„Das ist aber schon sehr laut“, verkündete Matthias Heider nachdem er erste Eindrücke gesammelt hatte. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete wollte sich gemeinsam mit seinem Wahlkreis-Nachfolger Florian Müller vor Ort ansehen, wie sich die Situation rund um die marode Brücke auf der Kölner Straße in Kierspe darstellt. Dazu trafen sich am Dienstag Christdemokraten aus der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Südwestfalen mit Vertretern des CDU-Stadtverbandes.
Ein betroffener Unternehmer berichtete schonungslos, welche Auswirkungen die derzeitige Belastung durch den Lkw-Verkehr habe. Martin Bender ist Geschäftsführer der Firma Bender & Wirth. Der Industriebetrieb liegt unmittelbar an der Kreuzung von Volmestraße und Kölner Straße. Dort war ob der vorangeschritten Uhrzeit schon etwas Ruhe eingekehrt. Das signalisierte er auch Matthias Heider: „Dabei ist schon Feierabend.“ Tagsüber sei der Lärmpegel durch den Verkehr wesentlich höher.

Doch diese Belastung ist nur ein Teil der zahlreichen Probleme, die sich durch die Verkehrssituation ergeben. Der Verkehr – insbesondere der Güterverkehr – nimmt stetig zu. Dazu kommen die Lkw-Fahrer, die infolge der Sperrungen in und um Lüdenscheid nun über die B237 ans Ziel kommen wollen. Als „Sahnehäubchen“ komme nun auch noch die marode Brücke zwischen der Kreuzung der beiden Bundesstraßen und der Durchfahrt unter der Eisenbahnbrücke.
Das Bauwerk über der Volme wurde von vielen Einheimischen bisher nicht so deutlich wahrgenommen, rückt aber nun als Problemfall in den Fokus. Immerhin könne das Gröbste wohl auf absehbare Zeit mit einer Behelfsbrücke behoben werden, berichtete Unternehmer Bender. Seine Hoffnungen lägen auf einer Fertigstellung bis zum Ende des Jahres: „Wenn das bis zum vierten Quartal klappt, kommen wir mit einem blauen Auge davon“, so der Hersteller für Leuchten-Bauteile.

Das Problem mit dem Lkw-Ausweichverkehr ist damit noch nicht gelöst. Darunter leiden Anwohner wie Unternehmer an der Kölner Straße sowie an der Friedrich-Ebert-Straße. Eine Umgehungsstraße hätte in den Augen vieler die entscheidende Entlastung gebracht, erklärte Holger Scheel, Vorsitzender der Kiersper CDU: „Ich kämpfe seit 20 Jahren im Rat für die Umgehungsstraße, heute hätte sie geholfen“, war sich der Lehrer sicher. Sein Stellvertreter Markus Pempe wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die beiden besonders betroffenen Straßen obendrein zur offiziellen „Schwerlastroute Südwestfalen“ gehören würden.
Am frühen Abend um 18 Uhr war der Bereich um die Brücke derart von Verkehrslärm beeinträchtigt, dass an einen kommunikativen Ortstermin nicht zu denken war. Kurzerhand wurde der Standort an den Rand des Volmefreizeitparks verlagert. Dort umriss der Bundestagsabgeordnete Florian Müller, wie er sich eine Lösung der Probleme vorstellen könne. Der Drolshagener will sich nach eigenem Bekunden für den sogenannten „Lausebergaufstieg“ einsetzen, einer potentiellen Route für die angedachte Nordumgehung.

Um die wird allerdings seit mehreren Jahrzehnten gerungen. Dass dieses Projekt richtig in Fahrt kommt, ist derzeit nicht absehbar. Müllers Anmerkung, dass im nächsten Bundeshaushalt beim Verkehr rund eine Milliarde eingespart würden, macht dabei wenig Hoffnung. Er hofft, „dass dies nicht Schule macht“ und will „beharrlich dranbleiben“.
Die Planungsmaßnahmen der vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass Geld ein eher kleineres Problem bei diesem Projekt ist, schließlich ist der Bau der Umgehungsstraße in der heimischen Bevölkerung umstritten, in der Politik auch. Zur Lösung der aktuellen Verkehrsprobleme würde die „B54n“ kaum beitragen, vorher ist die neue Rahmedetalbrücke in beiden Fahrtrichtungen fertiggestellt.
MdB Müller sieht eine mögliche Entschärfung bereits auf der Autobahn und befürwortet eine Änderung des Mautsystems, um Lkw-Fahrern Anreize zu geben, die Region über die Autobahnstrecken großräumig zu umfahren. Den Märkischen Kreis sieht Müller in der Pflicht, um ein „Tempo 30“ auf der Kölner Straße umzusetzen: „Dazu müsste der Kreis Gründe sammeln“.
Die aktuelle Situation entwickelt sich für die Anwohner an der Kölner Straße zu einer immer größeren Belastung, die an die am schlimmsten betroffenen Straßen in Lüdenscheid erinnert: Der Verkehrslärm ist nahezu unerträglich, auch die Sicherheit macht vielen Menschen Sorgen. Ein Tempolimit erscheint Müller und seinem Vorgänger Heider als probates Mittel, um die Belastungen spürbar zu senken. Zu einem Durchfahrtsverbot für Lkw, wie es mittlerweile in Lüdenscheid praktiziert wird und bei dem sich erste Erfolge abzeichnen, konnte sich Müller im Detail nicht äußern. Er verwies darauf, dass er eine Lösung favorisiere, die bereits auf den Autobahnen umzusetzen sei. Bislang wurde diese allerdings auf Bundesebene abgelehnt.
In der Zusammenfassung von Matthias Heider tauchte ein Durchfahrtsverbot am Ende auch nicht auf. Er hofft in erster Linie auf eine funktionierende und vor allem pünktliche Errichtung einer Behelfsbrücke auf der Kölner Straße. Sowohl „Tempo 30“ als auch eine Steuerung durch eine höhere Lkw-Maut sieht er als Steuerungsinstrumente. Haider sieht ein weiträumiges Umfahren von Kierspe als sinnvoll an und verwies nochmals auf den Lausebergaufstieg.
Den Menschen und Unternehmen in Kierspe wird die Situation zweifellos noch einiges abverlangen. Ideen für eine massive, kurzfristige Entlastung kamen bei der Ortsbesichtigung nicht auf den Tisch. Aber Müller und Heider erlebten die Lage hautnah, obwohl die Brücke aktuell noch nahezu uneingeschränkt befahren werden kann. Die aktuell aufgestellten „30“-Schilder stellen kaum eine Hürde dar, denn schneller geht es an diesem Knotenpunkt kaum. Doch als Lieferanten für Streitereien taugen sie schon, denn es mehren sich die Befürworter für ein durchgehendes 30-Tempo-Limit auf der gesamten Kölner sowie der Friedrich-Ebert-Straße.










