Wenn aus Dauerregen eine ernste Gefahr wird, zählt jede Minute – und vor allem ein eingespieltes Team. Genau das hat der Märkische Kreis gemeinsam mit mehr als 200 Einsatzkräften aus den Kommunen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unter dem Titel „Waterworld“ fand in Lüdenscheid eine groß angelegte Katastrophenschutzübung statt. Im Fokus: der Schutz von Gebäuden vor Hochwasser.
Die Ausgangslage für das Übungsszenario war bewusst zugespitzt, aber keineswegs unrealistisch, wie die Vergangenheit im Märkischen Kreis gezeigt hat: Nach tagelangen Regenfällen waren die Böden im südlichen Kreisgebiet vollständig gesättigt. Für das Wochenende prognostizierte der Deutsche Wetterdienst massive Niederschläge – bis zu 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Die Folge für die Großübung: akute Hochwassergefahr. Die Feuerwehr Lüdenscheid hatte für den Bereich Bremecker Hammer den Märkischen Kreis um Unterstützung gebeten. Dort musste kurzfristig ein Deich errichtet werden, um das historische Industriedenkmal vor einer drohenden Überflutung zu schützen.
Großaufgebot im Einsatz
Die Einsatzleitung des Märkischen Kreises reagierte und alarmierte direkt Kräfte aus Feuerwehren, Technischem Hilfswerk (THW) und weiteren Hilfsorganisationen. Beteiligt waren Feuerwehren aus Lüdenscheid, Balve, Schalksmühle, Herscheid, Neuenrade, Plettenberg und Altena, die THW-Ortsverbände Halver, Lüdenscheid, Iserlohn, Lünen, Waldbröl und Balve sowie der Malteser Hilfsdienst aus Werdohl und Lüdenscheid. Ergänzt wurde der Einsatz durch die Drohneneinheit des Märkischen Kreises (Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde), die Kreisleitstelle sowie den Stab der Einsatzleitung im Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum (BRZ) Altena-Rosmart.
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Gemeinsam errichteten die Einsatzkräfte am Bremecker Hammer einen Deich aus rund 10.000 Sandsäcken. Bereits am Freitag und Samstag waren Einsatzkräfte an mehreren Standorten aktiv, darunter in Hemer, Lüdenscheid, Altena und Plettenberg. Der Deich bleibt selbstverständlich bestehen.
Die Sandsäcke wurden an zwei Standorten – in Hemer und Plettenberg – gefüllt, verladen und per Lkw transportiert. Zum Einsatz kamen unter anderem Sandsackfüllmaschinen des Märkischen Kreises, Teleskopstapler und Notstromanhänger des THW, Transportfahrzeuge der Feuerwehren sowie ein Wechselladerfahrzeug des BRZ Rosmart.
Logistik im Fokus
Neben dem eigentlichen Deichbau stand vor allem die Logistik im Fokus der Großübung. Große Mengen Material mussten effizient bewegt werden, auch über längere Strecken innerhalb des Kreisgebietes. Gleichzeitig wurde die Kommunikation zwischen den Einsatzabschnitten intensiv trainiert. Ausdrücklich auch unter der Annahme, dass der Mobilfunk ausfällt. Für den medizinischen Eigenschutz sowie die Verpflegung der Einsatzkräfte sorgte der Malteser Hilfsdienst. Parallel dazu arbeitete im BRZ der Stab der Einsatzleitung und koordinierte das operative Vorgehen, ebenfalls als praxisnahes Training für mögliche, komplexe Hochwasserlagen.
Kreisbrandmeister Michael Kling betont, wie wichtig solche realitätsnahen Übungen sind: „Starkregenereignisse und Hochwasserlagen nehmen zu. Das ist keine abstrakte Zukunftsprognose mehr, sondern Realität. Genau deshalb ist es entscheidend, dass wir unsere Abläufe nicht nur auf Papier kennen, sondern unter möglichst echten Bedingungen trainieren. Bei ‚Waterworld‘ ging es nicht nur um eine Show, sondern um Substanz: Wir haben unsere Konzepte getestet, Abläufe vertieft und die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg gestärkt. Besonders wichtig ist, dass wir alle Beteiligten – von der Feuerwehr über das THW bis zu den Hilfsorganisationen – als gemeinsames, starkes Team erleben. Denn genau so müssen wir im Ernstfall funktionieren: schnell, abgestimmt, professionell und verlässlich.“
„Solche Lagen sind nur im Verbund zu bewältigen. Entscheidend ist, dass wir die Schnittstellen beherrschen und die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Mit ‚Waterworld‘ haben wir einmal mehr gezeigt: Katastrophenschutz ist Teamarbeit“, ergänzt Christopher Rehnert als Leiter der Feuerwehr Lüdenscheid. Dennis Naudit vom THW Lüdenscheid erklärt: „Das THW bringt dabei spezielle Fähigkeiten und Technik ein – etwa bei der Logistik, beim Materialtransport oder bei der Energieversorgung. Aber Technik allein reicht nicht. Wenn das Wasser kommt, muss teamübergreifend jeder Handgriff sitzen. Solche Übungen machen uns im Einsatzfall besser.“










