Ein Gespräch, ein kleiner Einkauf im Kiosk oder einfach nur ein offenes Ohr: Die Grünen Damen und Herren am Klinikum Lüdenscheid übernehmen Aufgaben, die im hektischen Krankenhausalltag oft zu kurz kommen. Seit Jahrzehnten engagieren sich Ehrenamtliche für Patienten — und suchen nun dringend Verstärkung.

Von persönlichen Erfahrungen zum Ehrenamt

Carola Bohe ist seit 20 Jahren bei den Grünen Damen aktiv, ihre Kollegin Christiane Krabbe sogar seit 32 Jahren. Beide wissen aus Erfahrung, wie wichtig menschliche Nähe für Menschen im Krankenhaus sein kann.

Für Carola Bohe begann das Ehrenamt nach einem persönlichen Schicksalsschlag. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter beschäftigte sie sich zunächst mit Sterbebegleitung. Über eine Bekannte kam sie schließlich zu den Grünen Damen.

Christiane Krabbe wurde damals durch eine Zeitungsanzeige auf die ehrenamtliche Tätigkeit aufmerksam. Heute leitet sie die Gruppe seit rund 15 Jahren. Was einst mit Neugier begann, ist längst zu einer festen Aufgabe geworden.

Mehr als kleine Besorgungen

„Wir machen Besuchsdienst“, erklärt Bohe. „Wir besuchen die Patienten, fragen nach ihren Wünschen und bieten an, kleine Besorgungen zu machen.“ Dazu gehören Einkäufe am Kiosk, Hilfe bei Telefonkarten oder das Ausleihen von Büchern. Vor allem aber gehe es um Gespräche: „Die wichtigste Aufgabe ist, für die Patienten da zu sein“, sagt Bohe. „Ein Gespräch zwingen wir aber niemandem auf.“

Jede Grüne Dame betreut feste Stationen und besucht dort regelmäßig die Patienten. Manche Patienten möchten einfach erzählen, andere brauchen Unterstützung bei kleinen Alltagsproblemen während ihres Klinikaufenthalts — und oft entstehen dabei aus kurzen Besuchen längere Gespräche.

Die intensivste Zeit: Corona

Besonders prägend war für Christiane Krabbe die Corona-Pandemie. Während Angehörige das Krankenhaus nicht betreten durften, gehörten die Grünen Damen zu den wenigen Menschen, die weiterhin Kontakt zu den Patienten hatten. Mit Tablets ermöglichten sie Videotelefonate mit Familienmitgliedern und wurden für viele Erkrankte zur einzigen Verbindung nach außen. „Das war die intensivste und demütigste Zeit, die ich je erlebt habe“, erinnert sich Krabbe. Patienten hätten sie nach dem Leben außerhalb der Klinik gefragt, wollten wissen, was in der Stadt passiert oder ob der Weihnachtsbaum wieder auf dem Rathausplatz stehen würde. "Für viele waren diese Gespräche ein Stück Normalität in einer außergewöhnlichen Situation."

Zwischen Nähe und Abschied

Die Arbeit bringt jedoch auch emotionale Herausforderungen mit sich. Die Ehrenamtlichen erleben schwere Krankheitsverläufe und manchmal auch Abschiede. Krabbe erinnert sich an einen Patienten, der sehr offen über seinen bevorstehenden Tod sprach und seine letzten Angelegenheiten bereits geregelt hatte. Wenige Tage später las sie seine Todesanzeige. „Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt sie. Besonders die Klarheit und Ruhe, mit der der Mann seine Situation angenommen habe, seien ihr bis heute in Erinnerung geblieben.

Um solche Erlebnisse zu verarbeiten, treffen sich die Grünen Damen regelmäßig zum Austausch. Zudem stehen ihnen die Krankenhausseelsorger als Ansprechpartner zur Verfügung. „Man muss lernen, die Erlebnisse im Krankenhaus zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen“, erklärt Carola Bohe.

Zeit, die Pflegekräfte oft nicht haben

Pflegerische oder medizinische Aufgaben übernehmen die Grünen Damen nicht. Ihre Rolle liegt an anderer Stelle: „Wir sind ein bisschen fürs Grobe zuständig“, sagt Krabbe mit einem Lächeln. Doch genau diese Unterstützung entlaste das Krankenhauspersonal spürbar. Denn während Pflegekräfte und Ärzte häufig unter hohem Zeitdruck arbeiten, können sich die Ehrenamtlichen die Zeit für Gespräche nehmen. Gerade diesen menschlichen Kontakt würden viele Patienten besonders schätzen.

Die Arbeit selbst habe sich in den vergangenen Jahren ein bisschen verändert, erklären die beiden Grünen Damen. Durch kürzere Krankenhausaufenthalte würden die Ehrenamtlichen viele Patienten nur noch für wenige Tage kennenlernen. Gleichzeitig nutzten Patienten klassische Angebote wie die Krankenhausbibliothek deutlich seltener: Wo früher rund 2000 Bücher pro Jahr ausgeliehen wurden, sind es heute nur noch etwa 170.

Ehrenamtliche Unterstützung dringend gesucht

Derzeit engagieren sich rund 20 Grüne Damen und Herren am Klinikum Lüdenscheid. Doch die Zahl reicht nicht mehr aus, um alle Stationen so regelmäßig zu betreuen, wie es wünschenswert wäre — und Nachwuchs zu finden, wird zunehmend schwieriger.

Die Grünen Damen suchen Menschen, die Zeit mitbringen, zuverlässig sind und Freude am Umgang mit anderen haben. Medizinische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wichtig ist vor allem die Fähigkeit zuzuhören und auch mit schwierigen Situationen umgehen zu können. "Unsere erfahrenen Ehrenamtlichen begleiten neue Interessierte sorgfältig und gehen zunächst gemeinsam mit ihnen auf die Stationen", erklären Carola Bohe und Christiane Krabbe.

Wer sich für ein Ehrenamt bei den Grünen Damen und Herren interessiert, kann sich beim Klinikum Lüdenscheid per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter der Rufnummer 02351/46-2420 melden und erhält dort weitere Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten.