Das Gackern der Hühner ist mitten in der Stadt ein ungewohnter Ton. Dass es von einem Kindergartengelände kommt, ist noch ungewöhnlicher. In der Kita Abenteuerland sind aktuell gleich vier Hühner zu Gast. "Tiergestützte Pädagogik" nennt Einrichtungsleiterin Raphaela Kettler die Arbeit mit den gefiederten Bewohnern am Büscherweg.

Für insgesamt zwei Wochen sind die Hühner auf dem Außengelände der Kita Abenteuerland eingezogen. Angekommen sind sie am Montagabend, 13. April, in einem großen Anhänger. In diesem hatten sie ihren eigenen Stall, Futter- und Wasserspender sowie einen Zaun dabei. Die Hühner kommen von einem Bio-Bauernhof in Kirchhundem.

Mit dem Zaun wurde den Hühnern auf dem Außengelände ein eigenes Gehege errichtet. In kleinen Gruppen und unter Aufsicht dürfen die Kinder auch zu den Tieren ins Gehege. Wenn die Hühner zu den Kindern kommen, dürfen diese sie streicheln. Hinter den Hühnern herzulaufen ist streng verboten.

Tierwohl steht im Fokus

"Es geht darum, für den Umgang mit Lebenswesen zu sensibilisieren", erklärt Kettler. Sie hat das Projekt federführend vorbereitet und achtet auch auf das Tierwohl. Rund ein Jahr ist seit den ersten Ideen vergangen, zum Jahreswechsel wurden die Planungen dann konkret. "Das ist nichts, was man von heute auf morgen macht", betont sie im Gespräch mit LokalDirekt.

"Wir haben in den vergangenen drei Wochen begonnen, uns locker einzustimmen. Nach Ostern haben die Kinder dann die Tage runtergezählt", sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Dass sich die Kinder auch in den vergangenen Wochen schon mit dem Thema befasst haben, wird bereits beim ersten Blick ins Kita-Gebäude sichtbar: Überall hängen selbstgebastelte Hühner von den Decken und Wänden. Dazu kam passende Musik und eine theoretische Vorbereitung auf die Hühnerhaltung.

Denn in die Versorgung der Tiere werden die Kinder aktiv eingebunden. Nicht nur zu den üblichen Kita-Zeiten, in denen die Kinder zum Beispiel die frisch gelegten Eier einsammeln oder sich um das Futter kümmern, auch Abends und am Wochenende müssen die Tiere versorgt werden. Aus diesem Grund haben sich einige Kinder gemeinsam mit ihren Eltern als Hühnerpaten gemeldet. Sie übernehmen die Pflege der Tiere in den Zeiten, in denen sonst niemand in der Kita ist. "Wir profitieren davon, dass manche Eltern auch Hühner halten", freut sich Kettler.

Am Ende der Aktion befassen sich die Kinder noch auf eine weitere Weise mit den Tieren: Dann werden die Eier, die im Aktionszeitraum im Kindergarten gelegt wurden, zu Kuchen oder Rührei verarbeitet und gemeinsam gegessen. Die Tiere werden wieder von ihrem Besitzer abgeholt und bekommen danach erst einmal Ruhe, so Kettler.

Wiederholung von den Kindern gewünscht

Im vergangenen Jahr fand bereits die Aktion "Von der Raupe zum Schmetterling" statt und auch im kommenden Jahr soll ein ähnliches Highlight folgen. Ein Kind, so berichtet die Einrichtungsleiterin lachend, hat bereits gefragt, wann die Pferde kommen. Vermutlich werden es aber kleinere Tiere – nicht nur aus logistischen, sondern auch aus Sicherheitsgründen. "Ich finde tiergestützte Pädagogik einfach super. Die Kombination mit Tieren und Kindern funktioniert gut", resümiert sie am Ende.

Die Kita Abenteuerland ist die älteste Kita in Kierspe. In zwei Gruppen finden 47 Kinder Platz, sie werden von acht Mitarbeitern und einer weiteren Auszubildenden betreut. Sie ist Teil des Trägerverbundes der evangelischen Kirche Sauerland-Hellweg. In einer der beiden Gruppen findet zudem die U3-Betreuung statt. Für diese wurden im vergangenen Jahr unter anderem die Sanitärräume aufwendig umgestaltet. Zahlreiche Investitionen sind nur mit Hilfe des Fördervereins möglich, weshalb sich die Einrichtung über Spenden freut. Das Spendenkonto mit der IBAN DE10 4585 1665 0008 0021 64 läuft auf den "Förderverein Kindergarten Abenteuerland e. V."