Immer am Mittwoch vor Heiligabend öffnen die beiden Frauen die oberen Schranktüren in der Sakristei und holen Kisten und blaue Tüten hervor: darin die Krippenfiguren der Gemeinde und Zubehör für die Krippenlandschaft. Im Keller lagert das Strohdach für den Stall von Bethlehem. LokalDirekt darf hinter die Kulissen blicken.
Weihnachtsgeschichte beginnt im Advent
Einige Figuren aus dem Krippen-Ensemble werden bereits für die vier Advents-Sonntage auf dem Marien-Altar vor einem dunkelblauen Patchwork-Sternenhimmel aufgebaut. Sie stellen die Ereignisse vor der Geburt Jesu an Heiligabend dar.
„Dabei orientieren wir uns häufig an den Geschehnissen und Personen der Evangelien, die an den vier Adventssonntagen in den Messfeiern vorgelesen werden“, erklärt Monika Barwanitz. „Unser Chefdekorateur Ulrich Jatzkowski schaut vor jedem Adventssonntag in unsere Bibel und stellt entsprechend am Samstag-Morgen die Figuren auf“, so Barwanitz.
In diesem Jahr sei zuerst der Weihnachtsengel Gabriel auf dem Marienaltar zum ersten Advent aufgestellt worden, gefolgt von der Mutter Jesu, Maria, und ihrer ebenfalls schwangeren Cousine Elisabeth, dem Engel Gabriel mit Maria und zuletzt Maria und Josef, die sich nach Bethlehem aufmachen. Die sogenannte „Heilige Familie“ ist das letzte Bild, bevor die Krippenlandschaft aufgebaut wird.
Links das Sauerland, rechts Wüstenland
Moos, Stroh, Steinmatten, die klassischen Tiere, Ochse, Esel und Kamel finden sich im reichhaltigen Fundus der Krippenausstattung. „Wir haben sogar eine kleine Kirchenmaus, die wir auf das Dach setzen“, erzählt Kuhn, die seit zwanzig Jahren die Krippe für Weihnachten aufbaut. Grundsätzlich möchten sich die Frauen an eine authentische Krippendarstellung halten, „die nicht verkitscht ist“, betont Kuhn. Die Weihnachtsgeschichte solle authentisch von den schlichten Holzfiguren dargestellt werden, die noch von Pfarrer Bernhard Schmidt stammen, der als Erster das Pfarramt in St. Josef von 1956 bis 1979 inne hatte.
„Vor zwanzig Jahren nahm ich an einer Israel-Reise mit unserem damaligen Pfarrer Ulrich Schmalenbach teil. Viele falsche Vorstellungen von dem Land habe ich über Bord geworfen“, erinnert sich Kuhn. „Dank dieser Reise kann ich mir die Landschaft, die Hirten auf dem Feld, richtig vorstellen. Seit drei Jahren dekoriere ich die rechte Hälfte unserer Krippenlandschaft inspiriert von dieser Israel-Reise mit Sand, weißen Laken und Gestrüpp. Monika und ich haben extra Bäume gebastelt. Diese Hälfte soll an eine Wüste erinnern“, erklärt Kuhn. Sie wollen die Krippe kreativ gestalten und erweitern, sind sich die beiden Frauen einig. „Inspiriert von einer Reise nach Jordanien könnte ich mir auch Beduinenzelte für die Hirten vorstellen, aber leider haben wir nicht genug Platz“, glaubt Kuhn.
„Und ich setze auf der linken Seite das Sauerland daneben“, ergänzt Barwanitz. „Dazu sammele ich frisches Moos aus unseren Wäldern und lasse es einige Tage vor Heiligabend trocknen. Manchmal verwahren wir das Moos für das nächste Jahr. Außerdem arbeite ich mit Stroh und Tannengrün.“ Warum die Krippe im Sauerland? „Wir möchten mit dieser symbolischen Darstellung zeigen, dass die Krippe nicht nur nach Bethlehem gehört, sondern überall auf der Welt aufgestellt wird“, erklärt Barwanitz. Besonders den Kindern, darunter den Kommunionkindern und ihren Enkelkindern möchten die beiden Frauen die christlichen Traditionen mitgeben, die heute nur noch schwer zu vermitteln seien. In vielen Familien würden die Hintergründe zu kirchlichen Anlässen kaum noch vermittelt und zu Weihnachten amerikanische Lieder gesungen, beklagen die Frauen.

Jesuskind kommt zum Schluss
„Nur an das Jesuskind gehen wir nicht ran“, betont Kuhn. Der Hauptakteur der Weihnachtsgeschichte wird von Pastor Gregor Myrda in einer Prozession mit den Messdienern vor der Christmette an Heiligabend in die Krippe gelegt – „so macht es auch der Papst im Petersdom“, weiß Barwanitz.
Mit dem Jesuskind in der Krippe ist die Darstellung vollständig. „Manchmal lege ich es der Maria auch in den Arm“, verrät Kuhn. Mit der Weihnachtsgeschichte sei die Darstellung noch nicht zu Ende: „An Heiligabend stehen die Figuren der Könige, des Kamel-Treibers und des Kamels noch im Hintergrund, aber am 6. Januar zum Fest der Heiligen Drei Könige werden Caspar, Melchior und Balthasar mit Gefolge nach vorne geholt“, erklärt Kuhn. Diese Darstellung bleibe bis zur Sternsinger-Aktion stehen, bevor die das letzte Bild mit der Heiligen Familie, die mit einem Esel nach Ägypten flieht, die Geschichte Mitte Januar beendet.

„Da wir die Beine der Marienfigur nicht knicken können, hüllen wir sie in Susannes Schal ein und binden sie auf dem Esel fest“, erklärt Barwanitz einen Trick der Krippenaufbauer.

Vor der Krippe steht ein kleiner Brunnen als Spendendose. Der Erlös sei für die Gemeindearbeit und die Messdiener bestimmt. „Beispielsweise hatten wir für unsere Frühschichten im Advent mit anschließendem Frühstück Ausgaben, die nicht vom Bistum gestemmt werden“, so Barwanitz.





















