„Same procedure as every year“ — die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Das gilt nicht nur für Miss Sophie in „Dinner for One“, dem TV-Silvester-Klassiker. Ein paar Tage nach dem Jahreswechsel gilt das auch für den KUK-Verein. Sein Klassiker: Das Neujahrskonzert.

Video: Rüdiger Kahlke / LokalDirekt

Es war ein beschwingter Start ins neue Jahr. Ein Event mit Kult-Status. Ein Konzert mit Stammpublikum. Die Zutaten wie immer: Die Philharmonie Südwestfalen, eine Solistin mit mitreißender Stimme. „Schwungvolles aus Prag und Wien“, versprach der Programmzettel der Philharmonie Südwestfalen. Ein Versprechen, das Dirigent und Moderator Johannes Klumpp und sein 50-köpfiges Orchester mitsamt der aus Prag stammenden Sopranistin Eva Hartová einlösten.

Sie nahmen die 200 Besucher am Dienstag, 6. Januar, in Kierspe mit auf die musikalische Reise in die beiden Metropolen von Walzer, Polka und Operette. Sie ließen mit Melodien von Josef Suk (Jaro / Frühling) und Johann Strauß (Frühlingsstimmen Walzer) vom Frühling träumen, unterstrichen von der Stimme des „Nachtigall des Abends“, Eva Hartová. Sie hatte im Laufe des zweistündigen Programms mehrfach Gelegenheit, sich zu präsentieren und das Publikum zu begeistern.

Mit Charme und klarer Stimme sang Eva Hartová sich schnell in die Herzen des Publikums.
Foto: Rüdiger Kahlke | LokalDirekt

Aus Strauß’ „Nacht in Venedig“ spielte das Orchester die Ouvertüre, ein "Best-of" des dreistündigen Stückes in sechseinhalb Minuten. Dirigent Johannes Klumpp wies launig auf die Zeitersparnis hin, streute Anekdötchen und Affären in die Überleitungen ein. Mit dem Orchester machte er die schwarzen Punkte, die Bedrich Smetana auf weißes Papier gesetzt hatte, hörbar. Wie sich die Oper „Der Kuss“ anhörte, konnte der Komponist allenfalls erahnen. Er war, als das Werk entstand, längst ertaubt.

Alles wie immer — außer dem Ambiente

Reinzuhören und die positive Stimmung und Zuversicht mitzunehmen, empfahl Klumpp den Besuchern vor dem letzten Titel, Julius Fuciks „Einzug der Gladiatoren“. Er knüpfte damit an die Begrüßung durch KUK-Vorsitzenden Rolf Muck an, der an die kaum verkraftbaren Nachrichten erinnerte, die uns täglich erreichten. Ziel sei es, mit dem KUK-Programm, mit Musik und Kabarett ein bisschen Freude und Zuversicht ins Leben zu bringen.

Orchester und Sopranistin haben für zwei Stunden Entspannung und Genuss gesorgt. Schwungvoll, mitreißend und mit verdienten Standing Ovations zum Schluss. Natürlich war auch das Ende noch nicht der Schluss. Als Zugabe gab es Strauß‘ „Unter Donner und Blitz“, dann nochmal Eva Hartová weinselig tanzend und singend mit „Mein Herr Marquis“ aus „Die Fledermaus“. Mit dem Radetzky-Marsch ging dann ein gut zweistündiges Konzert zu Ende. – Alles wie immer?

Was diesmal fehlte, war das Ambiente. Das PZ der Gesamtschule ist kein Ersatz für die Stadthalle. „So gemütlich kriegen wir das nicht hin“, hatte Muck schon eingangs bedauert. Daran wird sich in den nächsten Jahren — Stand heute — auch nichts ändern. Schade dennoch, dass nur 200 Besucher kamen — für KUK und für das spielfreudige und gut aufgelegte Orchester.