Eigentlich war die Stimmung gut und entspannt, als sich am vergangen Donnerstag (1. September) die Mitglieder des Kiersper Bürgerzentrums „Hand in Hand“ in ihrem Domizil an der Fritz-Linde-Straße zur Mitgliederversammlung trafen. Die wirtschaftliche Lage des Vereins „Soziales Bürgerzentrum Kierspe e.V.“ ist trotz Pandemie grundsolide und im Großen und Ganzen gelingt es, für die zahlreichen Aufgaben, denen sich der Verein widmet, genug Freiwillige zu finden.
Organisatorische Herausforderungen gibt es natürlich auch hier und hinsichtlich der Finanzen auch Kuriositäten. Der Vorstand des Vereins ist froh, dass die Spendenbereitschaft der Bürger insgesamt stabil bleibt: Es sind im vergangenen Jahr laut Kassenbericht fast genauso hohe Geldspenden wie im Jahr zuvor eingegangen. Doch dies ist ist zu einem erheblichen Teil einem einzelnen Spender zu verdanken, der seit 2020 jeden Monat 1000 Euro an den Verein überweist.
Zahl von Hilfeempfängern wächst
Sowohl mit einem angemessenen „Dankeschön“, als auch mit der Planbarkeit für die Zukunft wird es schwierig, denn der Gönner hat sich entschieden, anonym zu bleiben. Zwar ist man zuversichtlich, dass diese Spenden auch weiterhin fließen, dennoch bleibt die Sorge um die Auswirkungen, falls diese doch irgendwann ausbleiben. Schließlich werden bei „Hand in Hand“ aus Spenden und Einnahmen, die mit einzelnen Bereichen erzielt werden, andere Aktionen finanziert. Das betrifft akut die Lebensmittel für Bedürftige.
„Hand in Hand“ engagiert sich in ähnlicher Weise, wie es landläufig die Tafeln tun, doch der dazu nötige Nachschub fällt immer geringer aus. Um die wachsende Zahl von Hilfeempfängern adäquat zu unterstützen, sind daher Zukäufe notwendig – und die kosten Geld. Ein Tropfen auf den heißen Stein dürfte daher auch die Nachzahlung eines Mitgliedes gewesen sein, das für satte fünf Jahre rückwirkend nachbezahlt hat. Im Wesentlichen sieht der Verein aber zuversichtlich in die Zukunft, wissentlich um die Erwartung, dass die Lage für Menschen an der Armutsgrenze sich demnächst wohl deutlich verschärfen wird.
15 bis 20 Tonnen gespendete Kleidung
Dass es nicht einfach ist, Menschen für ehrenamtliche Aufgaben zu gewinnen, betonen die Mitglieder des Vereinsvorstandes. Das sei bei „Hand in Hand“ gewissermaßen auch eine Altersfrage, weil sich viele der anfallenden Aufgaben nicht so ohne Weiteres mit dem Arbeits- und Familienleben unter ein Hut bringen lassen, so der Vorsitzende Wolfgang Koll. Der Anteil an Ruheständlern ist unter den Aktiven sehr hoch.

In einem Bereich ist die Situation aktuell besonders prekär: Die Kleiderannahme musste geschlossen werden, weil die Arbeit dort besonders hohe Anforderungen mit sich bringt. So müssen nach Angaben von Wolfgang Koll hier zwischen 15 und 20 Tonnen gespendeter Kleidung gesichtet und vorsortiert werden. Davon würden etwa 1/3 im eigenen Haus bleiben, 2/3 der Masse gehen weiter an das Rote Kreuz.
Darüber hinaus sind die Lagerkapazitäten im Auge zu behalten, zumal aus Sicht des Bedarfs antizyklisch gespendet würde, so Koll. Zum Winter hin würden Menschen die Sommerkleidung aus dem Schrank räumen und sich bei dieser Gelegenheit von manchen Stücken trennen. Im Frühjahr ist es umgekehrt – für die Helfer eine logistische Herausforderung. Zumal viele Kleiderspenden in großen Müllsäcken gebracht werden, bei denen die Textilien nach wenigen Tagen eine unangenehmen Teergeruch annehmen würden.
Helfer für mittwochsnachmittags gesucht
Eile ist also geboten, und dass es ein echter Knochenjob sein kann, wird nicht verschwiegen. Dennoch hofft der Verein, nun wieder Freiwillige zu finden, die beim Sichten und Sortieren auch ein gewisses „modisches Gespür“ an den Tag legen. Die Kapazitäten der durch den Weggang von drei Damen ausgedünnten Mannschaft genügen nicht mehr. Darum hat der Verein die Notbremse gezogen. Der dringende Appell: Wer sich vorstellen kann, mittwochsnachmittags von 15 bis 17.30 Uhr im Bürgerzentrum mit anzufassen, ist herzlich willkommen. Die Verantwortlichen betonen, dass auch zwei Nachmittage im Monat genügen würden, und man zeitlich auch flexibel sei. Der Bedarf nach Second-Hand-Kleidung wird nach Einschätzung der Vereinsmitglieder in Zukunft steigen, alleine schon durch die verschiedenen Auswirkungen des Ukraine-Krieges sowie der aktuellen Energiekrise.
Ein Bereich macht auch Dr. Axel Karge Sorge: Die Versorgung mit Lebensmittel. Zwar stuft der stellvertretende Vorsitzende die Personaldecke insgesamt als recht gut ein, doch im Bereich der Lebensmittelabholung von spendenbereiten Unternehmen fehlen immer mal wieder zupackende Hände. Ihm liegt auch das Repair Café am Herzen: Hier wirbt Karge noch um die Mitarbeit technisch versierter Freiwilliger, die jeden zweiten Dienstag im Monat im Bürgerzentrum Menschen helfen, Defekte an ihren Geräten selbst zu reparieren. Das ist in erstaunlich vielen Fällen möglich, weil es sich oft nur um kleine Probleme handelt, die gelöst werden wollen. Auf diese Weise wird mehr Nachhaltigkeit erreicht, weil reparierbare Geräte nicht im Elektroschrott landen.
Interessierte können sich über diese Kontaktmöglichkeiten beim Verein melden oder sich auf der Website über Aktivitäten von „Hand in Hand“ informieren: Hand in Hand Kierspe










