Die „Plettenberger Herrenbirne“, eine vom Aussterben bedrohte Obstsorte, steht im Mittelpunkt eines erfolgreichen Naturschutzprojekts. Das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis und das Netzwerk Slow Food Deutschland haben für ihren Einsatz nun eine besondere Bestätigung erhalten: Ein aus der seltenen Birne hergestellter Edelbrand wurde beim Craft Spirits Award 2026 in Berlin mit Gold ausgezeichnet.
Alte Sorte, neues Interesse
Im Rahmen des Projekts „Südwestfalens blühende Vielfalt erhalten“ setzen sich Volker Knipp vom Naturschutzzentrum, Nebenerwerbslandwirt Bernd Frommann und Slow-Food-Förderer Dr. Ludwig Erbeling (beide Plettenberger) seit längerem für den Erhalt der traditionsreichen Sorte ein. Einst in der Region weit verbreitet, ist die Herrenbirne heute nur noch selten zu finden. Ziel ist es, ihren Bestand zu sichern und zugleich ihren Wert wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Ein zentraler Baustein war die Verarbeitung der Früchte zu einem hochwertigen Destillat. Anfang September wurden rund 320 Kilogramm Birnen von sieben ausgewählten Bäumen in Plettenberg geerntet. Die Früchte wurden anschließend auf dem Hof von Bernd Frommann in Frehlinghausen eingemaischt, also zerkleinert, vergoren und für die Destillation vorbereitet.
Die Weiterverarbeitung erfolgte im Oktober in der Märkischen Spezialitätenbrennerei in Hagen-Dahl. Nach der Destillation reifte der Brand mehrere Wochen. Brennmeister Mathias Strätling empfahl schließlich, das Produkt bei einem Wettbewerb einzureichen.
Auszeichnung in Berlin
Mit Erfolg: Beim Craft Spirits Award am 14. März erhielt der Birnenbrand 93,67 von 100 Punkten. „Nur drei Birnenbrände haben eine höhere Punktzahl erzielt“, sagte Volker Knipp vom Naturschutzzentrum. Die Auszeichnung nahm seine Tochter Johanna Knipp stellvertretend in Berlin entgegen.
Die Jury hob insbesondere die „außergewöhnliche Birnenstruktur“ sowie die „frische Aromatik“ hervor. Der Brand überzeuge durch eine kompakte Textur und eine lange, ausgewogene Geschmacksentwicklung.
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Kleine Auflage im Verkauf
Wirtschaftliche Ziele stehen bei dem Projekt nicht im Vordergrund. Aus der Ernte entstanden rund 18 Liter Birnenbrand mit 40 Prozent Alkoholgehalt. „Ein großes Geschäft ist damit nicht zu machen“, betonte Knipp. Entscheidend sei vielmehr, auf den Wert der alten Obstsorte aufmerksam zu machen.
Ein Teil davon wird dennoch abgegeben. Kleine Flaschen sind beim Naturschutzzentrum erhältlich – nicht als Massenprodukt, sondern als Botschafter einer fast verlorenen Kultursorte.









