Keine Angst vor Technik: Am 23. April findet der jährliche Girls'Day statt. Auch die Firma Turck beteiligt sich seit langem regelmäßig daran und verhilft in diesem Jahr Mädchen aus den Schulklassen sieben und acht zu einem Einblick in Tätigkeiten, die vor Jahren noch als reine Männerberufe galten.

Erstes Schnuppern in einen technischen Beruf

Konzentriertes Arbeiten im Ausbildungszentrum der Firma Turck. Sechs Schülerinnen haben sich dazu entschiedenen, an einem Schnuppertag im Rahmen des Girls'Days einen technischen Beruf für sich zu testen.

Aileen Lang, die als Auszubildende zur Elektronikerin für Geräte und Systeme im zweiten Lehrjahr bei Turck arbeitet, leitet die Mädchen bei den ersten Lötversuchen an und steht als Ansprechpartnerin zur Verfügung. "Da kommen Fragen zum Ablauf der Ausbildung und wie es danach weitergeht", erzählt sie und ergänzt: "Ob die Schülerinnen ein Händchen für einen technischen Beruf haben, kann man an diesem ersten Tag schon erkennen."

Bei Turck beträgt der Anteil der weiblichen Auszubildenden in den technischen Berufen aktuell rund 20 Prozent. "Wir werden dabei absolut gleichberechtigt zu den männlichen Azubis behandelt", versichert Aileen Lang. Gleichberechtigung im Beruf ist bei Turck normal, betont auch Jan Dietz, der als Ausbilder im Bereich Technik zuständig ist für die Betreuung des Girls'Days.

Eine Schülerin, die am Girls'Day in einen technischen Beruf hineinschnuppern wollte, ist Julie (13), aus der 8a des Bergstadt-Gymnasiums in Lüdenscheid. "Ich liebe es, zu löten. Das habe ich schon in der Schule gemacht", erzählt sie. "Mein Vater arbeitet auch bei Turck. Deshalb wollte ich das heute mal ausprobieren. Ich habe auf jeden Fall viel Neues kennengelernt", ergänzt sie und verrät, dass sie auch über eine Zukunft in einem technischen Beruf nachdenkt.

Nicht nur gucken, sondern machen

"Wir haben jedes Jahr sechs Mädchen hier. Mehr geht leider nicht, dafür reichen die Arbeitsplätze nicht aus", bedauert Dietz. Zuerst bekommen die Schülerinnen eine Firmenvorstellung präsentiert. Dabei wird die Frage geklärt: Was ist Turck und was wird dort hergestellt? Danach erfolgt eine Führung durch alle Abteilungen. Dabei werden den Mädchen auch die Berufe Mechatroniker/-in und Fachkraft für Lagerlogistik nähergebracht.

Im Ausbildungszentrum der Firma dürfen die Mädchen dann auch selber aktiv werden. Aileen Lang und Jan Dietz zeigen ihnen den Umgang mit Lötgeräten als Vorbereitung für die Herstellung eines blinkenden Atommodells am Nachmittag. "Wenn es ihnen dann durch korrektes Löten der Widerstände, Kondensatoren und Steuerungen gelingt, die kleine Box zum Blinken zu bringen, ist das ein großes Erfolgserlebnis für die Mädchen. Gleichzeitig bringt es ihnen auch die Arbeiten näher, die im Beruf Werkzeugmechaniker/-in und Elektroniker/-in für Gerätesysteme ausgeführt werden."

Am Girls'Day soll den Schülerinnen auch gezeigt werden, dass Tätigkeiten wie der Beruf eines Werkzeugmechanikers nicht mehr die "schmutzigen Berufe" sind, die man aus der Vergangenheit kennt. Auch Kraft wird nicht benötigt. Bei einer Bewerbung für eine Ausbildung ist das Geschlecht des potenziellen Auszubildenden daher egal. "Wichtig ist, dass die schulischen Voraussetzungen gegeben sind und dass das Auftreten beim Vorstellungsgespräch stimmt", macht Dietz deutlich.

Berufsvorstellungen liegen noch weit in der Zukunft

Die anderen fünf Mädchen kommen aus der Humboldt-Schule in Halver. Alle kamen mit dem gleichen Wunsch zum Schnuppertag bei Turck. "Wir wollen etwas Neues kennenlernen", sagen sie unisono. Maja (12) aus der 7b hatte dabei überhaupt keine Vorstellung davon, was an diesem Tag auf sie zukommen würde. "Ich war positiv überrascht, dass wir tatsächlich selbst etwas herstellen durften", sagt sie.

Zoe (12) aus der 7a hatte einen besonderen Grund dafür, sich für den Girls'Day zu interessieren. "Ich habe den Technikkurs als Wahlfach in der Schule. Durch das, was ich hier lerne, möchte ich meine Note in der Schule aufbessern." Ob ein technischer Beruf für sie in der Zukunft tatsächlich in Frage kommt, weiß sie noch nicht. Aktuell soll es eher in Richtung Kunst oder Psychologie gehen.

Für Arzu (14) und Milena (13) aus der 7c ist es egal, ob sie später in einem Beruf arbeiten, der früher als Männer- oder Frauenberuf galt. Arzu war sich sogar von vornherein sicher, dass es ihr am Girls'Day gefallen würde.

Was sie in der Zukunft machen will, weiß auch Marharyta (13) aus der 7a noch nicht. "Eigentlich gefällt mir das Löten hier, aber es klappt noch nicht so gut", sagt sie ein wenig unsicher.

Gegen den Fachkräftemangel

Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) weiß, wie wichtig es ist, dass Berufe nicht mehr klassisch in Männer- oder Frauenberufe eingeteilt werden. Viel wichtiger ist die Eignung unabhängig vom Geschlecht und der Spaß an der Arbeit. Auf ihrer Homepage heißt es: "In Pflegeberufen sind nach wie vor vier von fünf Beschäftigten Frauen, in den MINT-Berufen ist es genau umgekehrt. Da sind mehr als 80 Prozent der Beschäftigten Männer. Diese stereotypische Berufswahl aufzubrechen, kann auch gegen den Fachkräftemangel in etlichen Berufsfeldern helfen."

Der Girls‘ Day will seit 25 Jahren vorrangig Zukunftsaussichten für Berufe schaffen, die traditionell nicht mit dem eigenen Geschlecht assoziiert werden. Im Jahr 2008 ist der Boys' Day bundesweit nachgezogen. So erhalten Jungen beispielsweise die Möglichkeit, ihre Talente in den Bereichen Soziales oder Pädagogik zu entdecken, wie etwa im Pflegeberuf. Mädchen hingegen gewinnen Einblicke in den Alltag technischer und handwerklicher Berufe, beispielsweise in den der Kraftfahrzeugtechnik. Das sind beides Berufe, in denen immer noch ein Mangel an Fachkräften herrscht.

Fachkräfte frühzeitig sichern

Auch für die Unternehmen sind diese beiden Aktionen mehr als ein einmaliger Schnuppertag. "Er ist eine echte Chance, frühzeitig mit potenziellen Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen“, sagt Daniel Terzenbach, Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit. „Der Schnuppertag kann der Einstieg für eine weiterführende Zusammenarbeit sein, etwa in Form eines Praktikums oder eines Ausbildungsverhältnisses beziehungsweise dualen Studiums.“

Vorteile des Girls' Days sind statistisch erfasst

Aktuelle Informationen zum bundesweiten Mädchen- und Jungen-Zukunftstag sind auf der Internetseite des Girls‘ Day und Boys‘ Day, erstellt vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V., nachzulesen. Auf diesen Seiten wird auch mit aktuellen Zahlen die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit dieses Berufskennenlerntages festgehalten. Die Evaluation macht deutlich: Die Aktionstage wirken und kommen bei den Jugendlichen sehr gut an. 95 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen und 89 Prozent der teilnehmenden Schüler würden den Girls'Day beziehungsweise den Boys'Day weiterempfehlen. Auch lange Zeit nach den Aktionstagen sind 73 Prozent der (ehemaligen) Girls'Day-Teilnehmerinnen und 77 Prozent der (ehemaligen) Boys'Day-Teilnehmer noch sehr oder eher zufrieden. Damit zählen Girls'Day und Boys'Day zu den wirkungsvollsten und beliebtesten Berufsorientierungsformaten bundesweit.

Fazit: Win-win für Unternehmen und Jugendliche

Für viele Mädchen ist der Girls' Day eine einmalige Chance, Berufe, an die sie für ihre Zukunft nicht gedacht hätten, auch einmal in der Praxis kennen zu lernen und mit Auszubildenden zu sprechen, die sich für diese Berufszweige entschieden haben. Am Girls' Day können sie Berufe ausprobieren und Fragen an Mitarbeiter stellen. Im Idealfall bekommen sie an diesem Tag auch Betriebsführungen oder Workshops.

Auch für die Unternehmen und Organisationen lohnt sich die Beteiligung am Girls'- und Boys'Day. Vor allem bietet dieser Tag die Möglichkeit, Nachwuchs frühzeitig anzusprechen und für eine spätere Ausbildung zu gewinnen. Gerade für Branchen oder Berufe, die bei Jugendlichen weniger im Fokus stehen, bieten die Aktionstage eine Möglichkeit, sich frühzeitig zu präsentieren und Vorurteile abzubauen.