Bunte Blühstreifen neben fahlem Asphalt? Zumindest punktuell der Bauhof derzeit Farbe ins Stadtbild. Die Zahl der Blühstreifen wird ausgeweitet, ist zu hören und zu sehen.

Überregionale Nachrichten

Anregung kam schon 2017

An der Streuobstwiese am Handweiser oder am Kreisel an der Derschlager Straße / Marienheider Straße oder an der Birkeshöh sind Flächen bereits aufgelockert. Hier könnte die Stadt demnächst aufblühen.

Wildblumen - etwa auf der Streuobstwiese am Handweiser oder „Im Kumpenhahn“ - haben schon in den Vorjahren für Farbtupfer gesorgt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits im November 2017 angeregt, die Streuobstwiese „durch Wildblumen zur insektenfreundlichen Bienenweide“ weiterzuentwickeln und weitere geeignete Flächen zu sondieren. Der Rat gab „grünesLicht“.

Blühende Wildblumenwiese im Vordergrund, im Hintergrund ein Kirchturm mit Kreuz.
Am Handweiser und - wie hier im Bild - "Im Kumpenhahn" kamen die Blühstreifen gut an.
Foto: Rüdiger Kahlke

Anlass war eine Studie Krefelder Forscher. Sie hatten festgestellt, dass die Anzahl der Insekten seit 1990 um 76 Prozent abgenommen hat. Noch stärker war der Rückgang im Sommer, obwohl gerade zu dieser Zeit die Populationen am größten sein müssten. Fachleute sind sich einig: Verschwinden die kleinen Krabbler und „Flieger“, droht ein großer Öko-Gau.

Hans Obergruber, Leiter des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis, sah neben einer „Uniformierung der Landschaft“ mit Mono-Kulturen auch den Einsatz von Spritzmitteln als Grund für das Insektensterben. Das Bundesamt für Naturschutz schätzte, dass die Bestäubungsleistung der Insekten in Deutschland einen volkswirtschaftlichen Wert von mehr als einer Milliarde Euro jährlich ausmacht. Die kürzlich verstorbene Ex-Präsidentin des Bundesamtes, Beate Jessel, mahnte, die landwirtschaftlichen Erträge würden „ohne eine Bestäubung durch Insekten dramatisch zurückgehen“.

Lebensraum für Insekten

Damit folgt Meinerzhagen dem Beispiel anderer Kommunen. In Olpe etwa werden seit Jahren Grünstreifen, Überquerungshilfen für Fußgänger oder Verkehrsinseln in der Stadt eingesät. Die Wildblumen werden so im Sommer zum Farbtupfer auf öffentlichen Flächen, sind gleichermaßen Augen- und Bienenweide. Die Blühsteifen bieten den Kleintieren neuen Lebensraum.

Blühende Wildblumen am Straßenrand in Olpe, im Hintergrund eine Straße mit fahrenden Autos und einem Verkehrsschild.
In Olpe gehören Blühstreifen an Fahrbahnen schon länger zum sommerlichen Stadtbild.
Foto: Rüdiger Kahlke

Auch inMeinerzhagen kamen die Wildblumen-Streifen gut an. So berichtete die Verwaltung im Juli 2021 nach der Neuanlage von Wildblumenwiesen in Valbert von "positiven Rückmeldungen aus der Bürgerschaft". Knapp ein Jahr später hieß es auf Anfrage im Rat, ob zu den vorgesehen Wildblumenwiesen und Grünsteifen neue hinzukommen würden, „dass seitens der Verwaltung keine weiteren Standorte geplant sind“, mögliche Vorschläge aber „hausintern geprüft würden“.

Inzwischen scheint die Prüfung abgeschlossen und neue Flächen sind geplant. Im Bauprogramm der Stadt sind sie finanziell hinterlegt: 8000 Euro macht der Posten „Wechselbepflanzung, Blühsteifen, sonstige Pflanzungen“ aus. Ob es sich dabei um Deko für das Schützenfest handelt, wie manche orakeln, oder dauerhaft Farbtupfer und Öko-Inseln für Artenvielfalt entstehen, wird sich dann in den nächsten Jahren zeigen.