„Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich so alt geworden bin.“ Mit diesen Worten blickt Emmi Seifert auf ein Jahrhundert Lebensgeschichte zurück. Die gebürtige Hessin feierte am Freitag, 7. August, ihren 100. Geburtstag im Pflegeheim der Johanniter in Lüdenscheid. An ihrer Seite: ihre Familie, der Landrat, der stellvertretende Bürgermeister und zahlreiche Gratulanten.

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Ein Jahrhundert — das bedeutet für Emmi Seifert vor allem eines: viele Erinnerungen. Geboren und aufgewachsen ist sie bei Butzbach, in einem kleinen Ort mit damals etwa 600 bis 800 Einwohnern. Ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von Arbeit und den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkriegs.

„Krieg habe ich erlebt und mitgemacht“, erzählt Seifert. Viel Schweres habe sie erlebt, aber auch Schönes. Manche Erinnerungen seien bis heute ganz präsent. Über einzelne Erlebnisse während des Krieges möchte sie allerdings nicht sprechen. „Ich will das nicht erzählen, dann fange ich wieder an zu weinen“, sagt sie.

Trotz aller schwierigen Erfahrungen blickt die 100-Jährige mit großer Dankbarkeit auf ihr Leben. Besonders stolz ist sie darauf, noch vieles selbst erledigen zu können. Auch ihr Zimmer im Johanniter-Pflegeheim hält sie gerne selbst in Ordnung. „Ich bin wirklich ganz dankbar, dass ich alles, was ich machen kann, auch noch selber mache.“

Von Hessen nach Lüdenscheid

Nach Lüdenscheid kam Seifert durch ihren Mann. Er war Professor an der Ruhr-Universität und brachte sie schließlich in die Bergstadt. Hier hat sie einen großen Teil ihres Lebens verbracht.

Ihre Einstellung zum Leben habe sie bereits früh geprägt: "Schon als Kind wurde einfach mit angepackt", erinnert sie sich. Auch später habe sie immer gearbeitet. Ein klassisches Hobby habe sie deshalb eigentlich nicht gehabt. Auf die Frage, was sie besonders gerne gemacht habe, antwortet sie schlicht: „Helfen.“

Emmi Seifert arbeitete unter anderem in der Metzgerei ihres Vaters und übernahm dort die gesamte Buchführung, packte aber auch als Gesellin im Fleischer-Handwerk mit an. Ihre Lebensphilosophie fasst sie mit einfachen Worten zusammen: „Was man gerne tut, das geht auch meist so gut.“

Eine junge Frau in Schürze und Kopftuch steht neben einem vertikal aufgehängten, geschlachteten Tierkörper.
Als Gesellin im Fleischer-Handwerk arbeitete Emmi Seifert in der Metzgerei ihres Vaters.
Foto: Privat

Eine Runde auf zwei Rädern

Die Erinnerungen der lebensfrohen Seniorin sind gefüllt mit außergewöhnlichen Geschichten. Eine davon hat mit einem Zweirad zu tun: Vor ungefähr 30 Jahren besuchte sie ein Bekannter auf seinem Motorrad, einer 500er BMW. Emmi Seifert schnappte sich kurzerhand die Schlüssel und fuhr eine Runde auf dem Oenekinger Weg. Ohne Helm – und das mit 70 Jahren, wohlgemerkt. „Wer setzte denn einen Helm auf?“, fragt sie lachend und fügt hinzu: „Das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen.“

Diese Geschichte zeigt eine besondere Seite der 100-Jährigen: lebensfroh, neugierig und bereit, auch im höheren Alter noch etwas Neues auszuprobieren.

Die Familie ist das größte Geschenk

Fragt man Emmi Seifert, was sie sich zum 100. Geburtstag wünsche, braucht sie nicht lange nachzudenken — materielle Geschenke spielen für sie keine große Rolle: „Meine Kinder sind da, sind gesund. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar“, sagt sie. Auch ihre drei Enkelkinder sind zu ihrem Ehrentag dabei. Dass die Familie zusammenkommt, bedeutet ihr besonders viel: „Das ist das schönste Geschenk für mich“, sagt Seifert.

Emmi Seifert lacht gemeinsam mit Ralf Schwarzkopf und Christoph Weiland vor großen goldenen Luftballons, die die Zahl 100 bilden.
Emmi Seifert (Mitte) feiert ihren 100. Geburtstag im Johanniter Seniorenzentrum. Landrat Ralf Schwarzkopf (links) und Christoph Weiland (rechts) kamen zum Gratulieren.
Foto: Hösterey

Vielleicht passt kein Satz besser zu ihrer Lebensgeschichte als ein Rat, den sie selbst als junges Mädchen von ihrer Großmutter bekam. Wenn sie als 14-Jährige keine Lust hatte, im Dunkeln noch in die Scheune zu gehen, um Holz zu holen, habe ihre Großmutter gesagt: „Kind, man muss nur wollen.“

Ein Satz, der bei Emmi Seifert offenbar hängen geblieben ist. Ein Jahrhundert später lebt sie noch immer nach dieser Haltung — mit Dankbarkeit für das Erlebte, mit Freude an ihrer Familie und mit dem Gefühl, dass jeder Tag ein Geschenk ist.

Zum 100. Geburtstag gratulierten neben der Familie auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid, Christoph Weiland, sowie Landrat Ralf Schwarzkopf. Gemeinsam würdigten sie mit ihrem Besuch Emmi Seiferts außergewöhnlichen Lebensweg und ihren besonderen Geburtstag.