Die Zeiten, als der Alte Markt zum Stadtfest abends schwarz vor Menschen war und die drangvolle Enge zum Start der beliebten PleWo einfach dazu gehörte sind wohl einfach vorbei. Lag es am Wetter, an einer Ausgehverdrossenheit der Bürger oder an der derzeitigen Wirtschaftslage?
Fassanstich vor überschaubarer Kulisse
Nach dem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst mit Pfarrer Joachim Westhoff und der katholischen Gemeindereferentin Laura Bartz war es in Plettenbergs Wohnzimmer zum traditionellen Fassanstich mit Bürgermeister Ralf Beßler noch recht übersichtlich, was die Besucherzahlen anging. Mit zwei beherzten Schlägen trieb Beßler den Bierhahn in das von der Veltins-Brauerei gesponserte 40-l-Fass, um das erste obligatorische Riesenglas zu füllen und das Freibier für die Gäste freizugeben.
Kuersche gewinnt das Publikum mit Musik und trockenem Humor
Mit der One-Man-Band Kuersche, Singer-Songwriter Andreas Kürsche, begleitet vom Vertretungs-Schlagzeuger Torben, folgte der erste musikalische Act des Stadtfestes. Kürsche, seit 38 Jahren im Musikgeschäft unterwegs und seit 30 Jahren wechselnd auf Solopfaden oder in Bandbegleitung auftretend, sah sich einer sehr überschaubaren Publikumsmenge gegenüber. In den 1990er Jahren wurde er als Support der Band Fury in the Slaughterhouse bekannt.
Trocken frotzelte er zum menschlichen Vakuum auf dem Platz: „Ich mache gleich auch ne kleine Pause, dann könnt ihr noch Leute anrufen, damit sie hierhinkommen.“ Verhalten zunächst reagierte das Publikum auf die eigenen Songs des Künstlers, der jedoch in kürzester Zeit mit seiner Spielfreude, seiner Stimme und dem Groove seiner Musik zu überzeugen wusste und den Draht zum Publikum fand. Immer wieder sorgte Kürsche mit seinem trockenen Humor für kleine Lacher und bezog das Publikum mit ein.
Kürsche, ein Singer-Songwriter aus Hannover, der mit eigenen Liedern bei einem Stadtfest im Sauerland auftritt. Und feststellen muss, dass ihn hier so gar keiner kennt. Dazu die sowieso schwierige Auftrittszeit am späten Nachmittag. Aber Kürsche wusste zu überzeugen und durfte trotz alledem nicht ohne Zugabe von der Bühne.
Keyboard sorgt für neuen Sound bei den Finest Fathers
Nach Überbrückungsmusik, aufgelegt durch DJ Domi war es Zeit für die musikalische Zugnummer des Abends. Die heimische Band Finest Fathers, Coverband für Hardrock-Musik, enterte die Bühne mit einem besonderen Gast. Neben Sänger und Bassist Jörg Wilmink, Leadgitarrist Reinbert Hammecke, ergänzte an diesem Abend der dritte Schlütter-Bruder Peter am Keyboard, das musikalische Brüder-Trio zu Martin (Schlagzeug) und Bernhard (Rhythmusgitarre) und rundete den grandiosen Auftritt der Rockband ab. An diesem Abend stimmte bis auf das Wetter eigentlich alles. Starke Regengüsse ließen zunächst befürchten, dass aufgrund dieses Wetter die Besucher ausbleiben könnten. Doch kurz vor dem Auftritt ebbte die Nässe ab und der Alte Markt füllte sich zusehends mit Menschen und eingefleischten Finest-Fathers-Fans wie etwa Gabriele und ihr Mann Peter, die früh gekommen waren, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern.
Bester Sound, professionell abgemischt von eigens von der KulTour engagierten Tontechnikern, gutgelaunte Spielfreude der Musiker, Neuheiten im Repertoire sowie das Einbinden des Keyboards in die Coverversionen beliebter Rocksongs - das Publikum reagierte begeistert. Neue Intros gestalteten die Songs zu Gänsehaut verursachenden Momenten. Bereits der erste Song „This Train“ (von Joe Bonamassa) ließ erahnen: Das wird kein Finest-Fathers-Konzert wie sonst. Die glänzenden Augen der „Jungs“ nach den intensiven Probenarbeiten versprach Insidern einiges an Überraschungen. Und die Väter lieferten gnadenlos ab. Die unverkennbare Stimme von Jörg Wilmink, das virtuose Saitenspiel von Reinbert Hammecke an seiner Leadgitarre, die sichere Taktgebung der Beats und Rhythmen am Schlagzeug durch Martin Schlütter, der zuverlässige Rhythmus an der Gitarre durch Bernhard Schlütter und an diesem Abend kam hinzu: das beeindruckende Tastenspiel mit toller Fingerfertigkeit am Keyboard durch Peter Schlütter.
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Von „Black Night“ bis Wickie: Vier Stunden Rock zum Abschluss
Jubel brandete auf beim Zusammenspiel von Reinbert und Peter beim Vorspiel des Songs Black Night. Rockende Virtuosen ganz unter sich, dann der Einsatz aller Bandmitglieder und das Publikum sang aus Leibeskräften mit. Whole lotta Rosie von AC/DC durfte nicht fehlen, genauso wenig wie Enter Sandman oder Highway Star. Der Rebell von Billy Idol schrie, die Ärzte schrien nach Liebe und ganz zum Schluss gab es den besonderen Schuss Humor, mit dem die Väter sich nach vier Stunden toller Performance von der Bühne verabschiedeten: eine rockige Version der Titelmelodie der Kindersendung Wicki!
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