Stelse informierte die Ausschussmitglieder mit einem Schreiben des Anbieters SIT über die aktuellen Prozesse, nachdem am 30. Oktober rund 72 Verbandsmitglieder Opfer einer Erpressersoftware wurden. „Die komplette Server-Infrastruktur und das Verbandsnetz sind heruntergefahren worden“, berichtete Stelse. Somit konnte eine Ausweitung der Schadsoftware verhindert werden. Landeskriminalamt, Landespolizei und Fachfirmen seien im Einsatz. Die betroffenen Kommunen seien zudem im Austausch mit Verwaltungen von ehemals betroffenen Kommunen.
Unterschiedlich betroffen seien der Nord- und der Südverband. „Die Aufarbeitungen und Prüfungen laufen seit dem 30. Oktober“, so Stelse. Besonders die Netzwerkbereiche im Südverband rund um Siegen seien stark eingeschränkt. „Bei uns im Nordverband laufen intensive Tests und Untersuchungen. Im Südverband hingegen muss die komplette Serverinfrastruktur neu aufgebaut werden, was neue Rechner mit einschließt“, führte Stelse weiter aus. Im Südkreis sei auch die Telefonie durch den Angriff lahm gelegt.
Update alle zwei Wochen
Für Kierspe bedeutet die Aufarbeitung: Daten scannen in drei Schritten. Die Ergebnisse werden der SIT zur Prüfung übermittelt. Auch in der Volme-Kommune laufen Behelfslösungen. Aber: „In Kierspe laufen die Telefone“, so Stelse. 52 der betroffenen Kommunen hätten dem Bürgermeister zu Folge Notfall-Internetseiten eingerichtet. „Bei uns ist die Homepage woanders gehostet“, gab Stelse Entwarnung. „Zwar funktioniert unser externer Mailverkehr nicht, aber das Faxgerät ist einsatzbereit und hoch frequentiert“. Die Mailinfrastruktur werde wieder aufgebaut. Alle Mitarbeiter des Hauses könnten entweder ihre regulären Aufgaben vollziehen oder würden an anderer Stelle eingesetzt.
Leistungen können erfolgen
„Auch bei den Sozialleistungen sind wir handlungsfähig“, betonte Stelse. Handwerkerrechnungen könnten per Überweisungsträger getätigt werden. Mit Blick in die Ausschussrunde bekräftigte der Bürgermeister, dass die Aufwandsentschädigungen für November und Dezember händisch Anfang Dezember in einer Zahlung beglichen würden. „Das läuft grundsätzlich.“ Passwesen und Standesamt seien über Umwege handlungsfähig. „Wir sind auch mit anderen Kommunen im Austausch, die aushelfen können“, versicherte Stelse.
Zum Thema Schadensersatz könne man noch keine Aussage treffen. Immerhin seien keine sensiblen Daten von Bürgern abgegriffen worden nach derzeitigem Kenntnisstand. „Es ist kein Datenabfluss erkennbar“, so Stelse auf Nachfrage von Clemens Wieland (UWG). „Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden ausschließlich Daten mit Hilfe einer Schadsoftware verschlüsselt.“ Intern sei Kierspe für Hackerangriffe gewappnet.
Keine Zahlen
In der Ratssitzung am Dienstag, 28. November, kann keine Haushaltseinbringung erfolgen, weil die Daten fehlen, so die Kämmerein Steinhaus-Derksen. Das Programm „Infoma“, das die Stadt für Buchhaltung und Veranlagung von Steuern und Abgaben nutzt, sei vorderrangig durch den IT-Angriff angegriffen worden, so die Kämmerin. Man sei mit der Kommunalaufsicht in Kontakt. „Meine übliche Präsentation gibt es daher heute nicht.“ Eine Excel-basierte Lösung könne im Zweifel helfen – „aber nur als absolute Ausnahme. Eine Gegenprüfung der Daten muss gegeben sein.“
Eine Zusage konnte die Kämmerin machen: Die Bürger geraten nicht in Verzug. „Jeder bekommt von uns eine Mitteilung über eine Abbuchung und darüber, wann das reguläre Prozedere startet.“ Zur Liqudität sagte Steinhaus-Derksen: „Wir haben sieben Millionen auf unserem Giro-Konto. Zahlungen an Handwerker, Gehälter und Sozialleistungen können wir leisten. Bewusst setzen wir dabei auf Papierüberweisungen, um keine Risiken auf die heimischen Banken zu übertragen, bevor nicht alle Daten abschließend gescannt sind.“ Sie sicherte die Korrektheit der Verfahren zu: „Wir sind prüfbar. Ich kann Ihnen sagen, dass am 27. Oktober noch alles im Lot war.“
Clemens Wieland lobte die „hervorragende Arbeit der Verwaltung in der Krisensituation.“ Allerdings: Eine verlässliche Aussage darüber, wie lange die Einschränkungen bestehen bleiben, sei noch nicht möglich. „Wir bekommen zwei Mal die Woche ein Update über den aktuellen Stand der Dinge“, informierte Stelse die Fraktionen.










