Gekonnt dämpfte Christoph Sieber Erwartungen, warnte, keine Antworten zu haben, plädierte dafür, auch Zweifel zuzulassen und positionierte sich gegen Erfolgsdruck und Leistungswahn („Warum nicht mal gepflegt scheitern?“).

Mit dem Understatement hatte er gleich das „links-grün versiffte“ Kiersper Publikum auf seiner Seite. Scheinbar locker übers Scheitern plaudernd, ist er schnell bei der Politik: „Wie komme ich jetzt auf die Bundesregierung?“. Als wenn der Krieg in den Ukraine nicht schon genug wäre, hat sie „auch noch den Pflegefall FDP an der Backe“. Und wir vielleicht demnächst Friedrich Merz? Den, der von sich sagt, er sei die Zukunft. Die sagt dann: „Ich komme nicht.“
Statt Sondervermögen, im Klartext „Schattenhaushalte“, etwa für die Bundeswehr zu schaffen, sollten wir lieber für die Bundeswehr klatschen und die Milliarden für bessere Pflege, Bildung oder Digitalisierung ausgeben. Mit dem Programm „Mensch bleiben“ ist Sieber seit vier Jahren auf Tour. Seine Themen aber sind aber top aktuell.
Gegen Selbstgewissheit
Wer hat sich noch immer gewünscht, am Strand in Thailand zu sitzen und statt den Sonnenuntergang zu beobachten – und zu genießen – auf dem Smartphone zu kontrollieren, ob zuhause die Waschmaschine läuft? Politik, Kirchen und Glaube, die Tücken des Alltags mit der Digitalisierung oder die Spaltung der Gesellschaft durch Social Media-Kanäle, den Medienhype, bei dem es wichtiger ist etwas zu senden, als dass es um Inhalte geht.

Mit drei Bällen jonglierend, persifliert Sieber den Reporter Günter, der vor dem Kanzleramt steht. In einem Monolog über den Zweifel geißelt er die Spaltung der Gesellschaft mit ihren Querdenkern und Verschwörungstheoretikern, mit ihren skurrilen Fakten, die selbstgewiss Unsinn verkünden, plädiert „im Zweifel für den Zweifel“, denn der sei „über jedes Wissen erhaben“.
Vor allem aber prangert er die Spaltung in „oben und unten“ an. Die sei gewollt. Sein Gerechtigkeitsinn rührt aus Kindergartentagen. Christoph Sieber spielt sie nach, ist gleichzeitig Kinderchor, der „Halleluja“ singt, christliche Familie (die aus den Bauerskindern besteht), schwebender Engel, St. Martin und Nikolaus. Und der großzügige St. Martin, der dem Bettler den halben Mantel gibt, trägt drunter einen dicken Pullover. Er friert auch nicht, wenn er in großmütiger Teilhabe macht.
„Mensch bleiben“
Sieber, als Autor, Moderator und vielfach ausgezeichneter Kabarettist apostrophiert, erwies sich als Multitalent. Singend, rappend, tanzend, schauspielernd bescherte er den gut 200 Besuchern im PZ einen gleichermaßen amüsanten wie nachdenklichen Abend. Sein Ziel, „länger als Hagen Rether zu spielen“ hat er nicht ganz erreicht. Die Köpfe und Herzen der Besucher schon. Sie waren überrascht von seiner Vielseitigkeit und Nahbarkeit.

Vor einer Woche, so KUK-Vorsitzender Rolf Muck, habe man noch überlegt, wegen geringer Vorverkaufszahlen den Kabarettabend abzusagen. Wie gut, dass es anders kam. Und einen Rat hatte Sieber zum Schluss auch noch: „Mensch bleiben!“. Sein Programm als Leitlinie.









