen Voraussetzungen sollten Senioren denken. „Je älter man wird, umso schlechter werden im Normalfall Augen und Gehör. Also lassen Sie das regelmäßig vom Arzt checken“, rät die Hauptkommissarin. Und ganz wichtig: Wer sich schon vor Fahrtantritt schlecht fühle, sollte das Auto stehen lassen und sicherheitshalber ein Taxi oder Bus nehmen oder jemanden um Hilfe bitten.
Taxi als Vernunftsentscheidung
Wietbüscher betonte, sie wisse, dass der Führerschein gerade im ländlichen Bereich wichtig ist und jeder so lange wie möglich mobil bleiben will. Doch sollte man dabei überlegen, was das Auto im Jahr so kostet: Versicherung, Steuern, Reparaturen und nicht zuletzt Benzin. „Da kommt was zusammen. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie oft Sie von diesem Geld Taxi fahren könnten?", fragte sie in die Runde. "Taxifahren ist kein Luxus – es ist im Zweifelsfall eine Vernunftentscheidung“, gab sie den Zuhörern als Anregung mit auf den Weg.
Kinderwagenknopf nutzen
Für die Teilnehmer, die bereits vom Auto auf Bus und Bahn umgestiegen sind, hatte sie ebenfalls ein paar Tipps parat. „Jeder Bus hat innen an den Türleisten einen sogenannten ,Kinderwagenknopf‘. Wenn Sie den drücken, bleiben die Türen länger auf und Sie haben mehr Zeit beim Ein- und Aussteigen“, sagte sie zur Überraschung der meisten Anwesenden. Offenbar kannte bislang keiner diesen Knopf. „Und wenn das nicht reicht, bitten Sie andere Mitfahrer um Hilfe – und vor allem: Nehmen Sie diese dann auch an!“








