Mit einer Aussage sorgte Sebastian Unkhoff, der neue Chef der Arbeitsagentur, in seiner Premieren-Sitzung bei den Mitgliedern des Iserlohner Sozialausschusses für besondere Aufmerksamkeit: Der Ausbildungsmarkt bereite Sorgen.
"Lösung" bedeutet "Abbruch"
„Wir stellen einen deutlichen Rückgang bei den Ausbildungsstellen fest. Außerdem war die Anzahl der aufgelösten Ausbildungsverträge mit 31 Prozent noch nie so hoch“, erklärte Unkhoff in seinem Bericht zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die „Lösung“ von Ausbildungsverträgen ist der Fachjargon für „Abbruch.“
Erklärungsversuche
Diese Meldung kam fast parallel mit der Nachricht über die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie, die Schülerinnen und Schülern in Deutschland soeben keine „guten Noten“ ausgestellt hat.
Auf Nachfrage der Redaktion, wie die gestiegene Zahl zu erklären sei, erklärte Sebastian Unkhoff: „Die Grundlage für meine Aussagen im Sozialausschuss ist, dass die 31 Prozent nicht gleichbedeutend mit 31 Prozent endgültigen Ausbildungsabbrüchen sind. 'Vorzeitig gelöst' beschreibt zunächst die Beendigung eines konkreten Ausbildungsvertrags. Dahinter können beispielsweise Betriebs- oder Berufswechsel stehen.“
MK über dem Landesschnitt
Mit 31 Prozent aufgelöster Ausbildungsverträge liegt der Märkische Kreis knapp über dem Landesschnitt von 30,9 Prozent. Nach Daten der IT-NRW ist der MK-Wert in Südwestfalen der höchste: Hochsauerlandkreis 23,3 Prozent, Kreis Soest 27,6 Prozent, Kreis Olpe 26,6 Prozent, Kreis Siegen-Wittgenstein 26,8 Prozent. Beim Blick auf die jeweiligen Branchen ergibt sich folgendes Bild der Lösungsquoten: Landwirtschaft 45,2 Prozent, Handwerk 41,2 Prozent, Freie Berufe 33,3 Prozent, Industrie und Handel 28,1 Prozent und Öffentlicher Dienst 6,6 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Lösungsquote jährlich um ein Prozent.

746 stiegen beim Handwerk wieder aus
746 Ausbildungsverträge sind im Jahr 2025 im Bereich der Handwerkskammer Südwestfalen wieder aufgelöst worden. Das erklärt Handwerkskammer-Präsident Jochen Renfordt aus Iserlohn-Letmathe auf Nachfrage. Renfordt spezifiziert: „Davon 394 im ersten Ausbildungsjahr, 231 in der Probezeit, 230 im zweiten Jahr, 105 im Jahr und 17 im 4. Ausbildungsjahr.“
Jugend hat mehr Möglichkeiten
Sowohl Sebastian Unkhoff als auch Jochen Renfordt warnen vor voreiligen Schlüssen und leichtfertigen Verurteilungen der jugendlichen Ausbildungsabbrecher. „Die Gründe für die Lösungen sind sehr vielfältig“, so Jochen Renfordt. Als Beispiele nennt der Handwerkskammer-Präsident: Mangelnde Berufsorientierung, gesundheitliche Probleme, Wohnungswechsel oder Änderung der Familiensituation, ungeeignete Berufswahl, gute Ausbildungsstellenmarktlage für Jugendliche in Verbindung mit einer dann steigenden Wechselbereitschaft, Insolvenz beziehungsweise Schließung des Ausbildungsbetriebes, nicht professionalisiertem Rekrutierungsverhalten eines Betriebes, mangelnde Ausbildungsqualität eines Betriebes oder Umgang mit Konflikten im Unternehmen.
So ganz aus der Verantwortung nimmt die Handwerkskammer die Jugendlichen allerdings nicht: „Mangelnde Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft einiger gehört auch dazu.“
Mangelnde Busverbindung
Nicht unerwähnt bleiben dürfe laut Jochen Renfordt ein weiterer Abbrechungsgrund, beziehungsweise Wechselgrund: ein unzumutbarer oder nicht vorhandenen öffentlichen Nahverkehr bei minderjährigen/führerscheinlosen Azubis. Renfordt: „So haben wir im eigenen Betrieb gerade aktuell den Fall einer Auszubildenden aus Schwerte, die nun nicht mehr pünktlich zu unserer Firma kommt, da die MVG den Fahrplan gekürzt hat. Insgesamt ist die Busverbindung zwischen Schwerte/Ergste und Letmathe eine Katastrophe und hat bereits Ausbildungsverhältnisse bei uns verhindert.“









