Interview.

Im vergangenen Kulturausschuss machte es die langjährige Kulturbeauftragte der Stadt Halver offiziell: 2029 soll ihr letztes Jahr als Planerin des städtischen Kulturprogramms sein. Bis zu ihrem Abschied stehen noch rund 80 Veranstaltungen auf dem Programm. Doch schon jetzt zieht Inge Zensen im Interview mit LokalDirekt eine erste Bilanz ihrer langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit.

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Kulturarbeit als Ehrenamt

Inge Zensen ist gebürtige Rheinländerin und lebt seit 1982 in Halver. Dort arbeitete sie bis zu ihrer Pensionierung an der damaligen Realschule. Durch ihr kommunalpolitisches Engagement und ihr kulturelles Interesse erfuhr sie frühzeitig vom bevorstehenden Ausscheiden des damaligen Kulturbeauftragten Erhard Fipper, der von 2000 bis 2009 das Kulturprogramm in Halver gestaltete. Zensen wagte den Schritt und übernahm 2010 das Ehrenamt, um die Halveraner Kulturszene zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Nach dem Kulturjahr 2029 soll damit Schluss sein. Dann möchte Zensen die Veranstaltungen nur noch als Zuschauerin genießen. Schon jetzt blickt sie im Interview mit LokalDirekt auf ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit zurück, spricht über die Veränderungen in der Halveraner Kulturlandschaft und schaut mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft.

LokalDirekt: Seit 2010 kümmern Sie sich ehrenamtlich um das Kulturprogramm der Stadt Halver. Erinnern Sie sich noch daran, wie damals alles angefangen hat?

Inge Zensen: Ich war gerne Besucherin der Veranstaltungen, die mein Kollege Werner Sinnwell im Rahmen der „Kult(uhr)“ und Erhard Fipper in der Reihe „Kultur Aktiv“ anboten. Während meiner Tätigkeit in der Kommunalpolitik erfuhr ich vom Ausscheiden des Kulturbeauftragten Erhard Fipper. Immer wieder wurde in den entsprechenden Gremien nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger gesucht. Das Kulturangebot drohte einzuschlafen.

In einem Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Bernd Eicker wagte ich schließlich den Sprung in das kalte Wasser. Allerdings sagte ich erst nach einem Treffen mit Werner Sinnwell, dessen Rat ich sehr schätzte, zu. Er hatte mich darin bestärkt und ermutigt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Hätten Sie zu Beginn gedacht, dass Sie diese Aufgabe einmal 20 Jahre lang übernehmen würden?

Ich hatte mir, wie meine beiden Vorgänger, zehn Jahre als Ziel gesetzt und gehofft, diese Zeit ansprechend füllen zu können.

Was hat sich in der Halveraner Kulturlandschaft besonders verändert?

Ein neuer Name: „Kulturzeit“, ein ansprechendes Programmheft, Werbung, auch über Facebook und Instagram, sowie ein vereinfachter und für die Kunden komfortablerer Kartenerwerb über Eventim. Das Grundgerüst mit sechs Abo-Veranstaltungen, Konzerten und Kinderstücken hatte sich bewährt und besteht bis heute. Neue Formate, wie das eigens für uns zusammengestellte Varieté, kamen hinzu. Einen großen Erfolg feiert alljährlich der kölsche Mitsingabend. Auch die Zusammenarbeit mit der Herpine wurde ausgebaut, beispielsweise durch die Italienische Nacht, den Frühschoppen und aktuell das Brings-Konzert. Hinzu kamen Straßentheater in der Stadt und im Rathauspark sowie Open-Air-Konzerte. Mehrere neue Spielstätten kamen hinzu: die Villa Wippermann, der Rathauspark, die Heesfelder Mühle, die Aula der Humboldtschule und zuletzt die Stage Hall im Denkhof. Auch die professionelle Bewirtung durch einen Koch und ehrenamtliche Helferinnen gehört dazu.

Gibt es eine Veranstaltung, die Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist? Und wenn ja, warum?

Viele Veranstaltungen, ob im kleinen Rahmen oder in größerem Umfang, sind für mich mit wertvollen Erinnerungen verbunden. Besonders groß war die Freude über die Verwirklichung meines Traums von buntem, skurrilem und mitreißendem Straßentheater in Form der „Runde um den Block“, bei der drei Tage lang die gesamte Innenstadt als Spielort genutzt wurde.

Unvergessen bleibt das einmalige Engagement der Halveraner. Einerseits wurden wir durch großzügige Spenden unterstützt, andererseits halfen rund 100 Personen ehrenamtlich mit. Das war eine gemeinschaftliche Leistung, die ihresgleichen sucht. Auch das Brings-Event bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung, liegt aber noch vor uns.

Was macht für Sie eine wirklich gelungene Kulturveranstaltung aus?

Wirklich gelungen ist eine Veranstaltung, wenn sie gut besucht ist und sowohl die Besucherinnen und Besucher als auch die Akteure vor Freude strahlend nach Hause gehen und für eine Weile Abstand vom Alltag nehmen konnten.

Wie viel Arbeit steckt hinter einem Kulturprogramm mit mehr als 20 Veranstaltungen im Jahr?

Dahinter steckt mehr Arbeit, als die Gäste wahrnehmen. Das soll sie aber auch gar nicht belasten. Allerdings habe ich das Glück, fast durchgängig von derselben kompetenten, sachverständigen und geduldigen Mitarbeiterin bei der Stadt unterstützt zu werden.

Was war in all den Jahren Ihre größte Motivation, immer wieder ein neues Kulturprogramm auf die Beine zu stellen?

Es machte mir Freude, immer wieder Ausschau nach neuen Angeboten zu halten, Shows zu sichten und Neues hinzuzufügen. Manches ergab sich auch durch die Kontakte, die sich im Laufe der Jahre aufgebaut haben.

Wie schwer wird es Ihnen fallen, die Verantwortung nach so vielen Jahren abzugeben?

Die Entscheidung ist reiflich überlegt und durchdacht. Sicherlich wird es eine einschneidende Veränderung, aber 20 Jahre sind eine lange Zeit. Ich hoffe für uns alle hier in Halver, dass die Kulturarbeit fortgeführt wird, und stehe sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn dies gewünscht ist.