Sechs Stunden blieben Sean Micke, um alles zu organisieren: Arbeitgeber informieren, Sachen packen, ins Rheinland fahren und gemeinsam mit anderen Feuerwehrleuten Einsatzmaterial zusammenstellen. Dann ging es rund 1500 Kilometer Richtung Serbien: Elf Tage lang war der Oberbrandmeister aus Lüdenscheid im Einsatz, um ehrenamtlich bei der Bekämpfung großflächiger Waldbrände zu helfen.

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Feuer in der „Banater Sandwüste“

Sean Micke ist hauptamtlicher Feuerwehrmann in Lüdenscheid. Sein außergewöhnlicher Einsatz in Serbien war aber ehrenamtlicher Art, denn das Hilfsgesuch ging an den europäischen Katastrophenschutz. Genauer gesagt: an deren Spezialisten für die Bekämpfung von Waldbränden, das EU-Waldbrandmodul. Und dazu gehört auch Micke als Fachberater der internationalen Hilfsorganisation „@fire“, für die er in Nordrhein-Westfalen als Teamleiter fungiert. „Wir sind eine auf Waldbrände spezialisierte und hochqualifizierte Einheit“, erklärt der 36-Jährige.

Als der Hilferuf aus Serbien am 21. August einging, zählte Micke zu den 56 Feuerwehrleuten, die kurzfristig für den Einsatz mobilisiert wurden. Ein echter Knochenjob in schwierigem Gelände, bei Temperaturen von weit über 30 Grad – und eine Erfahrung, für die der Lüdenscheider aus mehreren Gründen dankbar ist, wie der 36-Jährige nach seiner Rückkehr erzählt.

Ziel des Hilfstrupps, der sich mit 20 Einsatzfahrzeugen in den Nordosten Serbiens aufmachte, war das Naturreservat „Deliblato Sands“, auch „Banater Sandwüste“ oder „Europäische Sahara“ genannt. Dort hatten sich großflächige Waldbrände ausgebreitet. 

Blick auf die Flammen im serbischen Naturreservat „Deliblato Sands“.
Foto: privat

Rund 8000 Quadratmeter Wald standen inzwischen in Flammen, als Micke und seine Kameraden eintrafen. Und die Brände brachten die Fachleute immer wieder an ihre Grenzen, verlangten ihnen alles ab. Was Micke zum einen dem „herausfordernden Einsatzgebiet“ zuschreibt: „Das ist eine riesige Sandwüste mit Dünen, die mit Bäumen bepflanzt wurde, um den Sandflug zu verhindern. Dementsprechend schwierig war es auf diesem Untergrund, mit den Fahrzeugen voranzukommen.“

Zum anderen habe sich das Feuer als „sehr dynamisch“ erwiesen. Gemeinsam mit serbischen Feuerwehrleuten und Helfern legten die Einsatzkräfte mit Bulldozern teilweise bis zu 50 Meter breite Brandschneisen an. Doch selbst diese Barrieren konnten die Flammen nicht immer stoppen: „Die Flammen haben diese Schneisen aber teilweise übersprungen, was ungünstige Winde und die sehr trockene Umgebung begünstigt haben“, blickt Sean Micke zurück. Das EU-Waldbrandmodul hätten verschiedene Techniken und Taktiken zur Bekämpfung der Feuer angewandt und auch die Löscharbeiten aus der Luft koordiniert. Und immer wieder gezielt nach Glutnestern gesucht, um sicherstellen zu können, dass einzelne Feuer auch definitiv gelöscht sind.

Ungünstige Winde und die sehr trockene Umgebung erschwerten die Löscharbeiten.
Foto: privat

Zwölf Stunden Dienst, kaum Abkühlung

Nicht nur wegen des unwegsamen Geländes, sondern auch wegen der Temperaturen von über 35 Grad Celsius eine extreme Belastung, die durch die Hitze des Feuers noch zusätzlich verstärkt wurden. Dazu kam die Arbeit im 24-Stunden-Schichtbetrieb, die für jedes Teammitglied des EU-Waldbrandmoduls über mehrere Tage immer zwölf Stunden Dienst am Stück bedeutete. Danach war Ausruhen in einem Zeltlager angesagt, das die deutschen Einsatzkräfte auf einem Basketballfeld aufgeschlagen hatten. Hier befand sich auch das Einsatzzentrum der Katastrophenschützer, das „Base of Operation“, ebenfalls im Zelt. Stromgeneratoren, Wasserleitungen, technische Ausstattung und vieles mehr hatten sie selbst mitgebracht und eilig ans Laufen gebracht. 

Sean Micke (links) bei einer Lagebesprechung im "Base of Operation".
Foto: privat

Dörfer und Bauernhöfe geschützt

Die harte Arbeit zahlte sich am Ende aus. Zwar waren die Waldbrände noch nicht vollständig gelöscht, als Sean Micke und seine Kameraden wieder abreisten. Aber die Lage war wieder unter Kontrolle und die Brände eingedämmt. Außerdem war es gelungen, Dörfer und landwirtschaftliche Betriebe nahe des Naturschutzgebietes vor den Flammen zu schützen. 

Am 1. September war Sean Micke zurück in Lüdenscheid. Vollkommen erschöpft, aber glücklich und dankbar. „Das war eine ungemein wichtige und wertvolle Erfahrung für mich, und ich bin sehr froh, dass ich dabei helfen konnte, Wohnhäuser und Bauernhöfe zu schützen“, sagt Micke. Neben der eigentlichen Brandbekämpfung habe er vor allem eines aus Serbien mitgenommen: das Gefühl internationaler Kameradschaft. „Wir haben zu jeder Zeit deutlich gespürt, dass die Feuerwehr überall eine große Familie ist und zusammenhält“, sagt er.

Nicht nur bei den Teambesprechungen hat Sean Micke gemerkt: "Die Feuerwehr ist überall eine große Familie und hält zusammen."
Foto: privat

Dankbar für Rückhalt

Auch zu Hause fand der Einsatz Rückhalt. Mickes Frau engagiert sich selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr und ermutigte ihn, als er ihr von seinem spontanen Aufbruch nach Serbien erzählte. Auch die Feuerwehr Lüdenscheid gab ihm kurzfristig die nötige Freistellung. Dafür ist Micke ausdrücklich dankbar: „Danke an meine Vorgesetzten für die Freistellung und an alle Kolleginnen und Kollegen, die die durch mein Fehlen zusätzliche Arbeitsbelastung aufgefangen haben.“

Und wenn der nächste Hilferuf kommt? „Auch dann würde ich keine Sekunde zögern“, betont der 36-Jährige.