Radevormwald/Kierspe. „Wenn ich ehrlich bin, dann hätte ich gerne länger Zeit gehabt, um so eine große Verantwortung tragen zu müssen“, erklärt Luis Finke, der seit einigen Monaten das Familienunternehmen ‚Fußboden Finke‘ führt. „Ich wollte die Familientradition aufrechterhalten und daher ist das für mich eine Ehrensache, die Firma in der dritten Generation weiterzuführen“, sagt er im Gespräch mit LokalDirekt.
Sein Großvater gründete die Firma vor mehr als 60 Jahren, später übernahm Luis’ Vater. Doch dieser verstarb 2019 nach einer Krebserkrankung.
In dieser schweren Zeit galt es, zügig Lösungen zu finden. „Ein langjähriger Mitarbeiter der Firma konnte von meinem Papa, so fern es ging, eingearbeitet werden. Dieser übernahm dann die Firma“, berichtet Finke. Durch private Beweggründe musste der nach einer Zeit aber ebenfalls bei ‚Fußboden Finke‘ aufhören – so war die Firma über sechs Monate nicht in Betrieb.
Der 20-Jährige überlegte nicht lange und übernahm das Unternehmen nach seiner Ausbildung in Kierspe bei Fußboden Brück. „Mir war es von klein auf freigestellt, was ich später mal machen möchte. Ich habe aber einfach Spaß an der Arbeit und das auch schon seit dem Jugendalter“, erklärt er. „Meine Mutter hat zwar wenig mit der Firma zu tun, aber unterstützt hat sie mich dennoch in jeder Situation. Genauso wie Freunde, die mir ihre Hilfe bei Dingen wie der Buchhaltung anbieten.“
Stellenanzeigen sind in Planung
„Es ist schon ein sehr großer Druck, den ich schultern muss, aber immerhin trage ich diesen nur für mich selbst“, sagt Luis Finke, denn der Parkettleger ist ganz alleine im Unternehmen. Lediglich eine Aushilfskraft auf 520 Euro Basis ist angestellt, um ihn ein wenig zu unterstützen. „In der näheren Zukunft wäre es schon schön, wenn jemand hinzukommt, weil man alleine schnell an seine Grenzen gerät“, erklärt Finke, der Stellenanzeigen für weitere Mitarbeiter bereits plant.
Mit Aufträgen werde er, insbesondere seit dem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft, überrannt: „Im Monat habe ich durchschnittlich so um die acht Aufträge, die dann auch mehrere Tage dauern“, berichtet Finke. Pro Auftrag braucht er circa zwei bis vier Tage. „Man hat gemerkt, dass sich der Sieg bei der Deutschen Meisterschaft rumgesprochen hat.“
Der junge Unternehmer ist weit entfernt von einer 40-Stunden-Woche: „Zwischen 7 und 17 Uhr mache ich Handwerksarbeit. Davor und danach muss ich dann noch Büroarbeit machen – auch am Wochenende“, berichtet Luis Finke. Viel Zeit für andere Dinge bleibt dem 20-Jährigen da nicht. Wenn sich eine Möglichkeit ergibt, spielt er zum Ausgleich aber gerne Tennis.
Trotz der großen Verantwortung und der zeitlichen Einschränkung übt er seinen Job gerne aus: „Wenn ich einen Kunden zufriedenstelle, dann ist das ein sehr schönes Gefühl“, so der Parkettleger. „Wegen meines Alters werde ich auch häufiger komisch angeguckt, aber wenn den Kunden meine Arbeit gefällt und beim nächsten Mal wieder anrufen, dann macht mich das sehr stolz.“
Gelernt hat er alles in seiner zweijährigen Ausbildung bei Fußboden Brück in Kierspe. „Ich hatte dort eine sehr schöne Zeit und habe echt eine Menge mitgenommen.“
Luis Finke ist Deutscher Meister im Parkettlegen
Im November 2024 feierte der 20-Jährige seinen großen Triumph im niedersächsischen Stade: Er gewann die Deutsche Meisterschaft im Parkettlegen. Gegen sechs Mitstreiter setzte sich Luis Finke durch und ging so als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Eingeladen wurde er, weil er die landesbeste Gesellenprüfung in Nordrhein-Westfalen ablegte – an eine Absage hatte er trotz seines straffen Zeitplans nie gedacht: „Es war eine absolute Ehre, dass ich an der Meisterschaft teilnehmen durfte. Für mich gab es keine andere Option, als teilzunehmen und alles zu geben.“
Bei dem öffentlichen Wettbewerb schauten rund 350 Zuschauer zu, die die jungen Handwerker bei der Arbeit beobachten. „Da wurde ich schon ziemlich nervös“, berichtet Luis Finke. „Trotzdem war ich ziemlich im Tunnel und hab das Ganze auch richtig ernst genommen. Ich hab leider die schlechte Eigenschaft, dass ich mir bei solchen Arbeiten sehr viel Druck mache, weil ich sonst denke, dass ich nicht abliefern kann“, erklärt er weiter. „Im Nachhinein hätte ich den Wettbewerb doch lieber ein bisschen mehr genossen.“

Bei der deutschen Meisterschaft musste der 20-Jährige in vier Stunden eine Parkettaufgabe erledigen und in zwei weiteren Stunden den Buchstaben ‚J‘ aus dem Logo der gastgebenden Jobelmann-Schule in einen PVC-Belag einpassen. Anschließend bewertete eine Jury den Arbeitsauftrag und vergab Punkte.


Neben der Trophäe gab es für Luis Finke eine Xbox-Spielekonsole und eine Bluetooth-Box. „Die Veranstalter waren bei den Preisen schon sehr großzügig“, schmunzelt der deutsche Meister im Gespräch mit LokalDirekt.
In Zukunft plant der 20-Jährige seinen Meister zu absolvieren, um selber Leute auszubilden. „Ich muss den Wirtschaftsteil der Meisterprüfung noch ablegen, aber dafür habe ich bis jetzt noch keinen Termin“, erklärt Finke. „Ich rechne damit, dass ich frühestens 2027 anerkannter Meister bin.“