Die Jungen Liberalen sind die Jugendorganisation der FDP und vertreten im Wesentlichen deren politische Linie. Dabei kümmern sie sich bevorzugt um kommunale oder regionale Themen, vor allem aber um die politischen Belange ihrer Generation. Seit 40 Jahren gibt es die Organisation. Zum „Kick-Off“ ins Jubiläumsjahr trafen sich die „Julis Westfalen-West“ und interessierte Gäste in Kierspe.
Die Teilnehmer des Abends kamen nicht nur aus dem hiesigen Gebiet, sondern auch aus Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hagen, dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Dass ausgerechnet die Rauk-Stadt Treffpunkt wird, versteht Bezirksvorsitzender Daniel Böhler als „Support für den neuen Ortsverband in Kierspe“, der sich im vergangenen Jahr um Fabian Bülow formiert hat.
Der Abend war von einem gegenseitigen Kennenlernen geprägt, zumal unter den Gästen auch einige erfahrene Liberale waren. So ließ es sich der Kiersper FDP-Fraktionsvorsitzende Armin Jung nicht nehmen, in einer kurzen Ansprache Grußworte an die Gäste zu richten.

MdB Jens Treutine über Bürokratie beim Bürgergeld und ein „komisches Virus“
Unter ihnen war zugleich jemand, dessen „Julis“-Zeit noch nicht lange her ist, der aber dennoch über politische Erfahrung auf Bundesebene verfügt: der Bundestagsabgeordnete Jens Teutrine. Der 29-jährige aus Rheda-Wiedenbrück gehört dem Bundesvorstand der FDP an und war vor dem Antritt seines Bundestags-Mandates Bundesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation. Nach eigenem Bekunden liegt ihm die Chancengleichheit in der Ausbildung am Herzen, weshalb er sich auch für das Bürgergeld engagiert. Für Teutrine ist das Bürgergeld ein Baustein im Kampf gegen das allgegenwärtige Fachkräfteproblem in Deutschland. Als Teutrine von einem Standpunkt und seiner Tätigkeit berichtete, prangerte er die zu große Bürokratie an, die auch dazu führe, dass Migranten trotz großen Potentials beruflich nicht Fuß fassen könnten oder von Abschiebung bedroht seien.
Wer allerdings mit Teutrine eine politischen Senkrechtstarter erwartet, der alle politischen Anliegen auf direktem Wege durchsetzt, wurde eines Anderen belehrt: Der Ostwestfale machte anhand einiger Beispiele deutlich, dass man auch Bauchlandungen verkraften müsse. So habe er sich in seiner heimischen Ortsgruppe für manches Thema eingesetzt und sei dabei manches Mal krachend gescheitert.
„Aber“, so fügte er tröstend hinzu: „Die Flixbus-Haltestelle in Rheda-Wiedenbrück haben wir am Schluss doch noch bekommen.“ Dass man nun mit dem Bus direkt nach Amsterdam fahren könne, sei auch der Unterstützung einer Rentner-Gruppierung zu verdanken, die sich für das Thema eingesetzt habe.

Auch zu tagesaktuellen Aspekten äußerte Teutrine sich mit deutlich Worten. Als es um die Freiheit ging – ein elementares Grundbedürfnis der FDP – konnte sich der Abgeordnete einen Seitenhieb auf die Einschränkungen während der Pandemie nicht verkneifen: „Ein komisches Virus, das nur nachts aktiv ist“, lautete sein Kommentar zur zeitweisen nächtlichen Ausgangssperre.
Die rund 20 Anwesenden konnte Jens Teutrine offensichtlich begeistern.
NRW-Landtagsabgeordnete Angela Freimuth: Individualismus mache FDP aus
Eine heimische Veranstaltung mit potentiellem Nachwuchs für die Freien Demokraten ließ sich auch Angela Freimuth nicht entgehen. Die aus Lüdenscheid stammende Liberale ist seit vielen Jahren im selben Einzugsgebiet „Westfalen-West“ aktiv. Das Credo der NRW-Landtagsabgeordnete: „Engagement statt Ruf nach Staat.“

In ihrer Ansprache gab sie den Gästen einen Einblick dessen, was die Freie Demokratische Partei ausmache: vor allem Individualismus.
Ob sich bei dem gemeinsamen Essen im Haus Berkenbaum bereits die von Angela Freimuth herbeigesehnte Streitkultur entwickelte, ließ nicht erahnen.









