In den kommenden Jahren könnten in der Gemeinde neun neue Windkraftanlagen entstehen. Am Dienstag, 24. Februar, fand eine erste Ortsbesichtigung möglicher Standorte seitens Politik und Verwaltung statt. Die Gelegenheit für einen Blick ins Windrad und eine Rundfahrt mit dem Kleinbus durch den Wald gab es obendrein.

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"Der Abstand zu den nächsten Anliegern beträgt mindestens die doppelte Höhe des Windrads - also rund 300 Meter", erklärt Heiko Cordt von Naturstrom Veserde bei der Ortsbesichtigung. Diese findet in Veserde statt, in einem Waldstück unweit des Schlosshotels Holzrichter.

Erste Weichen wurden für die möglichen neuen Anlagen bereits gestellt - so liegt laut Heiko Cordt das erforderliche Artengutachten mittlerweile vor. In den Wäldern rund um Nachrodt-Wiblingwerde leben unter anderem Fledermäuse, Schwarzstorche und Schwarze Milane.

Re-Powering von zwei bestehenden Anlagen

Anschließend steuert Heiko Cordt den Kleinbus zu den bereits bestehenden Windkraftanlagen in Veserde, die nun re-powert werden sollen. Die Elektronikteile, die in Nachrodt ausgetauscht werden, sollen anschließend beispielsweise an Windkraftanlagen in Malaysia wiederverwertet werden.

Bis zu neun neue Windräder könnten entstehen

In Summe könnten in den nächsten Jahren bis zu neun neue Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet entstehen. Ursprünglich lagen vier Projektideen mit insgesamt 14 möglichen Windrädern auf dem Tisch. Inzwischen hat ein Investor sein Vorhaben zurückgezogen, außerdem wurde ein weiteres Projekt verkleinert. Somit stehen aktuell noch neun Anlagen im Raum.

Warum überhaupt neue Windräder?

Hintergrund sind veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen. Bund und Land haben den Ausbau der Windenergie deutlich beschleunigt. Die Bundesländer sind verpflichtet, Flächen für Windkraft auszuweisen. Für die Planungsregion Arnsberg wurde ein konkreter Flächenbeitragswert festgelegt, der erreicht werden muss.

Der Regionalplan weist für Nachrodt-Wiblingwerde bereits einen Windenergieplan aus, in dem sich die bestehenden Anlagen in Veserde befinden. Darüber hinaus können Kommunen im Rahmen einer sogenannten Positivplanung zusätzliche Flächen ausweisen. Diese Möglichkeit ist allerdings zeitlich befristet.

Heißt: Die Gemeinde kann steuern, wo Windräder entstehen könnten - muss sich aber grundsätzlich mit dem Thema befassen.

Welche Projekte sind konkret im Gespräch?

Vier Investoren hatten ihre Ideen zunächst nicht-öffentlich vorgestellt. Dabei ging es unter anderem um einen Windpark im südlichen Gemeindegebiet nahe der Grenze zu Altena - dieses wurde jedoch zwischenzeitlich zurückgezogen.

Außerdem ging es um ein Direktbelieferungskonzept der Walzwerke Einsal, gemeinsam mit einem Energieunternehmen - ursprünglich waren vier Anlagen geplant, die Anzahl wurde jedoch mittlerweile auf zwei reduziert.

Weitere mögliche Standorte befinden sich unter anderem westlich von Herlsen und Wörden.

Die Investoren müssten sämtliche Planungskosten selbst tragen. Die Gemeinde entscheidet zunächst nur darüber, ob sie die jeweiligen Standorte grundsätzlich unterstützt.

Warum wurde noch nichts entschieden?

Der Bau- und Planungsausschuss hatte das Thema zunächst von der Tagesordnung genommen. Politik und Verwaltung wollen sich die möglichen Standort im ersten Schritt gemeinsam vor Ort ansehen, bevor in den Gremien intensiv beraten wird.

Die Entscheidung gilt als weitreichend, da Windräder das Ortsbild dauerhaft verändern können. Gleichzeitig spielen wirtschaftliche und energiepolitische Aspekte eine Rolle.

Was bringt das der Gemeinde?

Standortgemeinden können nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz finanziell beteiligt werden. Betreiber dürfen Kommunen um Umkreis von 2,5 Kilometern 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde anbieten, hinzu kommen mögliche Gewerbesteuereinnahmen.

Wie geht es weiter?

Aktuell handelt es sich lediglich um Planungen. Bevor ein Windrad gebaut werden kann, wären umfangreiche Genehmigungsverfahren erforderlich. Eine erste öffentliche Diskussion ist frühestens im März vorgesehen.

Zuvor wollen Verwaltung und Politik die möglichen Standorte gemeinsam besichtigen und prüfen, ob einzelne Anlagen etwa eine sogenannte "bedrängende Wirkung" auf Wohnbebauung entfalten könnten.

Besprechungen in den Fraktionen sollen folgen

Die bei den Ortsbesichtigungen - eine weitere ist für den kommenden Dienstag, 3. März, geplant - gewonnenen Eindrücke sollen nun zunächst innerhalb der Fraktionen besprochen werden, ehe das Thema dann zurück auf die Tagesordnung des Bau- und Planungsausschusses genommen werden könnte.