Sie sehen aus wie kleine, flauschige Nagetiere, geben Laute von sich und reagieren auf Streicheleinheiten: Im Seniorenzentrum Waldstadt Iserlohn (SWI) sind zwei ungewöhnliche Neuzugänge eingezogen. Die sogenannten Moflins verbinden Kuscheltier und künstliche Intelligenz. Künftig sollen sie die tiergestützten Therapieangebote ergänzen und den Bewohnern zusätzliche Möglichkeiten für Beschäftigung und emotionale Ansprache bieten.

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Streicheln und Sprechen prägen den Charakter

Möglich gemacht hat die Anschaffung der Moflins der Förderverein des Seniorenzentrums. Er spendierte die beiden KI-Begleiter, die jeweils rund 400 Euro kosten. 

Die Moflins reagieren auf Berührungen, Stimmen und ihre Umgebung. Sie bewegen sich, geben unterschiedliche Laute von sich und setzen ihre ausdrucksstarken Augen ein, um Emotionen zu vermitteln. Durch regelmäßige Interaktionen entwickeln sie über einen Zeitraum von etwa 50 Tagen eine individuelle Persönlichkeit. Je nachdem, wie Menschen mit ihnen umgehen, können sie beispielsweise lebhafter, ruhiger oder zurückhaltender wirken.

Auch technisch haben die kleinen Begleiter einiges zu bieten: Über eine Smartphone-App lassen sich unter anderem die Lautstärke und der Akkustand kontrollieren. Ein Interaktionstagebuch dokumentiert zudem die Entwicklung der künstlichen Gefährten.

Nähe ohne Tierhaare und Futter

Die Stadt Iserlohn sieht in den flauschigen Neuzugängen eine innovative Ergänzung für den Pflegealltag. Im Seniorenzentrum sollen die Moflins künftig die bestehenden Therapieangebote ergänzen. Denn der Umgang mit einem tierähnlichen Wesen könne Zuwendung, Beschäftigung und emotionale Ansprache ermöglichen: „Gerade für Menschen, die Freude an Tieren haben, aber aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen keinen direkten Kontakt zu ihnen haben können, ist das Konzept interessant“, so die Stadt Iserlohn.

Ein weiterer Vorteil: Die „Moflins“ benötigen weder Futter noch Pflege im klassischen Sinne. Fragen zu Tierhaarallergien, tierischen Ausscheidungen oder dem Stress, den echte Tiere durch ungewohnte Situationen erleben können, stellen sich bei ihnen nicht: Sie sind durchweg pflegeleicht und stubenrein.

Kein Ersatz für „echte“ Kontakte

„Natürlich ersetzen die kleinen KI-Begleiter keine echten Tiere oder den persönlichen Kontakt zu Pflegekräften und Mitmenschen“, betont die Stadt Iserlohn. „Sie sollen vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Nähe, Beschäftigung und positive Erlebnisse in den Alltag zu bringen.“

Nach Angaben des Herstellers Casio sind die Moflins seit dem 19. Oktober erstmals in Deutschland erhältlich: „Das SWI gehört damit zu den Einrichtungen, die sich früh mit dieser neuen Form KI-gestützter Begleitung beschäftigen“, betont die Stadt. Ob sich die beiden flauschigen Mitbewohner zu kleinen Stimmungskanonen, ruhigen Kuschelpartnern oder eher schüchternen Charakteren entwickeln, werde sich in den kommenden Wochen zeigen: „Fest steht: Die beiden haben schon bei ihrer Ankunft einiges an Neugier geweckt – und dürften künftig für den einen oder anderen besonderen Moment im SWI sorgen.“