„Wir müssen Waffen anschaffen, damit wir sie nicht einsetzen.“ Der Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, war für Ulrike Herrmann „eine Zeitenwende“. Die Journalistin und Buchautorin stellte bei den Literaturtagen am Dienstagabend, 28. April, ihr neues Buch „Geld als Waffe“ vor. Dabei nahm der USA-Iran-Krieg einen deutlich größeren Anteil als geplant ein.
Herrmann, Wirtschaftsredakteurin der „taz“ und häufiger Gast in TV-Talkrunden, analysiert darin die wirtschaftlichen Hintergründe von Konflikten. Ihr Fokus liegt dabei auf Russland und China. Beide seien in eine ökonomische Sackgasse geraten. Mit Kriegen — Russland in der Ukraine und China mit der Drohung gegen Taiwan — versuchten sie, von ökonomischen Missständen abzulenken und Unzufriedenheit in der eigenen Bevölkerung zu kanalisieren. Dabei sei Russland eigentlich „zu arm, um Krieg zu führen.“
Die Buchhandlung Schmitz und die Stadtbücherei Meinerzhagen als Veranstalter der Literaturtage hatten Ulrike Herrmann bereits zum zweiten Mal eingeladen. Nach dem deutschen Wirtschaftswunder, das sie „entzaubert“ hatte, ging es in der Aula des Evangelischen Gymnasium diesmal eher um geopolitische Konstellationen.
Herrmann räumte ein, sich geirrt zu haben. Lange habe sie geglaubt, man müsse abrüsten und beim Gas eng mit Russland kooperieren. Für sie ein Signal: „Wir wollen keinen Krieg.“ Inzwischen sei klar: „Wir müssen in der Lage sein, uns gegen Russland zu verteidigen“. Auf die USA könne sich Europa nicht verlassen. Mit einem Angriff Russlands in Europa und Chinas auf Taiwan seien die USA überfordert.
Krieg lenkt von Krisen ab
Nach rasantem Wachstum in China habe das Land ein falsches Modell gewählt. Die neue Supermacht habe es versäumt, vom Investitions- zum Konsumwachstum zu wechseln. Man baue Sachen, die keiner braucht. Folge: Immobilienblase, hohe Jugendarbeitslosigkeit und damit Unmut in der eigenen Bevölkerung, die vom Wachstum nicht profitiere. Die Drohung Taiwan zu übernehmen solle von der Krise ablenken.
Mit Blick auf den Nahen Osten geht Herrmann davon aus, dass der Iran die Daumenschrauben bis zu den Midterms (Zwischenwahlen im Herbst in den USA, Anmerkung der Redaktion) anziehen werde. „Trump wollte den Regimewechsel im Iran, jetzt sorgt der Iran für einen Regime-Wechsel in den USA“, so die Journalistin. Sie gehe davon aus, „dass Trump scheitern wird“.
Buchvorstellung wird von aktuellen Krisen überschattet
Auf Fragen aus dem Publikum, was passiere, wenn Putin stirbt, hatte Herrmann ebenfalls eine Vermutung: Russland werde auch dann keine Demokratie werden. Der nächste Machthaber würde den Krieg in der Ukraine beenden. Die Folgen wie steigende Inflation durch Umstellung von Kriegs- auf Friedenswirtschaft könnte er dann Putin anlasten, glaubt die Autorin. Sie räumte ein, dass sie teilweise auch nur spekulieren könne.
Das eigentliche Thema „Geld als Waffe“ kam etwas kurz. Auf Nachfrage fasste sie es kurz in drei Punkten zusammen:
- Geld sei wichtig, um Krieg führen zu können,
- Wirtschaft könne zur Waffe werden. Als Beispiel nannte sie den Iran-Krieg, wo Öl mit der Sperrung der Straße von Hormus zur Waffe wird,
- Wirtschaft könne zum Treiber werden, um Krieg zu führen.
Kritik an aktueller Politik
Die Auswirkungen würden auch in der westlichen Welt zu spüren sein. Wenn 20 Prozent des Öls fehlen, müsste man den Verbrauch um diese Menge reduzieren, um Preise stabil zu halten. Auf Nachfrage aus dem Publikum hieß es, dass die Bundesregierung hier untätig bleibe und weiter auf fossile Energieträger setze.









