Die Stimmung in der südwestfälischen Wirtschaft hat sich ein wenig gebessert. Auch wenn die aktuelle Geschäftslage in vielen Unternehmen weiterhin überwiegend angespannt ist, steigen die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Das ist die zentrale Aussage der aktuellen Konjunkturumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), die am Donnerstag, 5. Februar, vorgestellt wurde.
Geschäftsklimaindex gestiegen
An der Umfrage haben sich 490 Unternehmen mit mehr als 35.000 Mitarbeitenden aus dem Märkischen Kreis, dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis sowie der Stadt Hagen beteiligt.
Der SIHK-Geschäftsklimaindex, der die Lage der Erwartungen der Wirtschaft kombiniert, klettert im Vergleich zur Vorumfrage um sieben auf 91 Prozentpunkte. „Die vierjährige Durststrecke, in der es mehr Skepsis als Optimismus gab, scheint überwunden“, so Julian Pflichtenhöfer von der SIHK. „Die Tendenz ist positiv, aber ohne die großen wirtschaftlichen Sprünge.“
Pflichtenhöfer machte folgende drei Top-Risiken für die heimischen Unternehmen aus: die kränkelnde Inlandsnachfrage, die hohen Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten sowie schrumpfende Auslandsnachfrage. Entspannt habe sich dagegen der Fachkräftemangel sowie die Belastung der Verkehrsinfrastruktur — letztere vor allem durch den Neubau der Rahmedetalbrücke.
Anpassungsfähiger Mittelstand
„Wir haben einen resilienten, anpassungsfähigen Mittelstand. Wir hoffen, dass die Talsohle jetzt erreicht ist“, erklärte Britta Hölper von der Firma Möhling in Altena, Vorsitzende des SIHK-Ausschusses für Industrie, Umwelt und Energie, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. Jetzt gelte es, sowohl den europäischen Binnenmarkt und auch dessen Position auf den Weltmärkten selbstbewusst zu stärken. „Wenn Politik jetzt Wachstum will, muss sie liefern: Planungssicherheit, Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise“, so Britta Hölper.
Infrastruktur bleibt ein Problem
Ein Problem sei nach wie vor die marode Infrastruktur, die müsse angepasst werden, forderte Marc Simon vom Unternehmen Cosi Stahllogistik in Hagen, zugleich Vorsitzender des SIHK-Verkehrsausschusses. „Die Wiedereröffnung der A45 lässt unsere Region aufatmen. Gleichwohl bleibt der Zustand auf Straße und Schiene kritisch. Die Verkehrsinfrastruktur hat die wirtschaftliche Entwicklung enorm beeinflusst“, meint Marc Simon. Investitionen seien zurückgehalten worden. Auch er kritisiert den überbordenden Bürokratismus. Das Logistik-Unternehmen beklagt das Fehlen von Lkw-Fahrern: „Wir haben sogar zwei aus Borkina Faso eingestellt.“
Attraktive Innenstädte gefordert
Attraktivere Innenstädte fordert Burkhard Blesel, denn der Handel stehe weiter unter Druck, erklärt der Hagener Unternehmer, der im Handel- und Dienstleistungssektor aktiv ist. „Auch wenn wir einen erfreulichen Anstieg beiden Passantenfrequenzen verzeichnen, bleibt die Lage angespannt. Mehr Passanten bedeuten nicht automatisch auch mehr Umsatz.“ Blesel fordert ein Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und den Menschen, um die Innenstädte wieder attraktiver zu machen und zu beleben. Burkhard Blesel: „Es braucht saubere und sichere Innenstädte sowie kluge Einzelhandelskonzepte und attraktive Events für zukunftsfähige Innenstädte.“ Die Dienstleistung sei die beste Branche, die die Region habe, so die Aussage der SIHK.
Kraft, Mut und Zuversicht nötig
„Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß. Es gibt positive Signale“, wertet SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage. Aber es erfordere auch Kraft, Mut und Zuversicht, sich aus dem Tal herauszuarbeiten. Dr. Ralf Geruschkat: „Wir müssen uns als Region neu erfinden. Wir müssen zukunftsorientiert investieren.“
Weitere Infos auf SIHK-Website
Weitere Infos zu der aktuellen SIHK-Konjunkturumfrage erteilt Julian Pflichtenhörfer per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 02331/390-206.
Alle Ergebnisse und der ausführliche Konjunkturberichtist sind auf der SIHK-Website unter www.sihk.de/konjunktur abrufbar.










