Gevelsberg. Mehr als 60 Gäste haben am Freitagabend, 11. September, in Gevelsberg über ein Thema gesprochen, das im Alltag häufig wenig Raum bekommt: Sterben, Tod und Trauer. Zu dem Gesprächsabend hatten die Landtagsabgeordnete Ina Blumenthal und das Hospiz Emmaus eingeladen. Gesprächspartner war der frühere SPD-Parteivorsitzende und Vizekanzler Franz Müntefering.
Persönliche Erfahrungen
Im Mittelpunkt stand nicht allein der Tod. Die Gesprächsrunde beschäftigte sich auch mit der Frage, wie der Umgang mit Abschied und der eigenen Endlichkeit das Leben und das gesellschaftliche Miteinander beeinflusst.
Müntefering berichtete offen von eigenen Erfahrungen mit dem Tod. Er sprach über das Sterben seiner Mutter und den Abschied von seiner Frau Ankepetra. Dabei beschrieb er das Sterben nicht als Gegensatz zum Leben, sondern als Teil davon. Daraus leitete er die Bedeutung ab, das eigene Leben bewusst zu gestalten und zu feiern.
„Franz Müntefering hat aus seinen persönlichen Erfahrungen heraus für etwas geworben, das einfach klingt und doch schwer zu leben ist: das Leben zu feiern, weil es, bei allem Schweren, ein tolles Leben ist“, sagte Blumenthal.
Ein Netz, das im Ernstfall trägt
Eine zentrale Botschaft des Abends drehte sich auch um die Bedeutung menschlicher Beziehungen. „Man muss sich ein Netz aus Menschen knüpfen, denen man im Zweifel sagen kann: Ich brauche Hilfe und die dann auch da sind“, sagte Müntefering.
Damit rückte auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen rechtzeitig Vorsorge für schwierige Lebenssituationen treffen können. Dabei ging es nicht nur um rechtliche oder organisatorische Regelungen, sondern vor allem um verlässliche Beziehungen und gegenseitige Unterstützung.
Die Kooperation mit dem Hospiz Emmaus brachte zudem die Perspektive der täglichen Hospizarbeit in das Gespräch ein. Dr. Tabea Esch und Bernadette Makolla vom Hospiz Emmaus beteiligten sich ebenfalls an der Runde. Die Hospizarbeit verdeutliche, welche Bedeutung menschliche Nähe, Zeit und Begleitung für Menschen in schwierigen Lebensphasen haben: „Auch am Lebensende spielen Lebensqualität, Würde und Gemeinschaft eine wichtige Rolle.“
Austausch über Generationen hinweg
Neben persönlichen Erfahrungen ging es auch um den Austausch zwischen unterschiedlichen Generationen und Lebensphasen. Die Gäste konnten eigene Fragen, Gedanken und Erfahrungen in das offene Gespräch einbringen.
Für Blumenthal zeigte der Abend, welchen Wert gesellschaftliche Begegnungen jenseits der aktuellen Tagespolitik haben können. „Was von diesem Abend bleibt, ist für mich eine Art Auftrag: das eigene Leben nicht auf später zu verschieben, Nähe zu wagen, Dankbarkeit zuzulassen und sich rechtzeitig ein Netz aus Menschen zu knüpfen, das trägt, wenn es darauf ankommt“, sagte sie.
Der Titel von Münteferings jüngstem Buch „Nimm das Leben, wie es ist. Aber lass es nicht so.“ habe dabei zugleich als Leitgedanke zu dem Gesprächsabend gepasst.
Vorsorge und Zusammenhalt
Mit 86 Jahren blickte Müntefering auch auf die Erfahrungen seines langen politischen Lebens zurück. Im Gespräch ging es zudem um die Frage, wie Menschen rechtzeitig für das Lebensende vorsorgen können. Dabei spielte neben rechtlichen und organisatorischen Fragen vor allem der zwischenmenschliche Umgang eine Rolle.
Auch für Blumenthal stand am Ende die Verbindung zwischen dem Bewusstsein für die Endlichkeit und der Wertschätzung des Lebens im Mittelpunkt: „Wir haben über das Sterben gesprochen. Und gerade deshalb war es einer der lebendigsten Abende, an die ich mich erinnern kann.“ Sie dankte dem Hospiz Emmaus für die Zusammenarbeit sowie den Gästen für ihre Fragen und persönlichen Beiträge. „Der offene Austausch und die vielen persönlichen Gespräche haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, miteinander im Gespräch zu bleiben“, sagte sie.









