Die Stadt Lüdenscheid stellt die Weichen für eine nachhaltige Mobilitätswende und plant bis zum Jahr 2030 den bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Grundlage ist ein umfassendes Ladeinfrastrukturkonzept, das am Mittwoch in der Sitzung des  Bau- und Verkehrsausschusses vorgestellt wurde. Ob es so umgesetzt wird, ist offen.

„Wir sollten einen neuen Anlauf nehmen“, empfahl Daniel Kahler (CDU). Er hatte wie sein Fraktionskollege Christoph Weiland und Brunhilde Gromball (FDP)  Mängel entdeckt. So ist seiner Auffassung nach der Bereich Wehberg unzureichend berücksichtigt. Auf seine Anregung verwies der Ausschuss das Papier zur neuerlichen Beratung zurück in die Fraktionen. Zudem lag auch ein Änderungsantrag der Fraktion Die Linke vor.

Das Konzept wurde vom Dresdner Büro Mobilitätswerk erarbeitet und in der Sitzung von Mobilitätswerk-Geschäftsführer René Pessier vorgestellt. Es berücksichtigt den erwarteten Anstieg der Elektromobilität und soll die flächendeckende Versorgung mit Ladepunkten sicherstellen.

Im April 105 Ladepunkte an 68 Standorten

Bereits heute verfügt Lüdenscheid über eine vergleichsweise gut ausgebaute Ladeinfrastruktur, heißt es im Konzept des Dresdner Büros. Im April wurden im Stadtgebiet insgesamt 105 Ladepunkte an 68 Standorten gezählt. Damit kommen auf einen Ladepunkt durchschnittlich 19 Elektro-Pkw. Dieser Wert liegt zwar über dem bundesweiten Durchschnitt von 15 Fahrzeugen pro Ladepunkt, dennoch gilt die aktuelle Versorgung als ausreichend. Auch die Erreichbarkeit ist gut: Die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Ladestation beträgt lediglich 1,2 Kilometer und liegt damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 3,3 Kilometern.

Mit Blick auf die kommenden Jahre wird ein deutlicher Zuwachs der Elektromobilität erwartet. Während der Anteil von Elektro-Pkw in Lüdenscheid derzeit bei 4,8 Prozent des Fahrzeugbestands liegt, wird für das Jahr 2030 ein Bestand von rund 8.400 E-Pkw prognostiziert. Dies entspräche einem Anteil von knapp 20 Prozent aller Pkw in der Stadt. Bis 2040 könnte dieser Anteil sogar auf mehr als 60 Prozent steigen.

Zusätzlicher Bedarf im öffentlichen Raum von 288 Normalladepunkten

Parallel zum Fahrzeugbestand wächst auch der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Nach den Berechnungen des Prognosemodells GISeLIS wird bis 2030 eine installierte Ladeleistung von insgesamt rund 11.225 Kilowatt benötigt. Zum Stichtag November 2025 standen bereits 5.228 Kilowatt zur Verfügung. Für den öffentlichen Raum ergibt sich daraus ein zusätzlicher Bedarf von 3.162 Kilowatt. Dies entspricht rechnerisch etwa 288 Normalladepunkten mit jeweils 11 Kilowatt Leistung oder 72 Standorten mit jeweils vier Ladepunkten.

Ein Mann mit lockigem Haar und Brille spricht in ein Mikrofon an einem Pult. Im Hintergrund eine graue Wand.
René Pessier vom Büro Mobilitätswerk stellte das Konzept zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Lüdenscheid vor.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Der Ausbau, so die Empfehlung der Dresdner Fachleute, soll gezielt dort erfolgen, wo künftig die größte Nachfrage erwartet wird. Im Fokus stehen insbesondere zentrale Stadtbereiche und Wohnquartiere mit einem hohen Anteil an Mehrfamilienhäusern. Dort haben viele Bewohner keine Möglichkeit, ein eigenes Ladeangebot auf privaten Stellplätzen zu nutzen. Normalladeinfrastruktur soll deshalb vor allem wohnortnah entstehen und das Laden über längere Standzeiten ermöglichen.

Schnellladeinfrastruktur auf halböffentlichen Flächen

Schnellladeinfrastruktur soll dagegen bevorzugt auf halböffentlichen Flächen und an sogenannten Points of Interest errichtet werden. Dazu zählen insbesondere Einzelhandelsstandorte, Tankstellen oder stark frequentierte Gewerbestandorte. Ziel ist es, die kurzen Aufenthaltszeiten der Nutzer effizient für Ladevorgänge zu nutzen. Im Rahmen des bundesweiten Deutschlandnetzes entstehen in Lüdenscheid zudem zwei Schnellladehubs mit insgesamt 16 Hochleistungsladepunkten.

Öffentliche Flächen sollen möglichst sparsam beansprucht werden. Vorrangig sollen daher halböffentliche und private Flächen für den Ausbau genutzt werden. Insgesamt wurden 54 geeignete halböffentliche Flächen mit einem Ausbaupotenzial von rund 14.800 Kilowatt identifiziert. Für eine erste Ausbaustufe wurden 46 Standorte ausgewählt, an denen mindestens 144 zusätzliche AC-Ladepunkte entstehen können.

Private Akteure spielen zentrale Rolle

Ein wesentliches Element des Konzepts ist die kontinuierliche Überprüfung des tatsächlichen Bedarfs. Betreiber von Ladeinfrastruktur sollen künftig halbjährlich Auslastungsdaten melden. Mithilfe GIS-gestützter Monitoring-Systeme will die Stadt die Entwicklung der Elektromobilität sowie die Nutzung der Ladepunkte regelmäßig auswerten und die Planung entsprechend anpassen.

Neben der öffentlichen Hand spielen auch private Akteure eine zentrale Rolle. Wohnungsunternehmen, Gewerbebetriebe und Eigentümer von Einzelhandelsflächen sollen verstärkt in den Ausbau eingebunden werden. Besonders das Laden am Arbeitsplatz gewinnt an Bedeutung. Es zählt bereits heute zu den beliebtesten Ladeorten und wird durch steuerliche Vorteile sowie sozialversicherungsfreie Stromangebote bis Ende 2029 zusätzlich gefördert.

Mit dem geplanten Ausbau verfolgt die Stadt Lüdenscheid das Ziel, die Elektromobilität nachhaltig zu fördern und zugleich eine leistungsfähige, wirtschaftliche und flächenschonende Ladeinfrastruktur aufzubauen.