Die SPD braucht eine klarere Führung. Außerdem muss sie ihre eigenen Themen und die Erfolge, die sie in den vergangenen Legislaturperioden erzielt hat, stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Beim offenen Austausch unter der Fragestellung „Quo vadis SPD?“ (Wohin gehst Du, SPD? Im Restaurant „Kater August“ am Kirchplatz ging es am Mittwoch zeitweise hart zur Sache.
Viele der rund 40 Mitglieder äußerten sich an diesem Abend genervt und enttäuscht von den miesen Umfragewerten, dem diffusen Bild, das die Führungsspitze abgibt und dem Verhalten der SPD als Koalitionspartner der CDU. Als Gesprächspartner in diesem offenen Veranstaltungsformat standen die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk und Fabian Ferber als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Märkischer Kreis zur Verfügung.
Richtige Erzählung und profilierte Köpfe fehlen
„Es fehlen einfach die richtige Erzählung und die profilierten Köpfe, die sie glaubhaft in die Öffentlichkeit bringen können“, klagte ein Versammlungsteilnehmer. Unterschiedliche Äußerungen von Lars Klingbeil und der Co-Vorsitzenden Bärbel Bas trügen nicht zu einem geschlossenen Bild bei. „Es fehlt der klare Kurs.“ „Wie lange sollen wir solche Gespräche noch führen“, sagte ein an diesem Abend sehr kritisch eingestellter Karl Heinz Blasweiler, „wenn wir immer nur die Antwort bekommen: Wir haben eben nicht die Mehrheit.“
„Wir müssen die Art und Weise unserer Veranstaltungen überdenken“, hatte Fabian Ferber bereits bei der gleichen Veranstaltung am Vortag in Iserlohn erklärt. „Man kann auch gut miteinander reden und andere Meinungen auch mal akzeptieren.“ Ferber, selbst Beisitzer im SPD-Bundesvorstand, beklagte die Diskussionskultur in Berlin. Endlose Gesprächsrunden statt konstruktiver Vorschläge und Ideen. Da klang auch der Unterbezirksvorsitzende frustriert.
„Die SPD beschäftigt sich mit vielen kleinen Dingen aber kaum mit echter Veränderung“, kritisierte ein Besucher aus Plettenberg, der erst kürzlich in die Partei eingetreten ist. „Weil ich etwas verändern will.“ Die meisten Menschen, so sein Gefühl, wollten eine „100-prozentige SPD-Politik“, sagte er. Die Replik von Fabian Ferber klang wenig ermutigend: „Ja, warum wählen sie uns dann nicht?“ sagte er.
Reformen: Begriff hat ein schlechtes Image
Mehr Zusammenhalt zeigen, sich gegenseitig stärken, offensiv Themen setzen, ehrlich sein und sich nicht immer mit der momentan schwachen Position entschuldigen, das könne der Weg sein, den die SPD gehen müsse. Sich ständig an der AfD aufzureiben, sei die falsche Lösung.
Manuel Bunge, Vorsitzender des DGB-Kreises Mark, forderte echte Reformen, die das Leben der Menschen verbesserten. „Wir müssen davon wegkommen, dass Reformen etwas Schlechtes anhaftet, weil es meistens darum geht, wo Leistungen des Staates stärker oder ein wenig schwächer geschliffen werden“, sagte er.
Dem Treffen im Restaurant „Kater August“ sollen weitere Zusammenkünfte in diesem offenen Veranstaltungsformat folgen. Ausdrücklich eingeladen sind auch alle, die nicht Mitglied der SPD sind.









