In einem Impulsreferat machte Montgomery deutlich, dass sich in Zukunft drei Dinge ändern müssen, um auch weiterhin eine gute medizinische Versorgung im breiten Stil sicherzustellen. Dazu gehören seiner Meinung nach neben der Rückverlagerung der Produktion essenzieller Medikamente wieder nach Europa eine deutliche Attraktivitätssteigerung des Medizinberufs, vor allem, was die Arbeitszeiten angehe. „Als ich Ende der 1970er-Jahre meinen ersten Job im Krankenhaus angetreten habe, war es normal 80 bis 100 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das will heute keiner der jungen Mediziner mehr, was auch verständlich ist“, so Montgomery. Hier könnten sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) eine Alternative sein, die die Mediziner auch von bürokratischen Aufgaben entlasten würden. Zudem sei eine Krankenhausreform dringend erforderlich. „Ob die von Herrn Lauterbach geplante Reform allerdings wirklich sinnvoll ist, darüber kann man streiten“, merkte der Ärztevertreter kritisch an.
Mit dem Vorschlag, pharmazeutische Produkte wieder verstärkt in Europa herzustellen, rannte Montgomery bei Peter Liese offene Türen ein: „Wir brauchen dringend eine Liste der wichtigsten Wirkstoffe, die künftig in Europa produziert und auch vorgehalten werden müssen“, so der Europaabgeordnete. Vorschriften alleine würden aber das Problem nicht lösen. „Bei unseren Neujahrswünschen sagen wir immer: Hauptsache Gesundheit. In der Gesundheitspolitik hieß es in den vergangenen Jahren aber immer: Hauptsache billig.“ Eine bessere Vergütung für Medikamente, deren Patentschutz ausgelaufen sei, könne einen ökonomischen Anreiz schaffen, den Markt besser zu versorgen, so Liese.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Liese und Montgomery das Problem eher aus einer globalen und strukturellen Sicht betrachten. „Ich habe den Eindruck, dass die Politik unsere Probleme im ländlichen Raum nicht versteht“, machte die Apothekerin Christiane Karge ihrem Ärger Luft. Bevor man über strukturelle Dinge rede, sollte man erst einmal die ganz konkreten Hindernisse vor Ort beseitigen. Im Kern gehe es um eine bürokratische Überregulierung der Präsenzapotheken im Gegensatz zu Versandapotheken, die teils nicht verständliche Abrechungspraxis der Krankenkassen zu Lasten der Apotheken und viele praktische Probleme bei der Einführung des elektronischen Rezeptes, wo neben technischen Herausforderungen auch abrechnungsrechtliche Vorgaben eine kundenfreundliche Umsetzung vielfach unmöglich machten.
„Wir wollten in den Austausch mit den ortsansässigen Ärzten und Apothekern kommen – das haben wir größtenteils geschafft“ resümiert der CDU Standverbandsvorsitzende Holger Scheel im Anschluss an den Themenabend. „Die uns ganz konkret geschilderten Probleme und Herausforderungen haben wir aufgenommen. Gemeinsam mit unseren Abgeordneten Ralf Schwarzkopf (Land) und Florian Müller (Bund) möchten wir nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Was uns vor Ort geschildert wird, muss auch in die oberen politischen Etagen weitergetragen werden. Wir bleiben dran“, so Scheel abschließend.









