Gegen 15 Uhr erreichte Karl-Otto Knof mit Ehefrau und Freunden in einem DKW F7 aus dem Jahre 1938 das Bakelitmuseum in Kierspe. Der Oldtimersammlern aus Wülfrath verkauft dem Heimatverein ein altes DKW-Armaturenbrett (von einem F7). Das Armaturenbrett wurde in den 1930iger Jahren von der Kiersper Firma Dr. Deisting hergestellt – wie ein Stempel auf der Rückseite des Brettes beweist.





„Es ist mit die ‚größte‘ Investition, die der Heimatverein beim Bakelitmuseum gemacht hat“, bestätigt Kierspes Ortsheimatpfleger Ulrich Finke.
Wer einmal das hochinteressante Bakelitmuseum besucht hat, weiß um den vielfältigen Exponate, die aus dem „Stoff der tausend Dinge“ einst hergestellt wurden: Von Tauchsiederteilen und Lichtschaltern über die bekannten Telefonapparate zu Vorläufern von Tupper-Ware über Dosen und Eierbecher bis hin zu Schreibmaschinen. Bakelit wurde bereits 1907 von dem in die USA ausgewanderten belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland zum Patent angemeldet. Der duroplastische Kunststoff wird auf der Basis von Phenolharz hergestellt. Die besonderen Eigenschaften: stabil, hitzeresistent und isolier. Bakelit war übrigens der erste industriell produzierte Kunststoff, auf den sich auch die Firma Dr. Deisting in Kierspe spezialisiert hatte.






Ulrich Finke war es auch, der sich um eine Korrespondenz mit dem AUDI-Experten Thomas Erdmann bemüht hat und über ihn viel Wissenswertes erfahren hat: Die heutigen AUDI-Werke in Ingolstadt sind aus der Firma DKW (Dampf Kraft Wagen) hervorgegangen. Die Firma Dr. Deisting war in den 1930er Jahren einer der Hauptlieferanten für die DKW-Bakelit-Armaturenbretter der Auto Union. Dies betraf alle DKW Modelle von 1934 bis 1942: Die Frontantriebsmodelle F4, F5, F7 und F8 in den Ausführungen als Reichsklasse, Meisterklasse und Front-Luxus und die Heckantriebsmodelle Schwebeklasse und Sonderklasse von 1934 bis 1940. Nach 1945 lieferte Dr. Deisting die Bakelit-Armaturenbretter für den DKW F10 sowie Ersatzarmaturenbretter für die Vorkriegsmodelle.
Das neu erworbene Armaturenbrett gehört zu einem DKW F7. Um welche Ausführung es sich genau handelt („auf keinem Fall Reichsklasse, eher Meisterklasse“), muss noch genauer erforscht werden.
In der Ausstellung gibt es auch ein Armaturenbrett aus einem Goliath (dreirädriger Kleintransporter) zu sehen und direkt daneben eine Kunststoff-Armlehne zu der sich der Spezialisten aus Ingolstadt wie folgt äußerte: „Armlehnen mit Kunststoff-Unterteilen hat es bei DKW nach dem Krieg ab September 1955 gegeben. Diese wurden in großen Stückzahlen als Gleichteil in verschiedenen DKW-Modellen verbaut:
– Großer DKW 3=6, Typ F 93 Coupé und Limousine (1955 – 1959)
– Großer DKW 3=6, Typ F 94 viertürige Limousine und Kombi Universal (1955 – 1958)
– Auto Union 1000 Coupé de Luxe und viertürige Limousine (1957 – 1959)
– Auto Union 1000 Sp Coupé und Roadster (1958 – 1965)
– DKW Junior 750 (1959 – 1962)
Hersteller aller Teile: Dr Deisting, Kierspe.“











