Manchmal liegt das Gute tatsächlich ganz nah. Das erlebte jetzt die Herscheider Senioren-Union bei ihrer Tagesfahrt in die sauerländische Hansestadt Brilon. Gerade einmal eine gute Stunde Busfahrt trennte die 42 Teilnehmer aus Herscheid und Plettenberg von einer Stadt, die mit Geschichte, Gastfreundschaft und bemerkenswerter Lebendigkeit überraschte.
Dass Brilon die Geburtsstadt von Bundeskanzler Friedrich Merz ist, geriet dabei fast zur Randnotiz. Zwar steht das Elternhaus des Kanzlers unweit des Marktplatzes und zieht neugierige Besucher an, doch die Stadt hat den Gästen weit mehr zu bieten.
Brilon befindet sich in diesem Jahr gleich aus mehreren Gründen im Feiermodus. Schon bei der Ankunft fielen die blau-weißen Fahnen und Girlanden der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft ins Auge – sichtbare Spuren des Schützenfestes. Hinzu kommt das sogenannte Schnadejahr, das nur alle zwei Jahre gefeiert wird. Seit rund 650 Jahren ziehen dabei Tausende Poalbürger entlang der Stadtgrenzen und bekennen sich symbolisch zu ihrer Heimat. Außerdem feiert die Stadt das 100-jährige Jubiläum der Erhebung der Pfarrkirche St. Petrus und Andreas zur Probsteikirche durch Papst Pius XI.
Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Dr. Christof Bartsch
Erster Anlaufpunkt war der historische Marktplatz mit dem imposanten Rathaus, das als eines der ältesten Deutschlands gilt. Bürgermeister Dr. Christof Bartsch begrüßte die Reisegruppe persönlich und nahm sie mit auf eine spannende Zeitreise durch mehr als 800 Jahre Stadtgeschichte. Ursprünglich als Gildehaus der Hanse errichtet, diente das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte unter anderem als Gericht, Gefängnis, Schule und Krankenhaus, bevor es zum Rathaus wurde.
Besonders bewegend wurde es, als Bartsch an den 28. März 1945 erinnerte. Damals hisste das Rathaus die weiße Fahne und bewahrte Brilon vor weiteren Zerstörungen durch die anrückenden amerikanischen Truppen. Bereits Wochen zuvor hatte ein Bombenangriff 39 Menschen das Leben gekostet – überwiegend Frauen und Kinder.
Der Bürgermeister stellte Brilon zugleich als wirtschaftlich starke Stadt vor. Sieben Weltmarktführer haben hier ihren Sitz, in guten Jahren fließen bis zu 38 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Gleichzeitig verschwieg Bartsch die Herausforderungen nicht: Der Borkenkäfer hat große Teile des städtischen Waldes zerstört, und auch der kommunale Haushalt steht mit einem Millionenloch unter Druck. Dennoch beeindruckte die gepflegte Innenstadt die Besucher aus Herscheid nachhaltig.
Für eine besondere Überraschung sorgte Schützenkönigin Doris Tilly. Trotz hörbar strapazierter Stimme ließ sie es sich nicht nehmen, die Gäste im Rathaus herzlich willkommen zu heißen – ein sympathischer Beleg dafür, wie intensiv in Brilon gefeiert wird.
Anschließend führte Stadtführer Klaus Götte die Gruppe im traditionellen Schnadekittel durch die Altstadt. Er erzählte von der ersten Erwähnung Brilons im Jahr 939, der Stadtgründung, den Hansezeiten und der jahrhundertealten Schnadetradition. Am Schnadebrunnen wurde die Geschichte dieser bis heute lebendigen Grenzbegehung anschaulich.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Probsteikirche St. Petrus und Andreas. Küster Willi Steffen stellte den Gästen das mehr als 1000 Jahre alte Pankratiuskreuz vor und erläuterte dessen bewegte Geschichte. Auch die Auswirkungen des Bombenangriffs von 1945 sowie zahlreiche kunsthistorische Details der Kirche wurden dabei lebendig vermittelt.
Dank an Monika Wiegelmann für die akribische Ausarbeitung des Ausflugs
Zum Dank für den informativen Empfang überreichte der Vorsitzende der Herscheider Senioren-Union, Wolfgang Weyland, Bürgermeister Bartsch ein Präsent mit den beliebten Herscheider Bergspitzen. Ein weiteres Geschenk erhielt Monika Wiegelmann, die vielen Herscheidern noch aus ihrer Zeit als Lokaljournalistin bekannt ist. Sie lebt inzwischen wieder in Brilon und hatte das Tagesprogramm mit großer Sorgfalt vorbereitet sowie die Reisegruppe gemeinsam mit Karl-Otto Wiegelmann begleitet.
Auch kulinarisch hatte der Ausflug einiges zu bieten. Das Mittagessen wurde in der Destillerie 1113 im Briloner Ortsteil Nehden serviert. Im historischen Kellergewölbe standen regionale Spezialitäten, selbst gebrautes Bier und Obstbrände auf der Karte. Den gemütlichen Abschluss bildete das Kaffeetrinken auf der Terrasse des Golfclubs Brilon mit weitem Blick über das Sauerland, bevor der Bus die Heimreise nach Herscheid antrat.
Die nächste Tagesfahrt der Herscheider Senioren-Union ist bereits geplant. Am 26. August geht es nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort wollen sich die Teilnehmer unter anderem ein Bild vom Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe machen.
Eine Bildergalerie zur Fahrt ist auf der Internetseite der Senioren-Union Herscheid unter www.seniorenunion-herscheid.de im Bereich Aktuelles zu finden.










