Das Lüdenscheider Stadtmarketing hat sich gegen ein Public Viewing zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft im Rosengarten entschieden. Grund dafür sind vor allem das neue Format des Turniers und die vielen späten Anstoßzeiten.
Neues Format, neue Herausforderungen
48 statt 32 Teams, 104 statt 64 Spiele und eine Turnierdauer von fast sechs Wochen statt der sonst üblichen vier: Der Fußballweltverband FIFA setzt bei der bevorstehenden WM, die vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, auf neue Dimensionen. Zugleich stellt die Zeitverschiebung Fußballfans in Mitteleuropa vor eine besondere Herausforderung: Zahlreiche Spiele sind hierzulande erst mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden zu sehen.
„Das sind Faktoren, die ein Public Viewing leider enorm erschweren und wegen der Anstoßzeiten für uns auch in vielen Fällen unmöglich machen", sagt Stadtmarketing-Geschäftsführer Phillip Nieland. Das beliebte „Alle Spiele, alle Tore"-Prinzip der Vergangenheit lasse sich bei den Fußballfesten im Rosengarten so nicht aufrechterhalten. „Damit würde unser Public Viewing eines seiner Markenzeichen und seinen Charakter verlieren. Das möchten wir nicht", so Nieland
Keine Planungssicherheit
Zumal auch eine reduzierte Variante des "Rudelguckens", bei der nur ausgewählte Spiele zu vertretbaren Uhrzeiten auf der digitalen Großbildleinwand gezeigt würden, ihre Tücken hätte. Planungssicherheit gäbe es nämlich nur für die Gruppenspiele. „Ab dem Achtelfinale müssten wir immer kurzfristig schauen, wer weiterkommt und welche Partien zu welcher Uhrzeit angepfiffen werden", erklärt Nieland weiter.
Am Beispiel der deutschen Nationalmannschaft: Sollte der viermalige Weltmeister die Gruppenphase überstehen, wären in der ersten K.o.-Runde die frühestmöglichen Anstoßzeiten 18 und 19 Uhr. Je nach Abschneiden sind jedoch auch Anstoßzeiten um 2 oder 3 Uhr morgens möglich. „Als Veranstalter ist das schwierig und unbefriedigend“, sagt Nieland. „Unterm Strich wäre der personelle, zeitliche und finanzielle Aufwand dafür zu hoch."
Hoffnung auf alternative Fan-Angebote in der Bergstadt
Die Entscheidung, diesmal kein Public Viewing anzubieten, sei dem Stadtmarketing alles andere als leichtgefallen, betont Nieland, der selbst leidenschaftlicher Fußballfan ist: „Das war immer ein voller Erfolg und eine besondere Atmosphäre im Rosengarten."
Genau deswegen hofft der Stadtmarketing-Chef aber, dass das „Rudelgucken“ in der Bergstadt in anderer Form weitergeht — in Kneipen, Biergärten oder einem Saal etwa. Kleiner, aber nicht weniger spannend und mitreißend. „Ein solches Angebot ist für jeden Gastronom und Veranstalter spannend. Ich würde mir wünschen, dass sich in dieser Richtung etwas ergibt“, sagt Nieland. „Das wäre eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten." Erste Signale in Richtung Public Viewing habe er zumindest schon vernommen.









