Riga gilt als das Auschwitz der westfälischen Juden. Im Wald von Bikernieki wurden Tausende von Erschießungskommandos des Nazi-Regimes hingerichtet. An ihr Schicksal erinnert eine Ausstellung des Riga-Komitees in Kooperation mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge im Bürgerforum des Rathauses. Sie ist noch bis zum 20. Mai zu sehen.

Die Ausstellung des Riga-Komitees wird ergänzt durch drei Rollups des Vereins Ge-Denk-Zellen „Altes Rathaus“. Sie zeichnen das Schicksal von Adolf Cohn sowie Moritz und Rosa Koopmann nach. Sie lebten zeitweise in Lüdenscheid und wurden am 28. April 1942 mit vielen anderen jüdischen Menschen nach Riga deportiert. Die meisten wurden ermordet. Als nachweisbar gelten folgende Opferzahlen: rund 20.000 Juden aus Lettland, Deutschland, Österreich und Tschechien, etwa 10.000 Kriegsgefangene sowie rund 5000 Widerstandskämpfer.

„Eine wichtige Ausstellung“, sagte Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in seinem Grußwort zur Eröffnung. Sie erinnere an ein dunkles Kapitel Stadtgeschichte. Die Opfer des NS-Regimes seien Nachbarn oder Arbeitskollegen gewesen, deren Namen nicht vergessen werden sollten. Deshalb sei Erinnern mehr als den Blick zurückzurichten. Er dankte dem Ge-Denk-Zellen Verein für diesen Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur. „Ohne Sie wäre diese Ausstellung jetzt nicht hier.“

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in Gespräch mit Jens Effkemann und Dr. Peter Altrogge.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Anschließend berichtete Jens Effkemann, Regionalgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Der gemeinnützige Verein widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, Kriegstote im Ausland zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen Er engagiert sich in der Erinnerungskultur und fördert die Begegnung und Bildung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten. 

Zu seinen Aufgaben zählt auch die Friedensarbeit, die die Vergangenheit beleuchtet und sie für nachfolgende Generationen erfahrbar macht.

Erst durch das Kriegsgräberabkommen von 1996 sei es möglich geworden, nach gefallenen Soldaten und Opfern von Deportation in der ehemaligen Sowjetunion zu suchen.

Das Riga-Komitee, ein Bündnis von zunächst 13 deutschen Städten, wurde am 23. Mai 2000 gegründet. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, an das Schicksal von über 25 000 größtenteils deutschen Juden zu erinnern, die in den Jahren 1941/42 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl im Wald von Bikernieki ermordet wurden. Dazu dienen unter anderem Jugendfreizeiten, Bildungsreisen nach Riga und die Wanderausstellung.

Inzwischen ist das Riga-Komitee auf 84 Städte gewachsen. Christian Bley, Vorsitzender des Vereins Ge-Denk-Zellen „Altes Rathaus“, deutete an, es sei perspektivisch nicht ausgeschlossen, dass Lüdenscheid dem Komitee beitreten könne. Er zitierte die Holocaust-Überlebende Tova Friedmann.  Sie hatte in ihrer Rede im Bundestag anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust gesagt: „Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Vergessen niemals neutral ist, sondern immer gefährlich.“

Eins der Rollups zeichnet das Schicksal von Adolf Cohen nach.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm.

Am Dienstag, 28. April, liest Lorenz Hemicker ab 19 Uhr aus seinem Buch: "Mein Großvater, der Täter - Eine Spurensuche." Der Großvater war als Bauingenieur zuvor tätig im Bauamt Lüdenscheid, verantwortlich für die Erstellung der Exekutionsgruben nahe Riga. Er wurde nach Kriegsende dafür nie zur Rechenschaft gezogen. 

Über die Kriegsverbrechen zwischen Köln und Lüdenscheid referieren Dr. Stefan Corssen (Wipperfürth) und Matthias Wagner am Dienstag, 12. Mai, um 18 Uhr. Unter den Opfern waren osteuropäische und westeuropäische Zwangsarbeiter sowie Juden. 

Einen Einblick in die Verbrechen der "Ordnungspolizei" gibt am Dienstag, 19. Mai, ab 18 Uhr Dr. Stefan Klemp (Dortmund). Sein Thema lautet „Polizei-Bataillone im Einsatz: Deportationen und Massenmorde“. 

Alle Veranstaltungen des Begleitprogrammes finden im Bürgerforum des Rathauses Lüdenscheid statt.